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Britische Streitkräfte testen Digitalisierungslösung für Mörsereinsatz

Waldemar Geiger

Kräfte der British Army haben im Zuge der US-Übung „Project Convergence 2024“ eine Digitalisierungslösung für den Einsatz abgesessener Mörser getestet, die den Zeitraum zwischen Aufklärung und Bekämpfung eines Ziels verkürzen soll. Bei der jährlich stattfindenden Übungsserie Project Convergence erproben die US-Streitkräfte sowie ausgewählte Verbündete gemeinsam mit führenden Industrieunternehmen Konzepte und Technologien für die Kriegführung der Zukunft.

Wie das britische Heer in einem Beitrag auf der Webseite der britischen Streitkräfte schreibt, haben dieses Jahr 600 britische Soldaten im Schulterschluss mit tausenden weiteren Soldaten aus sechs Partnernation an der diesjährigen Übungsserie teilgenommen. Darunter auch der Mörserzug des 2. Bataillons des Royal Yorkshire Regiments, welcher im Rahmen des Beitrages bei der Erprobung des neuen MWAD-Geräts abgebildet ist. Das MWAD wird am Mörser angebracht und soll den Aussagen im Beitrag zufolge eine präzisere Feuerunterstützung des Mörsers ermöglichen. Zum Einsatz kommt das MWAD auf einem L16 81-mm-Mörser, welcher seit Mitte der 60er Jahre zum Standardwaffenarsenal britischer Streitkräfte gehört.

Bei dem Multi Weapon Aiming Device (MWAD) des US-Herstellers Matbock handelt es sich um einen multiplattformfähigen ballistischen Computer, der Reichweite und Azimut für indirekt wirkende Waffensysteme – wie beispielsweise Granatwerfer und Mörser – digital anzeigt. Das MWAD bietet nach Angaben des Herstellers ballistische Lösungen in Echtzeit, die Umweltbedingungen, Munitionstyp, Plattform und Losabweichungen berücksichtigen und es dem Nutzer ermöglichen, Geschosse mit höherer Genauigkeit und in kürzerer Zeit als mit herkömmlichen Zielsystemen ins Ziel zu bringen.

Zudem ist das MWAD vollständig in die ATAK-Architektur integriert, die den Empfang und die Verarbeitung von Feuerkommandos sowie den Austausch weiterer für die Feuerunterstützung relevanter Daten ermöglicht. Den Angaben auf der Herstellerseite zufolge unterliegt das rund 300 Gramm schwere MWAD den Exportbestimmungen der US-amerikanischen ITAR-Regelung und kostet inklusive Waffenaufnahme rund 19.000 US-Dollar pro Gerät.

Erklärvideo zur Funktionsweise des MWAD (Video: Matbock)

Aus der Berichterstattung des britischen Heeres geht nicht hervor, ob das MWAD bereits beschafft wurde bzw. sich in der Beschaffung befindet. Unklar ist zudem ob das System im scharfen Schuss getestet wurde. Bei der auf dem Bild abgebildeten Munition handelt es sich zumindest um eine Exerzierpatronen.

Auf den ersten Blick handelt es sich bei dem MWAD um eine durchaus interessante Lösung für die Digitalisierung von abgesessenen Mörsersystemen. Die Integration des Zielmittels in die ATAK-Software ermöglicht ein einfaches Abrufen der Feuerunterstützung und vereinfacht zudem die Ausrichtung der Waffenanlage, was das Abrufen von Mörserunterstützung im Gegensatz zum herkömmlichen Ansatz mittels Sprachfunk und klassischem Richten der Waffenanlage über ein Periskop und Zielstäbe um ein Vielfaches beschleunigt.

Anhand des geringen Systemgewichtes (ohne Aufnahme) von 300 Gramm muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die im MWAD verwendete Sensorik zur Bestimmung der Mörserausrichtung in puncto Seite und Höhe nicht ausreichend genau ist, um auf die volle Kampfdistanz von 81- und 120-mm-Mörsersystemen hinreichend präzise wirken zu können. Zum Vergleich: Die Mortar Digital Aiming Solution (MDAS) – ein digitales Richtmittel des österreichischen Mörserspezialisten Hirtenberger, welches vor wenigen Jahren durch die Schweizer Armee für die Nutzung an 81-mm-Mörsern beschafft wurde – wiegt rund zehn Kilogramm. Die darin verwendete Sensorik erlaubt jedoch eine Genauigkeit der Waffenanlage von unter zwei Strich. Dafür bedarf es aber einer Kalibrierungszeit von vier Minuten. Wird die Kalibrierung auf zwei Minuten verkürzt, beträgt die Genauigkeit nur noch rund zehn Strich, was einer Abweichung von zehn Metern auf einem Kilometer entspricht. Bei einer maximalen Kampfentfernung (81-mm-Mörser) von fünf bis sechs Kilometern, würde sich die Abweichung auf 50 bis 60 Meter summieren und somit den tödlichen Wirkradius der 81-mm-Patrone deutlich übersteigen.

Für die Verwendung an 60-mm-Kommandomörsern scheint das MWAD hingegen ein durchaus probates Richtmittel zu sein. Die handgehaltenen Systeme haben eine typische Reichweite von rund 1,5 km, was dazu führt, dass die Genauigkeit der Systemsensorik für die Präzision des Mörsers eine weniger wichtige Rolle spielt.

Waldemar Geiger

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