Deutsches Heer experimentiert mit Drohnenschutzkäfigen und -netzen

Waldemar Geiger

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Das Deutsche Heer hat in den vergangenen Wochen mehrere Bilder veröffentlicht, die unterschiedliche Gefechtsfahrzeuge der Bundeswehr mit „improvisierten“ Schutzkäfigen und -netzen gegen die Drohnenbedrohung zeigen und offenbar Bestandteil einer offiziell freigegebenen Testkampagne der Truppe sind.

Erste offiziell veröffentlichte Bilder wurden Mitte Juni im Rahmen der Übung Freedom Shield 2026 in Litauen aufgenommen und zeigen einen mit einem Drohnenschutzkäfig gänzlich eingerüsteten Transportpanzer Fuchs sowie mehrere Kampfpanzer Leopard 2 A7, deren Turm um eine „Netzkuppel“ erweitert wurde. Auf Nachfrage von hartpunkt bestätigte ein Sprecher des Heeres seinerzeit, dass es sich bei den Fahrzeug-Ausrüstungen um Ideen aus der Truppe der Panzerbrigade 45 Litauen handelt. Dem Vernehmen nach sind solche Maßnahmen geduldet, solange keine Eingriffe, wie beispielsweise Bohrungen, in die Panzerung vorgenommen werden.

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Nun wurde auf dem WhatsApp-Kanal des Heeres wiederum ein Bild veröffentlicht, das einen Radpanzer Boxer zeigt, welcher mit einem Drohnenschutznetz versehen wurde, um Schutz vor Drohnenangriffen von der Seite zu bieten. Das Bild ist wurde im Zuge einer statischen Waffenschau beim „Tag der Infanterie“ an der Infanterieschule in Hammelburg geschossen.

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Sinn und Zweck einer Käfigpanzerung besteht darin, Gefechtsfahrzeuge vor Drohnenangriffen zu schützen. Die Schutzwirkung entsteht dadurch, dass anfliegende Drohnen sich in den Netzen und Käfigen verfangen oder deren Wirkmittel mit Abstand zur eigentlichen Panzerung des Fahrzeugs gezündet werden, so dass ein Großteil der Wirkladung sich nicht auf das Fahrzeug übertragen kann. Darüber hinaus sollen die Netze und Käfige aus der Luft abgeworfene Munition ableiten, so dass diese sich nicht auf schwächer gepanzerten Fahrzeugabschnitten (beispielsweise dem Dach) auswirken können.

Wie jedoch Anfang Januar ausführlich beschrieben, stellt die Nutzung solcher passiven Schutzsysteme einen Kompromiss dar. Käfige und Netze können abhängig von Art und Ausprägung die Signatur des Fahrzeuges erhöhen und so die Aufklärung durch den Feind begünstigen. Zudem kann die Mobilität der Systeme durch das zusätzliche Gewicht und die „neue“ Breite und Höhe des Fahrzeuges  aufgrund des Schutzsystems beeinträchtigt werden. Weiterhin kann die Nutzung der Fahrzeugsensorik oder -effektorik eingeschränkt werden.

Anhand der veröffentlichten Bilder des Heeres ist gut zu sehen, dass die Schutzsysteme des Boxers und des Leopard so gestaltet wurden, dass die Beeinträchtigung der Fahrzeug-Einsatzfähigkeit so gering wie möglich ist. Die Dachstruktur des Boxers wurde beispielsweise nicht geschützt, offenbar um den Einsatz der Waffenstation und der Nebelmittelwurfanlage sicherzustellen sowie die Nutzung der Luken zu ermöglichen. Beim Leopard 2 wurde das Netz hingegen so über dem Turm „aufgespannt“, dass Kommandant und Ladeschütze auch über Luke „wirken“ können. Es wurde somit nur das Turmdach geschützt, weitere Kompromisse wollte oder konnte man offensichtlich nicht eingehen.

Der Radpanzer Fuchs wurde hingegen gänzlich mit einem Drohnenschutzkäfig aus (vermutlich) Leichtmetall sowie Draht eingerüstet. Runterhängende Ketten sollen offenbar einerseits die Räder vor Drohnenangriffen schützen und andererseits den Zugang zu den Radkästen ermöglichen. Grundsätzlich ist das Fahrzeug jedoch deutlich breiter und höher geworden, die Mobilität in stark bewachsener sowie eng bebauter Umgebung dürfte erheblich eingeschränkt sein.

Aktuell deutet vieles darauf hin, dass die Truppe mit den selbstentwickelten Lösungen Erfahrungen sammeln möchte, um Vor- und Nachteile unterschiedlicher Ansätze im praktischen Einsatz zu erproben. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als auch im Ukraine-Krieg von beiden Kriegsparteien stetig mit neuen Ansätzen experimentiert wird und sich gewählte Lösungen abhängig vom Zeitpunkt und Frontabschnitt stark unterscheiden.

Dem Vernehmen nach besteht die Absicht der Bundeswehr im Anschluss an die truppeninterne „Experimentalphase“ Entscheidungen über die querschnittliche Einführung solcher Systeme zu treffen – bezogen auf die konkreten Systemdesigns und die damit zu schützenden Gefechtsfahrzeuge. Beobachter gehen davon aus, dass die finalen Systeme dann aus einer industriellen Fertigung kommen werden.

Waldemar Geiger