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Italien und Frankreich wollen neuen Marktführer schaffen

Die Regierungen Italiens und Frankreichs haben sich Presseberichten zufolge offenbar am Mittwoch auf die Gründung eines europäischen Marineschiffbau-Riesen geeinigt. Demnach wird der italienische Schiffbauer Fincantieri 51 Prozent der französischen Werft STX erwerben, wobei die Italiener das für die Beherrschung von STX erforderliche eine Prozent als Leihgabe des französischen Staates für einen Zeitraum von zwölf Jahren erhalten.

Den Berichten zufolge wird der französische Staat 34 Prozent an STX halten, während Frankreichs führender Marineschiffbauer Naval Group, der sich mehrheitlich in Staatsbesitz befindet, mit zehn Prozent an STX beteiligt ist.

Frankreich hat sich offenbar das Recht gesichert, unter bestimmten Bedingungen den einprozentigen Anteil zurückzufordern. Auch hat sich Italien dem Vernehmen nach bereit erklärt, gegebenenfalls seinen 50-Prozent-Anteil zurückzugeben.

Naval Group und Fincantieri begrüßten in einer Mitteilung die Entscheidung der beiden Regierungen, den Prozess  zur Schaffung einer Allianz im Verteidigungssektor zu starten. Beide Unternehmen würden eine Schlüsselrolle im Steuerungskomittee einnehmen, das in den kommenden Tagen eingerichtet werden soll, hieß es in der Mitteilung weiter.  Das Komitee solle bis Juni 2018 Details für die zukünftige Allianz ausarbeiten.

Sollte der Zusammenschluss der überwiegend im Staatsbesitz befindlichen italienischen und französischen Werften erfolgreich sein, würde für den fragmentierten deutschen Marineschiffbau ein Wettbewerber entstehen, der vom U-Boot bis zum Flugzeugträger alles bauen kann und über starke politische Rückendeckung verfügt. Während Beobachter eine kartellrechtliche Prüfung des Zivilgeschäftes von Fincantieri und STX für denkbar halten, dürfte die Rüstungssparte davon ausgeschlossen bleiben. Wettbewerbsrechtlich war es offenbar auch kein Problem, dass sich die staatlich dominierte Naval Group (DCNS) und Fincantieri in der ersten Runde der Ausschreibung für die MKS 180 beteiligt hatten.
lah/12/28.9.2017