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Luftwaffe führt Brimstone für Eurofighter ein

Das britische Verteidigungsministerium will die Partnerschaft mit Deutschland in Sicherheitsfragen ausbauen, wie aus dem jüngsten Strategic Defence and Security Review hervorgeht. Konkrete Schritte zu mehr Kooperation macht  bereits die Luftwaffe: So beschafft die Bundeswehr  den von der britischen Sparte des europäischen Raketenbauers MBDA entwickelten Luft-Boden-Flugkörper Brimstone für die Kampfwertsteigerung des Eurofighters, wie der Inspekteur der Luftwaffe, Karl Müllner, am Montag am Rande des „NATO Talk around the Brandenburger Tor“ der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in Berlin bestätigte.

Die Einführung des Dual Mode Brimstone in die Luftwaffe habe man durchaus mit Blick auf die deutsch-britische Kooperation gemacht, betonte Müllner. Für den ursprünglich für die Royal Air Force konzipierten Flugkörper spricht seiner Aussage zufolge der Fakt, dass die Briten die Entwicklung der Waffe vorangetrieben und Integrationsarbeiten geleistet haben. So wird nach Angaben von MBDA gegenwärtig an der Integration der neuesten Brimstone-Variante in den britischen Eurofighter gearbeitet.  Den Gefechtskopf für den Flugkörper liefert TDW, eine Tochter von MBDA Deutschland. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, sind weitere Wertschöpfungsanteile für MBDA Deutschland im Gespräch. Dazu könnte unter anderem die Plattformanpassung gehören.

„Wir haben lange darüber nachgedacht in der Luftwaffe, was wir denn bevorzugen sollten“, sagte Müllner.  Aufgrund des geringen technischen, zeitlichen und finanziellen Risikos, habe man sich für Brimstone entschieden;  auch wenn der Flugkörper nur 90 Prozent der von der Luftwaffe geforderten Fähigkeiten besitze. Sicherlich gebe es auch andere Lösungen, die einer Zielerfüllung von 100 oder sogar 105 Prozent nahekommen. Diese seien jedoch mit Risiken und Entwicklungskosten behaftet. Unbestätigten Berichten zufolge könnte das erste Los Brimstone ab 2019 an die Luftwaffe geliefert werden.

Weitere Kooperationsbereiche mit Großbritannien sieht der Inspekteur der Luftwaffe  unter anderem bei der Entwicklung eines neuen Radars für den Eurofighter. Hier gehe es darum, die Spezifikationen so zu gestalten, dass das Radar zukunfts- und exportfähig sei. Auch beim in der Einführung befindlichen A400M könne man noch enger zusammenarbeiten.

Gespräche führen Deutsche und Briten auch hinsichtlich des so genannten Future Combat Air System, das die Bundeswehr in den kommenden Dekaden  entwickeln will.  „Wir sind uns weitgehend einig über die Elemente, die in so einem System drinnen sein müssen“, sagte Müllner. Während in Deutschland über einen Command Fighter diskutiert werde, hätten sich die Briten bereits für die F35 entschieden. Um dieses Flugzeug herum werde Großbritannien sein System bauen.

Müllner verwies auf die im britischen System enthaltenen Elemente der unbemannten Fliegerei.  „Das ist ein interessanter Aspekt, weil in dem Bereich ja vor allem die Briten derzeit noch mit den Franzosen kooperieren“.  Wenn das Lancaster House Agreement auslaufe, könne Deutschland möglicherweise ein weiterer Partner sein, um dann mit Fernsicht 2040 unbemannte Luftfahrzeuge als Teil des Systems zu entwickeln. Müllner räumte jedoch ein, dass es noch keine entscheidungsreifen Vorlagen gibt.

Nach Aussage des Luftwaffen-Inspekteurs wird das Next Generation Weapon System das Kernelement des deutschen Future Combat Air Systems darstellen. In zwei oder drei Jahren müsse das Verteidigungsministerium entscheiden, ob es dafür eine Kauflösung oder eine europäische Eigenentwicklung anstrebe. Für eine Eigenentwicklung sei es jedoch erforderlich, Partner zu gewinnen, die sich noch nicht festgelegt haben und über finanziellen Spielraum verfügen.

Müllner kündigte überdies an, auf der militärischen Ebene die gemeinsame Ausbildung von Waffenlehrern für Tornado und Eurofighter mit der Royal Air Force auszubauen. Man habe bislang einen Testrun für diese Hochwertausbildung in Deutschland mit anschließenden Übungen in Großbritannien gehabt und dabei „super Erfahrungen“ gemacht. „Wir werden das institutionalisieren.“
lah/15.11.2016