Die Europäische Kommission und das SpaceRISE-Konsortium haben ihre Verhandlungen abgeschlossen und eine Umsetzungsvereinbarung zur Einführung von IRIS², der neuen Satellitenkonstellation der Europäischen Union, unterzeichnet. Wie die European Space Agency (ESA) mitteilt, sieht die Vereinbarung unter anderem vor, das Programm um 66 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn zu erweitern, wodurch die Hauptkonstellation auf 348 Satelliten anwächst und mit Unterstützung der ESA von der Planungsphase in die vollständige Betriebsphase übergeht.
Die ESA spiele eine Schlüsselrolle bei der technischen Umsetzung von IRIS²: Sie überwache die Entwicklung, Qualifizierung und Validierung der Konstellation im Orbit und setze die Ziele des Programms in industrielle Leistungen um, schreibt die Weltraumagentur.
In Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und SpaceRISE wird die ESA den Angaben zufolge die Bereitstellung eines sicheren und widerstandsfähigen Konnektivitätssystems gewährleisten, um die strategische Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit Europas weiter zu stärken. Das SpaceRISE-Konsortium besteht aus drei europäischen Satellitenbetreibern als Hauptpartner. Dabei handelt es sich um SES, Eutelsat und Hispasat. Diese drei Unternehmen haben den 12-jährigen Konzessionsvertrag mit der Europäischen Kommission für Entwicklung, Aufbau und Betrieb der IRIS²-Konstellation unterzeichnet.
Unterstützt werden sie laut Homepage des Konsortiums von weiteren europäischen Industrie- und Telekommunikationsunternehmen. Dies sind: Thales Alenia Space, OHB, Airbus Defence and Space, Telespazio, Deutsche Telekom, Orange, Hisdesat und Thales SIX. Nach eigenen Angaben ist auch das erst 2018 gegründete belgische Unternehmen Aerospacelab Teil des Teams. Gegenwärtig baut das Unternehmen im belgischen Charleroi eine Aerospace Megafactory mit einer Größe von 20.000 Quadratmetern. In der laut Aerospacelab größten Satellitenfabrik Europas sollen jährlich bis zu 500 Satelliten in der Klasse von 150 kg bis zu 1 Tonne entstehen. Die Produktion werde in einigen Monaten aufgenommen.
Laut ESA sind auch weitere Unternehmen aus der gesamten europäischen Lieferkette von IRIS² beteiligt. Das Programm sei so konzipiert, dass es auch Chancen für Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen sowie Mid-Caps schaffe, die innovative Raumfahrttechnologien entwickeln.
Wie es in der ESA-Mitteilung heißt, haben sich die europäischen Hersteller im Rahmen der Vereinbarung sich verpflichtet, die zusätzlichen Satelliten zu liefern, die auf eine erhöhte Widerstandsfähigkeit ausgelegt sind. Konkrete nächste Schritte seien nun festgelegt, um die ersten Starts bis 2029 zu erreichen.
Die Verhandlungen, die im Januar begannen, haben den Angaben zufolge die Schlüsselparameter des Programms bestätigt und die notwendigen Anpassungen, darunter das Design, die Systemkapazität, den Zeitplan für den Aufbau, den Zielpreis und die Investitionen privater Betreiber.
Sobald die Konstellation betriebsbereit sei, werde sie souveräne, sichere und äußerst zuverlässige Konnektivität für europäische Regierungen, Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie Rettungsdienste in ganz Europa bereitstellen.
Die Kommission, die ESA und die EU-Agentur für das Raumfahrtprogramm haben laut Mitteilung gemeinsam mit dem SpaceRISE-Konsortium und europäischen Industriepartnern die nächsten Schritte festgelegt, die zur Umsetzung von IRIS² erforderlich sind. Dazu gehören die Fertigstellung des detaillierten Entwurfs der Satellitenkonstellation, die Vorbereitung des Baus der Satelliten und der sicheren Bodeninfrastruktur, die Sicherung der Startdienste sowie die schrittweise Einführung operativer Konnektivitätsdienste ab 2029.
Die künftige Konstellation wird 348 Satelliten umfassen, bestehend aus 330 Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn und 18 Satelliten in der mittleren Erdumlaufbahn, mit zusätzlichen optionalen Elementen zur Unterstützung spezifischer Missionen. Um auf ein sich wandelndes Sicherheitsumfeld zu reagieren, habe die Kommission die Kapazität von IRIS² über das ursprüngliche Konzept hinaus erweitert.
IRIS² werde im Rahmen eines „Team Europe“-Ansatzes aufgebaut, bei dem das Fachwissen der Europäischen Kommission, der EU-Mitgliedstaaten, der ESA, der Agentur der Europäischen Union für das Raumfahrtprogramm und der europäischen Industrie gebündelt werde. Im Rahmen der öffentlich-privaten Partnerschaft haben sich das SpaceRISE-Konsortium verpflichtet, die erforderliche Weltraum- und Bodeninfrastruktur bereitzustellen, um den beschleunigten Zeitplan einzuhalten.
IRIS² wird es laut Mitteilung autorisierten staatlichen Nutzern in den EU-Mitgliedstaaten und den teilnehmenden Ländern – derzeit Norwegen und Island – ermöglichen, während kritischer Einsätze sicher und unterbrechungsfrei zu kommunizieren. Europa werde eine autonome und widerstandsfähige Konnektivitätskapazität bieten. Die Finanzierung erfolgt durch eine Kombination aus Mitteln aus dem EU-Haushalt für den Zeitraum 2028 bis 2034 und zusätzlichen Investitionen der EU-Mitgliedstaaten sowie anderer Länder.
Einige EU-Mitgliedstaaten stärken der ESA zufolge IRIS² bereits durch nationale Investitionen, um spezifische zusätzliche Bedürfnisse zu decken. Polen und Ungarn haben demnach bereits 656 Millionen Euro bzw. 500 Millionen Euro zugesagt, während Spanien Investitionen zwischen 1,6 und 2 Milliarden Euro angekündigt hat. Weitere Beiträge von EU-Mitgliedstaaten werden derzeit geprüft, wie es heißt.
Unter der Leitung der Kommission und mit der technischen Expertise der ESA werde das SpaceRISE-Konsortium nun die Programmentwicklung vorantreiben. Dazu gehören der Bau der Satelliten, die Beschaffung von Startdiensten und die Entwicklung einer sicheren Bodeninfrastruktur, um den rechtzeitigen Einsatz der Konstellation sicherzustellen.
Am 16. Dezember 2024 unterzeichnete die Kommission den auf 12 Jahre angelegten IRIS²-Konzessionsvertrag mit dem SpaceRISE-Konsortium (SES, Eutelsat und Hispasat) und machte damit das geplante sichere Satellitenkommunikationssystem der EU zu einem offiziell finanzierten und rechtsverbindlichen Projekt.
Seit Dezember 2024 konzentrieren sich das SpaceRISE-Konsortium und die Kommission darauf, das Systemdesign zu konkretisieren, industrielle Arbeitspakete zu vergeben und groß angelegte Ausschreibungen für Satelliten, Startdienste und Bodeninfrastruktur vorzubereiten. Gleichzeitig haben sie die Konstellationsarchitektur und die Sicherheitsanforderungen weiter verfeinert.
Die Kommission und das SpaceRISE-Konsortium nahmen im Januar 2026 Verhandlungen über die Steuerung, den technischen Aufbau und die Finanzierung des Programms auf, die als „Rendezvous 1“ bezeichnet wurden. Die Verhandlungen wurden am 6. August 2026 abgeschlossen.
Über IRIS² wird bereits seit mindestens 2022 diskutiert. Böse Zungen behaupten, dass das Projekt unter anderem aufgesetzt wurde, um die schwächelnde französische Weltraumindustrie zu stützen. Kritiker bemängeln die langwierigen und schwierigen Verhandlungen, die mit dem Risiko des Projektabbruchs verbunden waren. Auch soll lange Zeit keine Einigung über Standards, Schnittstellen und Leistungsparameter bestanden haben. Die Bundeswehr hat sich mittlerweile dazu entschlossen, eine eigene Satellitenkonstellation für Kommunikationszwecke aufzubauen.
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