Shield AI zeigt Prototyp der senkrecht startenden Kampfdrohne X-BAT

Kristóf Nagy

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Das auf künstliche Intelligenz (KI) und unbemannte Systeme spezialisierte US-Unternehmen Shield AI hat erstmals einen Prototyp seiner senkrecht startenden und landenden Kampfdrohne (Unmanned Combat Aircraft System, UCAS) X-BAT der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kampfdrohne soll künftig auch ohne Start- und Landebahn operieren und dabei ein breites Spektrum militärischer Aufgaben übernehmen können.

Mit der Vorstellung des ersten Prototyps hat Shield AI eigenen Angaben zufolge einen wichtigen Meilenstein bei der Entwicklung seines unbemannten Kampfflugzeugs X-BAT erreicht. Das Luftfahrzeug mit der Bezeichnung X-BAT 001 ist der erste von insgesamt zwei geplanten vollwertigen Prototypen. Derzeit wird das System vom Unternehmensstandort Frisco im US-Bundesstaat Texas zu einer Flugerprobungsanlage in Newton, Kansas, verlegt.

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Das Besondere an X-BAT ist das Start- und Landekonzept. Die Drohne soll senkrecht aus einer stehenden Position (Tail-Sitter) starten und ebenso landen können. Anders als konventionelle Flugzeuge benötigt sie dafür weder eine Startbahn noch ein Fahrwerk. Das Konzept sieht vor, dass das Luftfahrzeug auf einem mobilen Start- und Bergefahrzeug transportiert und von dort aus auch eingesetzt werden kann. Technische Grundlage für diese Fähigkeit ist Unternehmensangaben zufolge das Strahltriebwerk vom Typ F110 in Verbindung mit einer steuerbaren Abgasdüse. Diese basiert auf dem sogenannten Axisymmetric Vectoring Exhaust Nozzle (AVEN), einer Technologie, die ursprünglich bereits in den 1990er-Jahren für einen experimentellen F-16-Demonstrator entwickelt wurde.

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Diese Schubvektorsteuerung ermöglicht die Kontrolle des Fluggeräts während des senkrechten Starts und der Landung. Für die Steuerung um die Längsachse sollen zusätzliche Schubdüsen in den Tragflächen eingesetzt werden. Die erforderlichen Steuerungs-, Navigations- und Führungsfunktionen basieren unter anderem auf den Erfahrungen des Unternehmens mit der deutlich kleineren V-BAT-Drohne, die ebenfalls nach dem sogenannten Tail-Sitter-Prinzip arbeitet.

Shield AI positioniert die X-BAT nicht als reine Aufklärungsdrohne, wie etwa die ebenfalls vom Unternehmen produzierte V-BAT-Drohne, sondern als mehrrollenfähiges unbemanntes Kampfflugzeug. Vorgesehen sind sowohl Luft-Luft- als auch Luft-Boden-Einsätze sowie die Möglichkeit, verschiedene Sensoren und elektronische Kampfmittel einzusetzen. Die Wirkmittel sollen sowohl in internen Waffenschächten als auch an Außenlaststationen unter den Tragflächen mitgeführt werden können.

Die Steuerung und Missionsführung soll durch die unternehmenseigene Software Hivemind unterstützt werden. Diese soll dem UCAS ein hohes Maß an Autonomie bei der Missionserfüllung ermöglichen.

Ein wesentlicher Vorteil des Konzepts liegt Shield AI zufolge in der angestrebten Unabhängigkeit von stationären Rollbahnen. Das mobile Start- und Bergesystem soll sowohl an Land als auch auf für die Aufnahme geeigneten Schiffen eingesetzt werden können. Im landgestützten Betrieb könnte die X-BAT damit insbesondere für leichte oder ohne jegliche Infrastruktur operierende Kräfte einen deutlichen Fähigkeitsgewinn darstellen. Durch die Mobilität der Start- und Bergefahrzeuge soll zudem die Verwundbarkeit am Boden reduziert werden.

Für Marinestreitkräfte eröffnet das Konzept zusätzliche Möglichkeiten zur Verteilung von Luftkampffähigkeiten auf unterschiedlichen, bislang für diese Rolle nicht betrachteten Trägerplattformen. Shield AI sieht beispielsweise den Einsatz mehrerer X-BAT auf amphibischen Angriffsschiffen und vorgeschobenen Seebasen vor. Damit ließen sich zusätzliche Luftverteidigungs- und Angriffsfähigkeiten bereitstellen, ohne die begrenzten Kapazitäten konventioneller Flugzeugträger zu beanspruchen.

Die U.S. Navy unterstützt die Entwicklung im Rahmen des Programms Runway Independent Maritime Expeditionary Strike (RIMES). Dafür hat Shield AI im laufenden Jahr nach eigenen Angaben 200 Millionen US-Dollar (knapp 178 Millionen Euro) an Finanzierung erhalten. Zudem will das Unternehmen weitere 200 Millionen US-Dollar aus eigenen Mitteln beisteuern.

Allerdings befindet sich das Vorhaben trotz des nun vorgestellten Prototyps noch in einer frühen Entwicklungsphase. Zunächst sind laut Hersteller umfangreiche Triebwerks- und Rolltests am Boden vorgesehen. Anschließend soll das UCAS dann in horizontaler und vertikaler Position auf dem Startsystem erprobt werden. Den Erstflug einer seriennahen X-BAT strebt Shield AI für 2028 an. 2029 könnte nach den bisherigen Planungen die Serienproduktion beginnen. Eine erste eingeschränkte Einsatzfähigkeit wird ebenfalls für diesen Zeitraum in Aussicht gestellt.

Kristóf Nagy