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Deutscher Sensorproduzent vor Übernahme der Design-Hoheit

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Beim Radar als wichtigstem Sensor für die Kampfflugzeuge des Typs Eurofighter stehen wichtige Veränderungen an: Der deutsche Sensorhersteller Hensoldt wird voraussichtlich die so genannte Design-Authority für das zukünftige AESA-Radar dieser Maschinen übernehmen, wie es aus gut informierten Kreisen heißt.

Hintergrund der Entwicklung ist der Plan des BMVg, rund 110 neue AESA-Radare für die Eurofighter der Bundeswehr zu beschaffen und in die Flieger einzurüsten. Wie es am Rande einer Flugvorführung des Eurofighters vor wenigen Wochen in der Schweiz hieß, könnte der Vertrag für die Radare womöglich noch im laufenden Jahr unterschrieben werden. Deutschland wäre damit der größte Besteller des neuen Radars, das bei Hensoldt auch unter der Bezeichnung Captor-E entwickelt wird. Dabei ersetzt eine AESA-Antenne die bisherige  mechanische Antenne.

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Die Abnahme dieser großen Stückzahlen soll ein ausschlaggebender Grund dafür sein, dass die Design Authority auf die Bundesrepublik übergeht. Auch Spanien will dem Vernehmen nach rund 20 Eurofighter mit dem Captor-E ausstatten. Das Radar ist auch für die  von Katar und Kuweit bestellten Eurofighter/Typhoon vorgesehen. Verantwortlich für die Integration in die Maschinen für diese Exportkunden sollen jedoch noch Leonardo sowie BAE sein. Experten gehen davon aus, dass mit der Design-Authority mehr technische Expertise und Verantwortung nach Deutschland kommen.

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Wie es heißt, wird in Zukunft Airbus für die Integration der Radare in die Avionik der deutschen Eurofighter zuständig sein. Bisher oblag BAE diese Aufgabe. Die Design Authority für das eigentliche Radar war dagegen Leonardo UK zugeordnet.

Die AESA-Radare sollen zwischen  1.000 und 2.000 hochentwickelte Sende/Empfänger-Module auf Gallium-Nitrit-Basis aufweisen, die von Hensoldt gefertigt werden. Das Unternehmen hat dazu laut einer Pressemeldung in Ulm eine der größten Reinraumproduktionslinien für Hochfrequenz-Bauteile in Europa aufgebaut.

Um die Leistungsfähigkeit des Sensors zu erhöhen, soll der hinter der Antenne liegende Receiver gegen einen so genannten Multi-Channel-Receiver ausgetauscht werden. Fachleuten zufolge, wird das AESA-Radar mit dem neuen Receiver eine deutlich erhöhte Leistungsfähigkeit aufweisen. Der neue Sensor mit AESA-Antenne und Multi-Channel-Receiver wird als Version Mark 1 bezeichnet und soll offenbar in die 36 Eurofighter der Tranche 4 integriert werden, die das BMVg als Ersatz der Tranche 1 beschaffen will.

Ein als Mark 2 bezeichnetes AESA-Radar soll dem Vernehmen nach in Großbritannien entwickelt werden. Wobei es sich offenbar um eine weitgehende Neuentwicklung handeln dürfte, die jedoch erst gegen Ende der kommenden Dekade einsatzreif sein soll. Insider vermuten, dass die Briten die Entwicklung auf ihr geplantes Kampfflugzeug-Projekt ausrichten wollen.

Wie es heißt, sollen zunächst 30 deutsche Eurofighter der  zweiten und dritten Tranche mit dem Captor-E-Radar, das auch als Version 1+ bezeichnet wird, ausgerüstet werden. Diese Maschinen werden laut Planungen später auch den neuen Receiver erhalten. Beobachter schätzen, dass das 1+ Radar etwa ab 2022 eingerüstet werden könnte, während die Version Mark 1 ab 2026 zur Verfügung stehen soll. Ab 2025 will auch die Schweiz neue Kampfflugzeuge kaufen. Sollte sich der Eurofighter gegen die Konkurrenz in der Eidgenossenschaft durchsetzen, würden auch die schweizerischen Eurofighter das Mark 1 erhalten, wie es am Rande einer Flugvorführung auf dem Luftwaffenstützpunkt Payerne hieß.

Während sich die im Konsortium des Eurofighter-Radars vertretenen Nationen  offenbar auf die Übertragung der Design-Authority auf die beiden Unternehmen geeinigt haben, wollen Insider nicht ausschließen, dass etwa BAE Systems noch Einwände erheben könnte. Das Eurofighter-Radar wird vom Euroradar-Konsortium, bestehend aus Leonardo (Großbritannien, Italien), Indra (Spanien) und Hensoldt (Deutschland) entwickelt.

Ende 2018 hatte Hensoldt in einer Mitteilung geschrieben, dass nach einem  erfolgreichen Abnahmetest  bereits die zweite serienreife Captor-E-Antenne an Leonardo UK in Edinburgh ausgeliefert worden sei. Damit könne die Produktion der so genannten E-Scan-Antenne am Hensoldt-Standort in Ulm planmäßig anlaufen – der Weg sei frei für die Auslieferung der ersten Radare ab Mitte 2019. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres hatte das Radar laut Hensoldt zwei Flugkampagnen bei British Aerospace Systems (BAES) in Warton sowie bei Airbus Defence and Space in Manching erfolgreich absolviert und die Critical Design Review genau im Zeitplan geschafft.
lah/7.5.2019