Der europäische Rüstungskonzern General Dynamics European Land Systems (GDELS) hat eigenen Angaben zufolge am 4. November das erste amphibische Brücken- und Fährsystem M3 an die norwegische Beschaffungsbehörde (Norwegian Defence Materiel Agency) in Kaiserslautern übergeben.
Norwegen hatte sich als sechster NATO-Staat und als drittes Mitglied der Nordischen Verteidigungskooperation NORDEFCO für die Beschaffung der Brücken- und Fährsysteme entschieden und GDELS im November 2025 mit der Lieferung von M3-Systemen im Gesamtwert von umgerechnet rund 115 Millionen Euro beauftragt, hartpunkt berichtete. Die Lieferung der Systeme, deren Stückzahl nicht genannt wurde, wurde für den Zeitraum Herbst 2026 bis 2028 angekündigt.
Bei der M3 handelt es sich nach Angaben des Herstellers um das schnellste Übersetzmittel der NATO. Das amphibische Brücken- und Fährsystem kann als Schwimmbrücke oder im Fährbetrieb zum Übersetzen selbst der schwersten Kampfpanzer eingesetzt werden und auch breite Gewässerhindernisse, sogenannte „Wide Wet Gaps“, überwinden. Die geländegängige M3 kann im Landmarsch an das Gewässer herangeführt werden und ist innerhalb von Minuten einsatzbereit. Das System hat sich laut GDELS in der Nutzung unter unterschiedlichsten klimatischen und topografischen Bedingungen von den Tropen bis zur Arktis bewährt.
Laut Hersteller garantiere das amphibische Brücken- und Fährsystem M3 hohe Mobilität, Einsatzverfügbarkeit und nahtlosen Land-Wasser-Übergang und könne mit einer auf zwei Personen reduzierten Mannschaft bedient werden. Ein hoher Grad an Automation sorge für geringe Betriebskosten. Als Brücke oder mehrteilige Fähre kann die Amphibie M3 früheren Herstellerangaben zufolge Lasten von bis zu MLC 85 für Kettenfahrzeuge und MLC 132 für Radfahrzeuge tragen.
Je nach Ausbildungsstand der Mannschaft sowie der Beschaffenheit der Übergangsstellen lässt sich eine 100 Meter lange schwimmende Brücke – bestehend aus acht Fahrzeugen – in etwa zehn bis 20 Minuten aufbauen.
Auch wenn GDELS dies in der Mitteilung vom Mittwoch nicht explizit erwähnt, ist es aufgrund der in Norwegen vorherrschenden Bedingungen wahrscheinlich, dass die norwegischen Amphibien mit einem sogenannten Arctic-Kit ausgerüstet sind, das den Einsatz der Brücken unter sehr kalten Klimabedingungen ermöglicht. Das Arctic-Kit sorgt dafür, dass besonders funktionsrelevante Teile der Amphibie bereits während der Anfahrt vorgewärmt werden, was dem Einfrieren von Gelenken oder Scharnieren vorbeugt.
GDELS führt die Interoperabilität unter den M3-Nutzerstaaten – die Bundeswehr verfügt ebenfalls über M3-Systeme – sowie mit den weit verbreiteten Pontonbrückensystemen SRB/FSB/IRB als einen wesentlichen Vorteil der in Kaiserslautern hergestellten Amphibie an. „Die Beschaffung durch die nordischen Bündnispartner unterstreicht die Eignung der M3 für alle Klimazonen und selbst anspruchsvolle topographische Gegebenheiten“, schreibt GDELS.
Die Herstellung der M3 erfolgt an den rheinland-pfälzischen GDELS-Standorten Kaiserslautern und Sembach. Nach Ankündigung von GDELS sollen 2026 insgesamt 20 Millionen Euro investiert werden, um die Produktions- und Wartungskapazitäten für militärische Brückensysteme an diesen Standorten zu erhöhen. Unter anderem wird dafür die ehemalige Produktionshalle K16 auf dem Opel-Gelände in Kaiserslautern für die Produktion von Schwimmbrücken ausgebaut.
Waldemar Geiger
















