Das finnische Unternehmen Morphona hat auf dem vergangene Woche stattgefundenen 10. KSK Symposium Rüstung eine auf Kohlenstoff basierende Stealth-Technologie gezeigt, mit der unterschiedliche Materialien – auch Textilien – so modifiziert werden können, dass ihre Radarsignatur auf einen Bruchteil reduziert werden kann. Hauptanwendungsbereich dieser Technologie könnte der Schutz vor weltraumgestützter Radaraufklärung werden.
Wie ein Unternehmensvertreter vor Ort gegenüber hartpunkt erklärte, kann die Technologie grundsätzlich bei unterschiedlichen militärischen Anwendungszwecken zum Einsatz kommen. So kann die Technologie beispielsweise sowohl in Strukturelemente eines Kampfflugzeugs integriert werden als auch in textile Tarnnetze oder Planen.
Nach Aussagen des Morphona-Unternehmensvertreters weist die gleichnamige Technologie gegenüber metallbasierten Ansätzen, wie sie häufig bei Tarnnetzen mit multispektralen Schutzeigenschaften verwendet werden, Vorteile auf. Der Schutz vor Radaraufklärung mittels metallbasierter Ansätze erzeugt seinen Ausführungen nach ein „Nichts“ an der Stelle, wo das geschützte Objekt sein sollte. Der kohlenstoffbasierte Ansatz von Morphona hingegen reduziere, absorbiere und reflektiere die Signale, so dass die Radarsignatur nicht gänzlich verschwinde, aber um ein Vielfaches gegenüber ihrem Ursprung reduziert werde.
Die Schutzleistung gegen Radaraufklärung ist laut Hersteller abhängig von der Masse der eingearbeiteten Kohlestoffpartikel und kann auf spezifische Bedarfe im Spektrum 2 GHz bis 100 GHz abgestimmt werden. Die Morphona-Technologie ist eigenen Angaben zufolge auf industrielle Skalierbarkeit ausgelegt und soll gleichzeitig leichte Konstruktionen sowie die Kompatibilität mit bestehenden Fertigungsprozessen ermöglichen.
Ein besonderer Bedarf an der Technologie besteht dem Unternehmen zufolge beim Schutz vor weltraumgestützter Aufklärung. So habe die Entwicklung im Bereich der Aufklärung aus dem Weltraum, hier insbesondere der Einsatz von SAR-Technologie (Synthetic Aperture Radar) bei Kleinstsatelliten im niedrigen Orbit (LEO), dazu geführt, dass selbst kommerzielle Anbieter Dienstleistungen für weltraumgestützte Informationsgewinnung, Überwachung und Aufklärung anbieten. Solche SAR-Satelliten bieten gegenüber herkömmlichen Aufklärungssatelliten den Vorteil, dass sie unabhängig von Wetterbedingungen oder Tageszeit hochauflösende Bilder erzeugen können.
Genau an dieser Stelle soll die Morphona-Technologie ansetzen, deren Wirksamkeit, wie es beim Symposium hieß, in Finnland bereits erfolgreich nachgewiesen werden konnte. So sei ein mobiler Flugzeugshelter erfolgreich vor der Aufklärung durch ICEYE-Satelliten, dem weltweit größten Anbieter einer SAR-Satellitenkonstellation, verborgen worden.
Weil die Radarsignatur reduziert und nicht gänzlich ausgelöscht sei, werde die Aufklärung zusätzlich erschwert. „Löcher“ auf dem Radarbild lassen zwar die Identifizierung geschützter Objekte nicht zu, sie könnten aber durch logische Schlussfolgerungen dazu führen, dass sich an dieser Stelle etwas Relevantes verberge, so das Unternehmen. Abgeschwächte Signaturen könnten hingegen einfacher im Grundrauschen der Umgebung verschwinden.
Waldemar Geiger
















