Die Fähigkeit zur indirekten Wirkung – sowohl mittels Rohr- als auch der Raketenartillerie sowie Loitering-Muninition-Systemen unterschiedlicher Reichweiten – des Deutschen Heeres soll in den nächsten Jahren substanziell ausgebaut werden, wie aus dem veröffentlichen Redetext einer Keynote von Generalleutnant Heico Hübner, Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur Militärische Grundorganisation, hervorgeht, die der General im Zuge des parlamentarischen Abends des Förderkreis Deutsches Heer e.V. am 14. April in Berlin gehalten hat. Hübner sieht indirektes Feuer als eine Erfordernis an, die eine bewegliche Operationsführung überhaupt erst ermöglicht. Dazu ist seiner Ansicht nach auf allen taktischen Ebenen ein entsprechendes Kontinuum von Mitteln und Reichweiten erforderlich.
Hübner zufolge besteht daher unter anderem die Absicht, weitere Artilleriesysteme zu beschaffen sowie jedes Artilleriebataillon des Heeres auf Ebene Brigade und Division mit einer LMS-Batterie (Loitering Munition System) entsprechender Reichweite auszustatten. Einen Anfang bildet die Aufstellung einer LMS-Batterie bei der Panzerbrigade 45, gefolgt von einer LMS-Batterie bei der Panzerbrigade 21 – hier handelt es sich jedoch nur dem Namen nach um eine Panzerbrigade, die Kampfelemente der Brigade bestehen aus drei Jägerbataillonen. Die 21er LMS-Batterie soll dabei wohl als „fortlaufende Versuchseinheit“ fungieren. Die Loitering Munition Systeme zur Ausstattung dieser Batterien sind bereits unter Vertrag (Helsing, Rheinmetall und STARK).
Analog soll nun ein Projekt aufgesetzt werden, um die Artillerieverbände der Ebene Korps mit einem Loitering Munition System großer Reichweite zu rüsten. Hier dürfte es sich um LMS handeln, die Ziele in einem Entfernungsband von 200 bis 300 Kilometern erfolgreich bekämpfen können.
Die Ebene der Kampftruppenbataillone soll hingegen tiefintegriert mit LMS kurzer Reichweite ausgestattet werden. Hübner zufolge soll diese Fähigkeit bereits Ende 2027 realisiert werden. Gut informierte Kreise gehen davon aus, dass eine Ausschreibung für die Beschaffung dieser Systeme noch dieses Jahr erfolgen soll.
Auch bei den klassischen Artilleriesystemen soll es in Kürze positive Veränderungen geben. Dem stellvertretenden Inspekteur des Heeres zufolge wird 2028 der erste substanzielle Zulauf von Radhaubitzen RCH 155 sowie Raketenartilleriesystemen EuroPULS (MARS III) erfolgen. Das erste System des EuroPULS soll wohl noch dieses Jahr übergeben werden. Hübner verweist jedoch darauf, dass im Anschluss an den Zulauf der Systeme erstmal Ausbildungs- u. Übungstätigkeit erfolgen müssen, bis die mit den Waffensystemen ausgestattete Verbände die notwendige Einsatzbereitschaft erreichen können. „Bis dahin sind die Bestandssysteme PzH 2000 u. MARS II einsatzbereit zu halten“, so Hüber. Den Ausführungen des Heeresgenerals zufolge wird die Lücke mit dem Zulauf von neuen Panzerhaubitzen 2000 im Rüststand A4 – die als Nachbeschaffung für die an die Ukraine abgegebenen Haubitzen gekauft wurden – die Lücke verringern. Er kündigt zudem an, dass sogar weitere Panzerhaubitzen 2000 beschafft werden können. „Hier streben wir an, die Bänder weiterlaufen zu lassen und weitere PzH 2000 A4 neu zu beschaffen mit Blick auf 2029 u. einer maximalen Rohrzahl“, heißt es dazu in einem Manuskript der Keynote.
Waldemar Geiger


















