Deutsches Heer plant offenbar die Aufstellung von panzerstarken „Kampfaufklärungsbrigaden“

Waldemar Geiger

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Im Rahmen der neuen NATO-Verteidigungspläne hat die Bundesrepublik Deutschland dem Bündnis die Aufstellung einer Vielzahl neuer Truppenverbände versprochen, darunter offenbar auch zwei sogenannte „Combat Reconnaissance“-Brigaden, also zum Kampf befähigten Aufklärungsbrigaden, wie hartpunkt aus gut unterrichteten Kreisen bestätigt wurde.

Dem Vernehmen nach soll eine solche Kampfaufklärungsbrigade als Korpstruppenteil neben klassischen Aufklärungsaufgaben unter anderem die Flankensicherung auf Korpsebene übernehmen sowie als Korpsreserve eingesetzt werden können. Zur Erfüllung dieser Aufträge gibt es offenbar Überlegungen im Deutschen Heer, diese Großverbände neben weitreichenden Drohnenfähigkeiten – hier Aufklärung und Wirkung – auch mit durchsetzungsfähigen Gefechtsfahrzeugen bis hin zum Kampfpanzer auszustatten.

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Eine Bestätigung für derartige Pläne zur Aufstellung solcher Brigaden gibt es von Seiten des Deutschen Heeres hingegen nicht. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir grundsätzlich einzelne Punkte aus den eingestuften, neu beschlossenen, NATO-Streitkräfteplanungen weder bestätigen noch dementieren können“, teilte ein Sprecher des Heeres hartpunkt auf Nachfrage mit.

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Der Verweis auf Geheimhaltungsgründe überrascht, schließlich wird die Aufstellung von Großverbänden der Bundeswehr durch diese selbst publik gemacht – sowohl was Art, Stärke als auch Stationierungsort angeht. So wurde die Aufstellung der Panzerbrigade 45 in Litauen kürzlich öffentlichkeitswirksam begangen.

In Verbindung mit dem jüngst von der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichten Brief des scheidenden Inspekteurs des Heeres an den Generalinspekteur – wonach dieser anmahnt, dass das Deutsche Heer zur Erfüllung der neuen Nato-Verteidigungspläne von aktuell etwa 62.000 auf rund 150.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen müsste – erscheint eher die Unklarheit über die Zuteilung des für die Aufstellung aller neu benötigten Verbände und Fähigkeiten notwendigen Personals die tatsächliche Ursache für die restriktive Antwort zu sein. Den bislang soll die Bundeswehr nur von derzeit rund 203.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen; viel zu wenig, um den zusätzlichen Personalbedarf des Heeres decken zu können. Der Personalbedarf der anderen Teilstreitkräfte und des Unterstützungsbereiches ist hier noch überhaupt nicht berücksichtigt.

Je nach Feinausplanung dürfte eine solche Combat-Reconnaissance-Brigade eine Personalstärke von 3.000 bis 5.000 Soldatinnen und Soldaten aufweisen. In Summe wären für die Aufstellung der beiden Großverbände somit bis zu 10.000 neue Dienstposten nötig, falls die Aufstellung nicht teilweise oder gänzlich durch eine Veränderung der aktuellen Heeresstruktur erfolgen sollte und die Brigaden rein national besetzt werden sollen.

Eine finale Entscheidung über die Aufstellung und konkrete Binnenstruktur der aktuellen Brigaden scheint gut informierten Kreisen bis dato noch nicht getroffen worden zu sein. Gleichwohl gibt es wohl durchaus Ideen, über welche Fähigkeiten und Kräfte eine solche Brigade verfügen muss. Wie eingangs angesprochen soll die Brigadeführung neben drohnengestützten Fähigkeiten auch auf „robuste“ bemannte Aufklärungsfähigkeiten zurückgreifen können. Eine Idee beinhaltet wohl, dass jede Brigade über ein „leichtes“, ein „mittleres“ sowie ein „schweres“ Aufklärungsbataillon verfügen könnte. Dabei soll die „leichte Reiterei“ gut informierten Kreisen zufolge auf dem „Spähfahrzeug Next Generation“ beweglich gemacht werden, während die schweren Vertreter der „berittenen Fraktion“ wieder den Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 bekommen könnten. Wenn diese Überlegungen tatsächlich umgesetzt werden, würde die Aufklärungstruppe nach über zwei Jahrzehnten wieder über organische Kampfpanzer verfügen, die Abgabe der letzten Kamppanzer vom Typ Leopard 2 erfolgte Anfang der 2000er Jahre.

Diskussionsbedarf – so hört man es aus Insiderkreisen – gibt es aber wohl noch über das zukünftige Streitross der „mittleren Reiterei“. Hier werden wohl unterschiedliche Lösungen diskutiert, sowohl Rad- als auch Kettenfahrzeuge sind offenbar noch im Rennen. Entscheidend ist hier wohl die Forderung nach einer großkalibrigen Rohrbewaffnung. Theoretisch denkbar wären also sowohl Lösungen auf Basis des Boxers oder des Piranha 8×8 bzw. 10×10, genauso wie auf Basis des Lynx oder Kettenboxers. Alle genannten Plattformen wären technisch gesehen in der Lage, 105mm- bzw. teilweise sogar 120mm-Kanonentürme zu tragen.

Eine finale Entscheidung, ob das Deutsche Heer zukünftig über Kampfaufklärungsbrigaden verfügen wird, und wie genau solche Brigaden aussehen werden, wird sicherlich in naher Zukunft getroffen und dann auch öffentlich gemacht werden müssen. Der Umstand, dass das Heer in Zukunft mit Generalmajor Christian Freuding durch einen Aufklärer geführt wird, der aufgrund seiner Vorverwendung sehr enge Beziehungen zur Leitung des Verteidigungsministeriums verfügt, dürfte die Chancen für die Aufstellung der Kampfaufklärungsbrigaden sicherlich nicht schmälern.

Waldemar Geiger