Der Münchener Panzerbauer KNDS Deutschland und der italienische Rüstungskonzern Leonardo haben eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet, wonach beide Unternehmen gemeinsam ein mobiles Rohrartilleriesystem für die italienischen Streitkräfte entwickeln wollen.
Wie es in einer heutigen Mitteilung der Unternehmen heißt, soll das neu zu entwickelnde Artilleriesystem dem KNDS Artillery Gun Module – wie es bei der Radhaubitze RCH 155 zum Einsatz kommt – und einer verbesserten Version der geschützten Radfahrzeugplattform von Leonardo basieren.
Beide Unternehmen kündigen zudem die Absicht an, ihre industrielle Zusammenarbeit zu intensivieren, um die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und die Markteinführungszeit zu verbessern. Die Unternehmen wollen so ihre gemeinsame Lösung für das bevorstehende Beschaffungsprogramm des italienischen Heeres anbieten.
„Die Kombination aus Leonardos modernster Elektronik, C5I, UAV-Verteidigungstechnologien und neuer Radfahrzeugplattform mit dem fortschrittlichsten Artilleriesystem von KNDS wird erheblich zur Steigerung der Kampfkraft und Effektivität des Systems beitragen“, heißt es in der Mitteilung.
Florian Hohenwarter, designierter CEO von KNDS Deutschland, wird in der Pressemitteilung mit der Aussage zitiert, wonach die Absichtserklärung „ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Interoperabilität der europäischen Landstreitkräfte und der Zusammenarbeit der europäischen Industrie“ sei.
„Diese Zusammenarbeit bestätigt einmal mehr unser Engagement für die Entwicklung integrierter Fähigkeiten, die den sich wandelnden Marktanforderungen in den neuen Einsatzszenarien gerecht werden“, heißt es von Seiten von Roberto Cingolani, CEO und General Manager von Leonardo.
Artillery Gun Module
Das Artillery Gun Module ist ein in Serienproduktion befindlicher, vollautomatischer Geschützturm mit einer aus der Panzerhaubitze 2000 bekannten 155 mm/L52-Waffenanlage von Rheinmetall. Das Geschützmodul wurde von KNDS plattformunabhängig konzipiert. Vorausgesetzt, dass die geforderten Ansprüche des Geschützes in puncto Traglast und Stabilität erfüllt werden, kann das AGM theoretisch auf jede denkbare Plattform integriert werden. Gemäß den Aussagen des Herstellers treten beim AGM Rückstoßkräfte von bis zu 60 Tonnen (höchste Ladung) auf. Diese müssen durch die Plattform aufgenommen werden (auch während der Bewegung), ohne dass das Fahrgestell über Gebühr beansprucht wird oder die Präzision darunter leidet.
Die Feuergeschwindigkeit des AGM beträgt mehr als acht Schuss pro Minute. In das AGM wurde ein vollautomatisches Ladesystem für Geschosse und modulare Treibladungen integriert. Die Zünder werden im Ladevorgang induktiv programmiert, die Waffenanlage elektrisch gerichtet. Die Kampfbeladung besteht aus maximal 30 bezünderten Geschossen und 144 modularen Treibladungen und damit rund 50 Prozent mehr, als es typische, auf LKW basierte und im Einsatz befindliche Artilleriesysteme haben.
Waldemar Geiger

















