Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall rechnet noch in diesem Jahr mit einer Bestellung der Bundeswehr von zusätzlichen Flugabwehrkanonenpanzern des Typs Skyranger im Wert von sechs bis acht Milliarden Euro. Dies erklärte Rheinmetall-CEO Armin Papperger in einer gestrigen Telefonkonferenz mit Analysten.
Über Stückzahlen wollte Papperger jedoch auch auf Nachfrage von Analysten nicht sprechen. Seiner Aussage zufolge wird man gemäß Absprachen mit dem Verteidigungsministerium aus Sicherheitsgründen grundsätzlich nicht über Stückzahlen zu sprechen. Was Zeitlinien angeht, dürfte es sich um Bestellungen handeln, die bis 2035 ausgeliefert werden sollten. Wie der CEO erklärte, beziehen sich derzeitigen Gespräche mit der Bundeswehr auf zwei Zeitperioden – von nun bis 2029 und 2029 bis 2035. „Das sind die beiden Perioden, mit denen die Regierung plant“, so Papperger.
Wie hartpunkt bereits am 1. Juli berichtet hat, plant die Bundeswehr derzeit einen massiven Ausbau der Luftverteidigungs- und Flugabwehrkapazitäten. Gut informierten Kreisen zufolge wird der Aufwuchs der bodengebundenen Bundeswehr-Luftverteidigungs- und -Flugabwehrkapazitäten in allen Abfangschichten angestrebt. So besteht offenbar allein in der untersten Abfangschicht über alle Teilstreitkräfte hinweg ein Bedarf für rund 500 bis 600 Flugabwehr-Kanonensysteme vom Typ Skyranger. In Annahme der in Fachkreisen kolportierten Systempreisen für einen Skyranger dürfte diese Stückzahl dem von Rheinmetall beschriebenen erwarteten Auftragswert entsprechen.
Die Bundeswehr hatte Rheinmetall Ende Februar 2024 mit der Entwicklung und Lieferung von einem Nachweismuster und 18 Serienfahrzeugen des Flugabwehrkanonenpanzers Skyranger 30 auf dem Fahrzeug Boxer im Wert von 595 Millionen Euro beauftragt. Das für die Erprobung vorgesehene Fahrzeug wurde Ende Januar 2025 an die Bundeswehr übergeben. Die Serienfahrzeuge sollen dem Vernehmen nach in den Jahren 2027 und 2028 zulaufen.
Das Luftverteidigungssystem Skyranger 30 soll die aktuelle Fähigkeitslücke der mobilen Flugabwehr im Nah- und Nächstbereich schließen. Laut Rheinmetall ist der Skyranger sowohl zum autonomen wie auch vernetzten Einsatz geeignet. Durch die AHEAD-Munition mit programmierbarem Luftsprengpunkt eignet sich das System besonders zur Abwehr von Drohnen. Als Hybrid-Lösung vereine sein Turm die KCE-Revolverkanone im Kaliber 30 x 173 mm, Boden-Luft-Lenkflugkörper und die erforderliche Sensorik auf einer Plattform. Als Sekundärbewaffnung erhält der Bundeswehr-Skyranger 30 den von MBDA entwickelten Drohnenabwehrflugkörper DefendAir – vormals bekannt als Small Anti Drone Missile (SADM), hartpunkt berichtete. Bei dem neuen Flugkörper setzt der Hersteller auf möglichst geringe Kosten, um eine wirtschaftliche Bekämpfung von Drohnen zu ermöglichen. Der Skyranger soll 9 bis 12 dieser Flugkörper mitführen, und damit Flugziele in einer Entfernung von rund fünf Kilometern Entfernung bekämpfen können. Dem Vernehmen nach soll der DefendAir im Zeitraum 2025 bis 2028 fertigentwickelt und bis 2029 qualifiziert werden. Ab 2030 ist dann die Beschaffung vorgesehen.
Das zentrale Wirkelement des Skyranger 30 bildet jedoch die KCE-Revolverkanone im Kaliber 30 x 173 mm mit einer Reichweite von bis zu 3.000 m. Die Waffe habe ihre immense Feuerkraft und Präzision in der Erprobung unter widrigsten Wetterbedingungen bewiesen und sei in der Lage, sogenannte Air Burst Munition (ABM) zu verschießen. Die 30-mm-ABM-Technologie von Rheinmetall programmiert dem Unternehmen zufolge das Projektil beim Rohraustritt so, dass es nach einer voraus berechneten Strecke detoniert und dabei eine große Zahl von Subprojektilen aus Wolfram freisetzt, die quasi eine schnell fliegende Wolke bilden, die auch kleine Drohnen außer Gefecht setzen kann.
Eine Salve von 18 Schuss, von denen jeder 200 Gramm Subprojektile enthält, erzeugt so ein Salvengewicht von 3,6 Kilogramm. Da die einzelnen Patronen trotz modernster Fertigung mitunter leicht unterschiedliche Treibladungsmengen aufweisen, unterscheiden sich auch ihre Mündungsgeschwindigkeiten entsprechend. Würden alle Projektile so programmiert, also ob sie die gleiche theoretische Mündungsgeschwindigkeit aufweisen, könnte sich dann erhebliche Abweichungen beim gewünschten Detonationspunkt ergeben. Um dies zu vermeiden, hat Rheinmetall nach eigenen Angaben eine Technik entwickelt, mit der an der Rohrmündung zunächst die tatsächliche Geschwindigkeit gemessen wird und erst danach die Programmierung erfolgt. Das erhöht die Präzision.
Als Sensor kommen Radare des Typs SPEXER 2000M 3D MkIII von Hensoldt zum Einsatz. Ein Spexer-Radarpanel deckt einen Winkelbereich von je 120 Grad ab. Somit reichen drei Panele aus, um eine 360-Grad-Luftlage zu erfassen.
Das SPEXER 2000M 3D MkIII zeichnet sich Hensoldt zufolge durch eine hohe Detektionsleistung aus, so dass die Effektoren des Flakpanzers ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können. Pro Panel können Hensoldt zufolge mehr als 300 Ziele gleichzeitig aufgeklärt und verfolgt werden. Die Detektionsfähigkeit ist sowohl für Micro-Drohnen als auch Kampfflugzeuge und Lenkflugkörper gegeben. Mit der Scan-on-the-move-Fähigkeit kann Spexer auch in der Bewegung aufklären. Das Radar arbeitet im Frequenzbereich 9,2 bis 10 GHz (X-Band) und kann je nach Einstellung Ziele in bis zu 40 Kilometern Entfernung aufklären. Neben den Spexer-Radaren verfügt der Skyranger 30 zudem über eine leistungsfähige Elektrooptik. Geliefert wird die Elektrooptik dem Vernehmen nach bislang vom britischen Unternehmen Chess Dynamics.
Waldemar Geiger

















