Großbritannien bestellt erste Waffensysteme für die Radhaubitze RCH 155

Waldemar Geiger

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Die europäische Rüstungsagentur OCCAR hat im Auftrag des britischen Heeres einen Auftrag im Wert von 53 Millionen Pfund an die ARTEC GmbH für die Produktion von 37 Waffensystemen für die Radhaubitze RCH 155 vergeben. Wie das britische Verteidigungsministerium in einer heutigen Mitteilung weiter schreibt, bedeutet die Ankündigung auch einen bedeutenden Impuls für die britische Verteidigungsindustrie, weil damit neue Investitionen in Rheinmetalls Fertigungsanlage für großkalibrige Geschützrohre – auch bekannt als „Gun Hall“ – in Telford verbunden seien.

Die RCH 155 soll in die British Army als Mobile Fires Platform (MFP) eingeführt werden, um die vor drei Jahren an die Ukraine geschenkten AS90-Haubitzen zu ersetzen.

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Die RCH 155 besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Boxer-Fahrmodul und dem Artillerie-Geschützmodul (Artillery Gun Module; AGM). Das AGM wiederum setzt sich aus dem Turm und dem Waffensystem zusammen.

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Der nun vergebene Vertrag umfasst laut britischem Verteidigungsministerium insbesondere die Beschaffung der Waffensysteme, bestehend aus Rohr, Mündungsbremse, Verschluss, Rückstoßsystem und Drehzapfen (Befestigungspunkte für die Anbringung am Turm).

30 Millionen Pfund des Auftragswerts fließen den Angaben zufolge in die Entwicklung der neuen Gun Hall von Rheinmetall in Telford, die voraussichtlich rund 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze innerhalb der Anlage schaffen werde.

Die Ankündigung folgt auf einen im Dezember unterzeichneten Vertrag über 52 Millionen Pfund für drei RCH-155-Early-Capability-Demonstrator-Fahrzeuge für gemeinsame britisch-deutsche Tests und baut auf dem Trinity-House-Abkommen auf, das die beiden Länder im Oktober 2024 unterzeichnet haben.

Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw und die ARTEC GmbH eine Rahmenvereinbarung für die Lieferung von bis zu 500 Radhaubitzen geschlossen, davon wurden 80 Seriensysteme sowie vier Nachweismuster bereits fest bestellt. Beobachter gehen zudem davon aus, dass die Bundeswehr noch dieses Jahr 149 weitere RCH 155 bestellen wird, somit wären 267 weitere Systeme als Option im Rahmenvertrag, die durch Verbündete gekauft werden könnten.

hartpunkt berichtete bereits im letzten Jahr, dass das Vereinigte Königreich diese Option nicht ziehen wird und seine Systeme dem Vernehmen nach über einen separaten Vertrag mit der europäischen Rüstungsbeschaffungsagentur OCCAR beschaffen wird, kolportiert wurden hier etwas mehr als 70 RCH 155.

Die heutige Meldung liefert nun einen Hinweis, wieso Großbritannien die Radhaubitzen nicht aus dem Mitte Dezember 2025 geschlossenen Rahmenvertrag der Bundeswehr kauft. Der Grund dürfte wohl unter anderem in spezifischen Forderungen Großbritanniens liegen. Neben dem auf der Insel gefertigten Rohr dürften auch die Fahrmodule auf der Insel hergestellt werden, welche sich zudem in der Motorisierung von den deutschen Boxern unterscheiden.

Waldemar Geiger