Kalaschnikow erprobt Mehrfachgeschoss-Patrone für infanteristische Drohnenabwehr

Kristóf Nagy

Anzeige

Der russische Kalaschnikow-Konzern hat nach eigenen Angaben erfolgreich eine neuartige Mehrfachprojektil-Patrone im Kaliber 5,45 x 39 mm für den Einsatz gegen Drohnen im Nahbereich erprobt. Dies gab das Unternehmen am 9. April über seine Social-Media-Kanäle bekannt. Die Munition ist laut Mitteilung insbesondere für das Sturmgewehr AK-12 vorgesehen und soll vorwiegend die Abwehr von FPV-Drohnen im Nahbereich ermöglichen.

Im Rahmen der Erprobung wurden laut Kalaschnikow sowohl stationäre als auch bewegliche und direkt auf den Schützen anfliegende Drohnenziele bekämpft. Dabei wurde sowohl das Verhalten der Munition bei Einzelfeuer als auch im Feuerstoß untersucht. Nach Darstellung des Herstellers zerlegt sich das Projektil nach Verlassen des Rohres in mehrere Teilkörper. Dieser Ansatz erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit gegen kleine, schnelle und auch manövrierende Luftziele, ohne auf einen punktgenauen Einzeltreffer angewiesen zu sein.

Anzeige

Den veröffentlichten Ergebnissen zufolge konnten bei Treffern kritische Komponenten der Drohnen, darunter Antrieb, Energieversorgung und Elektronik, zuverlässig massive Beschädigungen erzielt werden, was zum Absturz führte. Gleichzeitig gibt das Unternehmen an, dass die ballistischen Eigenschaften der Teilprojektile ein reproduzierbares Trefferbild ergeben, was für die tatsächliche Nutzung essenziell ist. Die Munition sei zudem äußerlich identisch mit der gängigen Gefechtsmunition und daher mit Standardmagazinen kompatibel.

Anzeige

Der Ansatz entspricht einem breiteren Trend in der infanteristischen Drohnenabwehr, der sich auch in westlichen Streitkräften abzeichnet. Aktuell verlassen sich im Ukrainekrieg beide Parteien bei der Bekämpfung von Kleinst- und FPV-Drohnen im Nah- und Nächstbereich weitgehend auf Flinten. Neben elektronischen Gegenmaßnahmen rückt jedoch zunehmend die Nutzung vorhandener Handwaffen für diese Rolle in den Fokus.

Interessant ist, dass die russische Rüstungsindustrie, nach dem Ende 2024 erstmaligen Auftreten von im Feld improvisierten Lösungen, eigener Aussage zufolge seit geraumer Zeit an einer industriell gefertigten Lösung arbeitet, jedoch offenkundig noch nicht die technische Reife für eine Serienfertigung erreicht hat. Bereits vor über einem Jahr hatte das russische Unternehmen NPP Zvezda eine 5,45-mm-Drohnenabwehrpatrone mit dem gleichen Wirkprinzip vorgestellt. Die Munition soll auch mit einem Signaturreduzierer kompatibel sein und bei einem Schuss aus einer AK-12 auf 100 m eine Fragmentwolke mit 25 cm Durchmesser produzieren. Von einer Einführung der Munition, respektive einem Beginn der Serienfertigung und Nutzung an der Front wurde indes nichts bekannt.

Kristóf Nagy