Das Berliner Start-Up Xavveo hat im Rahmen der Consumer Electronics Show (CES) Anfang Januar erstmals die Distributed-Photonik-Radar-Technologie vorgestellt, mit der Kleinstdrohnen effektiver und kostengünstiger detektiert werden sollen. Die Deutschlandpremiere findet im Rahmen der XPONENTIAL Europe 2026 Ende März in Düsseldorf statt.
Einem Unternehmensvertreter zufolge wird an der Technologie bereits seit vielen Jahren geforscht, auch wenn Xavveo selbst erst vor drei Jahren gegründet wurde. Der primäre Einsatzzweck kommt aus dem Automotive-Bereich, wo die hohe Auflösung für das autonome Fahren notwendig ist. Genau jene hohe Auflösung soll es erlauben, Kleinstdrohnen auf Distanzen von bis zu fünf Kilometern aufklären und diese sicher voneinander (Drohnenschwarm) separieren sowie von Vögeln unterscheiden zu können. Die neue Technologie soll dadurch signifikant geringere Falschalarmraten im Vergleich zu herkömmlichen Radaren liefern und zudem um den Faktor fünf günstiger sein.
Der eigentliche Clou hinter der Distributed-Photonik-Radar-Technologie wird die Möglichkeit sein, einzelne Radarmodule unterschiedlicher Größe – die Mindestmodulgröße beträgt 1 cm² – räumlich frei verteilt an Objekten anzuordnen und trotzdem ein kohärentes Radarbild – bis zu 360-Grad-Abdeckung – zu bekommen. Die unterschiedlich großen Paneele können dazu beispielsweise in kritische Infrastruktur wie Kraftwerken oder der Stoßstange eines Fahrzeuges angebracht werden und dort sowohl die Drohnendetektion als auch das autonome Fahren der Fahrzeuge ermöglichen.
Technisch wird dies durch Verwendung von Lichtwellenleitern im Zusammenspiel mit zwei unterschiedlichen Chips ermöglicht. Der Radar Chip übersetzt die Impulse des Radaremitters und Radarantenne in photonische Signale für die Übertragung über Lichtwellenleiter, welcher auf Xavveo‘s eigener IP basiert. Die schnelle Übertragung über die Lichtwellenleiter erlaubt es, die Signale einzelner Module in einer zentralen Rechnereinheit kohärent zusammenzuführen und zu synchronisieren. Als Recheneinheit dient ein Hochleistungs FPGA der die empfangenen Radarrohdaten in ein Umfeldmodel übersetzen.
Die Aufklärungsauflösung durch die flexibel Antennenstruktur soll dabei je nach Variante zum Beispiel vertikal wie horizontal bei 0,05° bis 500 m bzw. 0,2° bis 5.000 m liegen. Die Geschwindigkeitsauflösung wird vom Hersteller mit 0,01 m/s (500 m) bzw. 0,04 m/s (5.000 m) angegeben.
Xavveo hält die Technologie auch für unterschiedliche militärische Einsatzzwecke geeignet. Neben einem stationären Einsatz für den Schutz von Liegenschaften und logistischen Einrichtungen kann das Distributed-Photonik-Radar auch zum Selbstschutz von Fahrzeugen – auch während der Fahrt – eingesetzt werden. Um die Möglichkeiten weiter zu eruieren, ist das Unternehmen eigenen Angaben nach bereits mit unterschiedlichen Herstellern im Gespräch.
Geplant ist auch der luftgestützte Einsatz der Technologie in ClassIII-Drohnensystemen zur Luftaufklärung. Dort würden die Module dann aerodynamisch günstig entlang der Flugzelle und der Flügel platziert werden können.
Darüber hinaus könnte die Technologie zukünftig neben der Detektion auch zur Wirkung eingesetzt werden.
Waldemar Geiger












