New Main Battle Tank kann 130mm-Kanone einsetzen

Lars Hoffmann

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Der gegenwärtig beim Joint Venture Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV) auf der Basis des KF51 Panther in Entwicklung befindliche New Main Battle Tank (NMBT) der italienischen Streitkräfte ist von Beginn an so konzipiert, dass er später eine Hauptwaffe im Kaliber 130mm, das Rheinmetall 130mm Future Gun System, aufnehmen kann. Zunächst soll der Panzer jedoch mit einer 120mm-Kanone L55 ausgestattet werden, die Leonardo gegenwärtig entwickelt. Der NMBT wird eine Ladeautomatik erhalten und über einen Munitionsvorrat von 20 Schuss verfügen, egal welches der beiden Kaliber genutzt wird. Wie David Hoeder, Executive Chairman von LRMV, vergangene Woche im Gespräch mit hartpunkt auf der Fachmesse Eurosatory in Paris erläuterte, hat es das Rheinmetall-Team geschafft, den Panzer in weniger als zwölf Stunden von 120mm auf eine 130mm-Kanone umzurüsten.

Die zunächst vorgesehene 120mm-Kanone weist eine Besonderheit auf: sie soll die Leonardo-Präzisionsmunition Vulcano verschießen können, die eine Reichweite von 30 Kilometern hat. Das Unterkaliber-Projektil der Vulcano stellt eine Steilfeuerkomponente dar und weist verschiedene Zündmodi auf. Vorgesehen ist überdies die Endphasenlenkung.  Neben der Hauptwaffe des NMBT ist überdies ein Koaxial-MG im Kaliber 12,7 mm vorgesehen.

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Markant an dem neuen italienischen Panzer ist die wuchtige Front des Turms. Hier sei ein leistungsfähiges hybrides Schutzsystem gegen KE-Gechosse verbaut worden, das aus aktiven und passiven Elementen bestehe, sagte Hoeder. Weitere Details wollte er nicht nennen. Das Kampffahrzeug nutze aufbauend auf den Erfahrungen mit dem ungarischen Lynx-Schützenpanzern das Rheinmetall-Aktivschutzsystem Strike Shield, das sich kurz vor der Serienreife befinde. Der Panzer ist mit zahlreichen Sensor-Komponenten, wie Elektrooptiken, Laserwarnern oder Akustik-Sensoren ausgestattet.

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Leonardo steuert die Waffenstation mit einer 30x113mm-Waffe bei, die programmierbare Airburst-Munition verschießen kann und der eine wichtige Rolle für die Bekämpfung von Drohnen zukommen soll. Dafür ist ein Vorrat von 150 Schuss Munition vorgesehen. Darüber hinaus soll das Kampffahrzeug auch eigene Loitering-Munition- oder Aufklärungs-Systeme erhalten.

Die digitale Architektur des Fahrzeugs (NGVA) erlaubt es, dass Leonardo und Rheinmetall Komponenten in das System einbringen können, wobei Leonardo etwa für die Feuerleitung und das C2-System zuständig ist, wie Hoeder ausführte. Während das Chassis auf dem des Rheinmetall-Kampfpanzers Panther basiere und nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien geschweißt werde, sei noch nicht final entschieden, welcher Antriebsstrang verbaut werde.

Dem Vernehmen nach fokussieren sich Rheinmetall und Leonardo bei den Motoren im Wesentlichen auf die Hersteller IDV und MTU und bei den Getrieben auf die Firmen Renk, Sapa und ZF. Insgesamt sollen 60 Prozent der Wertschöpfung für das Gesamtprojekt aus Italien kommen. Nur wenige Schritte vom Kampfpanzer entfernt stellte die Leonardo-Tochter IDV denn auch einen V12-Motor für Kampfpanzer mit einer Spitzenleistung von bis zu 1.300 kW (1.770 PS) und ein Drehmoment von 6.000 Nm vor, das für den NMBT in Frage kommt.

V12-Kampfpanzermotor von IDV.
V12-Kampfpanzermotor von IDV. (Bild: hartpunkt / Waldemar Geiger)

Den Angaben von IDV zufolge wurden die Motoren speziell für die neue Generation von Kampffahrzeugen konzipiert und entwickelt und erfüllen die hohen Anforderungen an Gewicht, Leistung, Langlebigkeit und operative Flexibilität. Ihr Design integriere fortschrittliche Lösungen wie ein Zweikühlkreissystem und modernste Turbolader, die ein hohes Ansprechverhalten unter allen Betriebsbedingungen gewährleisten, so IDV. Darüber hinaus seien sie für „Drive-by-Wire“-Anwendungen mit dem firmeneigenen Steuerungssystem von IDV (Full Powerpack) entwickelt worden. Die Zeit zwischen Überholungen wird mit über 2.500 Stunden angegeben.

Trotz des automatischen Laders, der den Ladeschützen ersetzt, sind für den NMBT, dem Design des KF51 Panther folgend, vier Personen Besatzung vorgesehen. Der vierte Mann oder die vierte Frau soll dabei eine „Specicalist“-Rolle übernehmen, etwa um die eigenen Drohnen oder Loitering Munition zu betreuen. Hierzu laufe gegenwärtig eine Studie, sagte Hoeder. Seiner Aussage zufolge wird der NMBT das Fahrzeug derart digital konzipiert, dass – außer dem Fahrer – auf jeder der Positionen jede Rolle übernommen werden kann. Also im Prinzip könnte der Kommandant auch vom Richtschützenplatz führen.

Die italienischen Streitkräfte wollen basierend auf dem Chassis des NMBT mit dem einheitlichen Powerpack eine Familie von Fahrzeugen einführen, zu denen auch Pionier-, Berge und Brückenlegepanzer gehören.  Je nach Konfiguration soll der neue Panzer 61 bis 67 Tonnen ohne Besatzung und Kampfbeladung aufweisen, so dass 69,5 Tonnen maximal nicht überschritten werden.

Die in Paris vorgestellte Variante verfügte über keine Winkelspiegel für den Fahrer, stattdessen über ein optronisches System mit Sensoren am Bug, Heck und an den Seiten. Nach Aussage von LRMV-Manager Hoeder ist das Konzept für eine 360-Grad-Rundumsicht ausgelegt. Winkelspiegel könnten jedoch bei Bedarf hinzugefügt werden.

Auffallend ist das gegenüber anderen Leopard-Panzern leicht erhöhte Heck. Dies führt Hoeder auf das neue Power-Pack zurück, dass den Panzer besser ausbalanciere, etwa beim Schießen während der Fahrt. Eine Auxiliary Power Unit (APU), die auf einem Verbrennungsmotor basiert, werde voraussichtlich nicht verwendet, stattdessen ein Batterie-Power-Pack, so der LRMV-Manager
Nach seiner Aussage geht der NMBT nach Vertragsschluss und Entwicklung bereits 2028 in die Erprobung. Mit dem Anlaufen der Serie rechnet Hoeder dann im Jahr 2029.

Lars Hoffmann