Der russische Rüstungskonzern Kalaschnikow hat erstmals öffentlich den Flugabwehrkomplex „Zveroboy“ (Tierfänger) vorgestellt. Das System soll wichtige Objekte rund um die Uhr gegen Aufklärungs- und Angriffsdrohnen schützen. Als Abfangmittel kommen dabei Herstellerangaben zufolge hochgeschwindigkeitsfähige Abfangdrohnen zum Einsatz. Das teilte der Konzern in einer Pressemitteilung vom 15. September 2026 mit.
Kalaschnikow präsentierte Zveroboy auf dem 4. Allrussischen Waffenforum in Moskau. Nach Angaben des Herstellers richtet sich das System insbesondere gegen unbemannte Luftfahrzeuge wie die ukrainischen Typen „Leleka“, „Lyuty“, „Bober“ und „Hornet-XR“.
Zveroboy setzt nach Angaben von Kalaschnikow anstelle klassischer Flugabwehrraketen oder einer Rohrwaffenbewaffnung auf mehrrotorige, als FPV-Abfangdrohnen bezeichnete Abfangdrohnen mit dem Produktnamen „Kraken“. In jedem der drei Startcontainer sollen jeweils drei Drohnen bereitstehen.
Die mit einem nicht näher beschriebenen Gefechtskopf ausgerüsteten Kraken sollen die vom System erfassten Luftziele hoch automatisiert bekämpfen. Für den Einsatz bei Dunkelheit steht laut Hersteller die Variante „Kraken-N“ zur Verfügung, die zusätzlich mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist.
Damit verfolgt Kalaschnikow einen Ansatz, bei dem die klassische Abfolge aus Zielerfassung, Zielzuweisung und Einsatz eines konventionellen Flugabwehr-Effektors um unbemannte Abfangdrohnen ergänzt beziehungsweise durch diese ersetzt wird, wie es bei mehreren westlichen und auch ukrainischen Systemen bereits der Fall ist. Angaben zu Reichweite, Geschwindigkeit, maximaler Einsatzhöhe, Sensorleistung oder zur Treffergenauigkeit der Kraken machte der Konzern in der veröffentlichten Mitteilung nicht.
Zum Aufbau des Systems gehören nach Herstellerangaben eine automatisierte Bedienerstation der Bodenleitstelle, ein optisches Zielzuweisungssystem und eine Radaranlage. Diese stammt mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit von dem ebenfalls zum Rostec-Verbund gehörenden Optronik-Spezialisten Shvabe. Auch wenn Kalaschnikow sich hierzu nicht äußerte, hatte Shvabe im Sommer den Abschluss der Entwicklung einer Detektions- und Feuerleitlösung für den Einsatz von Abfangdrohnen kommuniziert. Das System verfügt in der aktuell gezeigten Variante über drei Startcontainer, einen digitalen Repeater sowie eine Steuerkonsole für den Bediener.
Die Sensorik kann über einen Mast ausgefahren werden. Die Kombination aus Radar und elektrooptischer Zielerfassung soll die Grundlage für die Erkennung und Bekämpfung der Drohnen bilden. Wie die einzelnen Sensoren miteinander verknüpft sind und in welchem Umfang die Zielerfassung beziehungsweise die Flugführung der Abfangdrohnen automatisiert erfolgt, geht aus den bislang veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Kalaschnikow bietet Zveroboy in einer stationären sowie in einer mobilen Ausführung an. Die mobile Variante ist auf dem Fahrgestell eines serienmäßigen Pick-ups aufgebaut oder wahlweise auf einem handelsüblichen Anhänger verlastet. Nach Darstellung des Herstellers soll dies sowohl eine schnellere Verlegung als auch eine einfachere Tarnung des Systems ermöglichen.
Darüber hinaus soll Zveroboy in bereits vorhandene Systeme zur Überwachung und Sicherung des Perimeters eines zu schützenden Objekts integriert werden können. Damit ist der Komplex laut Kalaschnikow insbesondere für die Verteidigung einzelner wichtiger oder kritischer Einrichtungen im Rahmen einer mehrschichtigen Drohnenabwehr vorgesehen.
Kristóf Nagy


















