Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat gestern beim Besuch bei seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth in Washington offiziell die Beschaffung von Launcher-Systemen des Typs Typhon für weitreichende Abstandwaffen angefragt. Wie Pistorius im Anschluss an das Treffen mit Hegseth vor Journalisten ausführte, ist der sogenannte Letter of Request für das System an die USA übermittelt worden. Der Wunsch sei von Hegseth mit Wohlwollen aufgenommen worden und werde nun geprüft. Da die Beschaffung im Rahmen von Foreign Military Sales (FMS) erfolgen soll, warte man nun auf den „Letter of Offer and Acceptance“. Erst danach werde Deutschland entscheiden, ob das System tatsächlich beschafft werde, erläuterte Pistorius.
Nach Aussage von Pistorius handelt es sich bei Typhon um „landbasierte Abschussrampen“, mit den denen verschiedene Flugkörper auf unterschiedliche Distanzen verschossen werden können. Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin stellt den Typhon-Launcher her, der auch als Mid-Range Capability Launcher (MRC) bezeichnet wird und bei der U.S. Army in der Nutzung ist. Der Typhon ist vom Vertical Launch System (VLS) Mk 41 in seiner größten Version abgeleitet, wie es auf Marineschiffen eingesetzt wird, und weist vier Startcontainer auf einem Sattelauflieger auf.
Pistorius nannte keine Details zu den Flugkörpern, die für den Typhon genutzt werden sollen. Es handele sich um landgestützte Systeme mit einer Reichweite „um 2.000 Kilometer“, die rein zur Abschreckung dienten, führte er lediglich aus. Waffen mit dieser Reichweite gebe es in Europa im Augenblick nicht. In den US-Streitkräften wird der Typhon zum Verschuss von Raketen des Typs SM-6 sowie Marschflugkörpern des Typs Tomahawk eingesetzt, wobei nur letzterer die von Pistorius genannten Reichweiten abbilden kann.

Ob das BMVg auch solche Marschflugkörper oder andere Waffen für den Typhon mit angefragt hat, ließ Pistorius offen.
Dem Minister zufolge wird Typhon als Brückenlösung benötigt, bis Europa in sieben bis zehn Jahren selbst Abstandswaffen großer Reichweite zur Verfügung stehen. Er verwies in dem Zusammenhang auf die ELSA-Initiative (European Long Range Strike Approach), in deren Rahmen unter anderem mit Großbritannien solche landgestützten Systeme entwickelt werden sollen.
Seinen Worten zufolge wird vom US-Verteidigungsministerium gegenwärtig die temporäre Stationierung von konventionellen Mittelstreckenwaffen in Deutschland ab dem kommenden Jahr, die von der Biden-Regierung angekündigt wurde, überprüft. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus.
Lars Hoffmann


















