Heeresflieger wollen Angebot für andere Nationen ausbauen

Das internationale Hubschrauberausbildungszentrum der Bundeswehr in Bückeburg soll in Zukunft mehr Piloten aus anderen Staaten ausbilden. Soldaten aus 12 Nationen seien bereits im Zentrum geschult worden, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Freitag bei einem Besuch vor Ort. Überdies hätten sechs weitere Nationen Interesse bekundet, so die Ministerin weiter.

P1000172Einweisung durch den Kommandeur: Die Ministerin lässt sich den Standort Bückeburg erklären.                                                                                                Foto: lah

„Wir wissen, dass dieses Zentrum einzigartig ist in seiner Qualität in Europa.“ Bei der Ausbildung von Hubschrauberführern aus anderen Ländern gehe es auch darum, Partnerschaften zu festigen und das Militär in Europa enger zu verflechten. In den kommenden Jahren sollen rund 17 Mio EUR in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden.

Laut Ministerin werden pro Jahr über 250 Hubschrauberpiloten und Pilotinnen in Bückeburg trainiert. Das Ausbildungszentrum, das bis Ende Juni noch Heeresflieger-Waffenschule hieß, verfügt über 18 moderne Flugsimulatoren und zahlreiche Schulungshubschrauber. Für die Pilotengrundausbildung, die etwa anderthalb Jahre dauert, stehen 14 Maschinen des Typs Airbus EC 135 zur Verfügung. Dazu kommen noch einmal acht Transporthelikopter NH90 für die Weiterausbildung.

P1000175Auf dem  EC-135 von Airbus werden die angehenden Hubschrauber-Führer ausgebildet.                                                                                                   Foto: lah

Gegenwärtig können pro Jahr etwas mehr als 70 Piloten ihre Grundfertigkeiten in Bückeburg erwerben, davon kommen rund 30 aus dem Heer, 30 aus Luftwaffe und Marine, während die übrigen Plätze für ausländische Partner zur Verfügung stehen. Nach Aussage des Ausbildungszentrums könnten die Kapazitäten jedoch schnell erhöht werden, da seit Anfang des Monats eine neue Ausbildungsinspektion eingerichtet wurde und damit genug Fluglehrer zur Verfügung stehen. Hubschrauber könnten kurzfristig bei der Industrie geleast werden.

Gegenwärtig erhalten 12 Piloten der schwedischen Armee ihre Grundausbildung in Bückeburg. Für die Schweden, die bereits seit 2009 den Standort nutzen, dürfte wichtig sein, dass das gesamte Programm in Englisch abgehalten wird. Nach unbestätigten Schätzungen kostet dies pro Lehrgangsteilnehmer 260.000 bis 275.000 EUR. Dafür erhalten die jungen Piloten neben den üblichen Ausbildungsmodulen wie Instrumenten- oder Nachtflug auch ein Gebirgsflug-Training in den Alpen. Zurück in Schweden werden die Soldaten dann auf die dortigen Helikopter-Muster weitergeschult.

Gegenwärtig scheinen die Verhandlungen über eine Ausbildung niederländischer Piloten am weitesten fortgeschritten zu sein. Allerdings gab es dem Vernehmen nach auch schon interessierte Besucher aus Ländern wie dem Oman oder Neuseeland.

Zum Ausbildungszentrum gehören neben Bückeburg/Achum noch die Standorte Faßberg, Celle und Le Cannet des Maures in Südfrankreich. Im Letzteren erfolgt zusammen mit Frankreich die Ausbildung für den Kampfhubschrauber Tiger.

P1000179In den Simulatoren kann das Fliegen mit den Mustern EC-135, CH-53 sowie NH90 nachgebildet werden.                                                                    Foto: lah

Die Simulatorausbildung in Bückeburg – dem nach eigenen Aussagen größten Simulator-Zentrum dieser Art für Drehflügler in Europa – können auch nicht-militärische Institutionen nutzen. So mieten etwa die Polizei oder der ADAC einzelne Stunden. Neben Airbus Helicopters arbeitet die Bundeswehr hier mit den Industrie-Dienstleistern CAE und HFTS zusammen, die eigenes Service-Personal vor Ort einsetzen.
lah/27.7.2015