Orizzonte Sistemi Navali (OSN), ein Joint Venture zwischen Fincantieri (51 Prozent) und Leonardo (49 Prozent), hat mit der europäischen Rüstungsagentur OCCAR einen Vertrag im Gesamtwert von rund 3,7 Milliarden Euro für die Entwicklung, Produktion, logistische Studien sowie die anfängliche Betriebsunterstützung (ISS) von zwei DDX-Zerstörern der neuen Generation für die italienische Marine unterzeichnet. Wie Fincantieri in einer Mitteilung weiter schreibt, entfallen rund 1,3 Milliarden Euro der Summe auf Optionen.
Im Rahmen des Programms werde OSN in den kommenden Wochen Unterlieferverträge mit Fincantieri und Leonardo abschließen, die sich auf rund 1,8 Milliarden Euro (davon rund 800 Millionen Euro an Optionen) beziehungsweise rund 1,7 Milliarden Euro (davon rund 480 Millionen Euro an Optionen) belaufen.
Die Unterzeichnung markiere den offiziellen Startschuss für eines der bedeutendsten Programme für die Zukunft der maritimen Verteidigungsfähigkeiten Italiens, heißt es in der Mitteilung.
Das DDX-Programm solle das Fähigkeitsprofil der italienischen Marine im Bereich der Luftverteidigung und Raketenabwehr durch einen bedeutenden Generationssprung neu definieren, der sowohl die von Fincantieri als Systemintegrator entworfene und entwickelte Marineplattform mit ihrer zunehmend fortgeschrittenen Digitalisierung als auch das von Leonardo entworfene und entwickelte Führungssystem umfasst.
Die neuen Schiffe werden laut Mitteilung für den Einsatz in stark vernetzten multinationalen Streitkräften konzipiert sein und sich durch einen hohen Grad an Digitalisierung, Automatisierung und Integration zwischen Sensoren, Waffensystemen, domänenübergreifenden Führungs- und Leitsystemen sowie Plattformmanagementsystemen auszeichnen.
Zu den für die Plattform geplanten Schlüsselinnovationen gehören ein Gleichstrom-Teilnetz mit dem dazugehörigen Energiespeichersystem, ein innovatives, in das Steuerungssystem integriertes Stabilisierungssystem, neue Algorithmen und Methoden zur Berechnung thermischer und elektrischer Bilanzen sowie weitere digitale Weiterentwicklungen des Schiffsmanagementsystems.
Was die Kampfausstattung betreffe, werde das DDX-Schiff nach der Beschreibung des Herstellers dank des C5I-Systems der neuen Generation „SADOC 5“, eines leistungsstarken, volldigitalen S-Band-AESA-Radars und der Waffensysteme von MBDA über eine beispiellose IAMD-Fähigkeit (Integrated Air & Missile Defence) gegen Raketen-, ballistische und Hyperschallbedrohungen verfügen. Damit werde eine vollständige domänenübergreifende Interoperabilität gewährleistet, die den Kern der Technologie bilde, auf der das „Michelangelo“-Projekt von Leonardo basiere.
Die beiden Schiffe werden von Fincantieri und Leonardo gebaut. Die Auslieferung des ersten und zweiten Schiffs ist für 2033 beziehungsweise 2035 geplant.
Die beiden Schiffe stellen der Mitteilung zufolge die Weiterentwicklung und den Ersatz der Zerstörer der Horizon-Klasse dar. Die 180 Meter lange DDX-Plattform mit einer Verdrängung von 13.500 Tonnen, einer Reichweite von 4.000 Seemeilen und einer Besatzung von 251 Mann vereine Innovationen aus den Bereichen Schiffbau, digitale Technologien und Elektronik, schreibt Fincantieri. Als echtes „System of Systems“ sei sie in der Lage, umfangreiche Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten bereitzustellen und gleichzeitig die Konvergenz des Oberflächen- und Unterwasserbereichs zu ermöglichen.
Ausgestattet mit einem elektronischen „Gehirn“, das das Schiff „denken“ lasse, verkörpere die DDX das von Fincantieri entwickelte „Navis Sapiens“-Konzept: ein digitales Schiff, das in der Lage sein soll, die von allen Bordsystemen generierten Daten intelligent zu erfassen, zu verknüpfen und zu nutzen und sie in Informationen umzuwandeln, die für operative Entscheidungen, das technische Management und die Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus hinweg nützlich sind.
Die Anbindung von „Navis Sapiens“ an das Festland ermöglicht laut Mitteilung die Schaffung eines digitalen Ökosystems (Fincantieri Digital Ecosystem) für die italienische Marine, das das digitale Schiff mit dem digitalen Marinestützpunkt vernetzt und verteilte Daten und Fähigkeiten zusammenführt, den Datenaustausch für vorausschauende Instandhaltung und digitale logistische Unterstützung ermöglicht sowie Missionsinformationen unter sicheren Bedingungen sofort an Bord verfügbar macht.
Bei einer Geschwindigkeit von 15 Knoten werde jedes Schiff dank eines von Fincantieri entwickelten innovativen digitalen Backbones in der Lage sein, unbemannte Systeme wie Unterwasser- und Oberflächendrohnen integriert zu steuern und so die Fähigkeiten zur Erkennung, Aufspürung und Abwehr von Bedrohungen aus der Luft – einschließlich ballistischer Bedrohungen – sowie von Bedrohungen an der Oberfläche und unter Wasser zu stärken. Gleichzeitig werde es den Verbrauch sowohl im Antriebs- als auch im elektrischen System des Schiffes optimieren und eine fortschrittliche Konnektivität bieten.
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