FCAS: Zwei-Flugzeug-Lösung sorgt für besseren Fähigkeitsmix

Lars Hoffmann

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Die deutsche Politik plant offenbar bis Ende dieses Monats, erneut eine Entscheidung hinsichtlich des weiteren Vorgehens beim französisch-deutsch-spanischen Future Combat Air System (FCAS) treffen zu wollen. Das zumindest kann man den Medien entnehmen. Eigentlich war eine solche Entscheidung bis Ende 2025 angekündigt worden. Umgesetzt wurde dies jedoch nicht.

Weil sich die industriellen Player Dassault in Frankreich und Airbus Defence and Space in Deutschland auf keine Lösung für die Arbeitsteilung und industrielle Führung beim New Generation Fighter (NGF) einigen können, muss jetzt ein politischer Entschluss her. Um die deutsch-französische Achse durch einen Abbruch von FCAS nicht übermäßig zu beschädigen und die Interessen von Industrie und Militär besser abzubilden, wird in Deutschland der Vorschlag diskutiert, zwei Kampfflugzeuge zu entwickeln. Dessen ungeachtet, sollen andere Bestandteile von FCAS weiter vorangetrieben werden.

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Insidern war schon früh klar, dass die Luftstreitkräfte der drei an FCAS beteiligten Länder sehr stark voneinander abweichende Fähigkeitsprofile für ihre zukünftigen Fighter verlangen, die sich kaum in einem einzigen Entwurf umsetzen lassen.

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So benötigt Frankreich Kampfflugzeuge, die auf einem Flugzeugträger starten und landen können und in der Lage sind, Nuklearwaffen zu tragen. Gerade die Trägerfähigkeit führt aber zu Beschränkungen bei der Größe und damit Reichweite eines Fighters. Die Auslegung eines solches Flugzeugs für die Trägerlandung, die unter hoher Belastung der Flugzeugzelle erfolgt, erfordert eine Verstärkung der Struktur und führt damit zu einem höheren Gewicht als bei Maschinen, die Landflugplätzen operieren. Gleichzeitig könnte aufgrund der Sichtanforderungen für den Piloten auf einem Träger weniger Raum für ein Radar zur Verfügung stehen, wie dies offenbar beim Vergleich von Rafale mit dem Eurofighter der Fall ist. Auch die Aerodynamik ist auf die Trägerlandung und nicht den Überschallflug optimiert. So soll der Eurofighter beispielsweise über deutlich bessere Supercruise-Fähigkeiten – also das Überschall-Fliegen ohne Nachbrenner – als die Rafale verfügen. Ebenfalls ist sein Schub-Gewichts-Verhältnis aufgrund der Auslegung als Jagdflugzeug höher als bei der Rafale, bei der auf die Multirollen-Fähigkeit größerer Wert gelegt wurde.

Während diese technischen Auswirkungen für Frankreich offenbar akzeptabel sind, bemängeln einige Beobachter hierzulande, dass beim Festhalten am Ein-Fighter-Ansatz die gesamte Flotte der zukünftigen FCAS-Kampfflugzeuge „verstümmelt“ werden müsste, nur damit ein paar Dutzend der Kampfjets auf einem französischen Träger landen können.

Dagegen hat die Bundeswehr offensichtlich einen ganz anderen Bedarf. Sie benötigt ein Flugzeug mit großer Reichweite, das von Stützpunkten in Westdeutschland, die nicht so leicht von russischen Luftkriegsmitteln erreicht werden, zunächst ins Operationsgebiet an der Ostflanke der NATO fliegen muss, bevor dort die eigentlichen Operationen beginnen. Damit wäre es per se größer, weil mehr Treibstoff mitgeführt werden muss. Der Eurofighter – zunächst als Jäger 90 in Planung gegangen – war dagegen für den Einsatz am „Eisernen Vorhang“ konzipiert, ohne lange Anmarschwege. Damit dürfte das Flugzeug nicht mehr optimal für die zukünftigen Szenarien ausgelegt sein. Denn der Flug ins Operationsgebiet würde entweder den Einsatz von Außentanks erfordern, was die Waffenlast reduziert, oder eine aufwendige Luftbetankung erforderlich machen.

Dabei scheint auch in der Luftwaffe die Diskussion noch nicht abgeschlossen zu sein, ob ein Luftüberlegenheitsjäger in Nachfolge des Eurofighters entwickelt werden sollte, oder doch besser ein Jagdbomber. Mit der F-35 beschafft die Luftwaffe im Augenblick die neueste Generation eines auf dem Markt verfügbaren Jagdbombers, der als topmodern gilt und nach Auslieferung noch viele Jahrzehnte in Dienst bleiben dürfte. Allerdings ist die Stückzahl mit 35 Maschinen sehr niedrig und eine mögliche Folgebeschaffung von 15 weiteren Exemplaren dürfte nach den jüngsten Volten der US-Regierung kein Selbstläufer sein.

Gleichzeitig werden andere enge EU- und NATO-Partner, mit denen die Luftwaffe gemeinsam in den Einsatz gehen würde, wie die Niederlande, Polen, Dänemark oder Norwegen ihre Luftflotten mit F-35 bestücken und damit zum Teil ihre ursprünglich für die Luftüberlegenheit entwickelten F-16 ablösen. Die US-Streitkräfte dagegen werden aller Voraussicht nach in Zukunft nicht mehr in dem Maße wie in den vergangenen Dekaden für die Sicherung der NATO-Luftüberlegenheit in Europa zur Verfügung stehen, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Ein gewichtiges Argument der Befürworter einer Jagdbomber-Neuentwicklung lautet, dass aufgrund der mittlerweile über mehrene Hundert Kilometer einsetzbaren Luft-Luft-Lenkwaffen die für die Luftüberlegenheit erforderlichen Konstruktionsmerkmale, die eine dauerhafte Überschallgeschwindigkeit und hohe Agilität für den „Dogfight“ nach sich ziehen, in Zukunft nicht mehr erforderlich sind. Das ist plausibel. Ein Problem könnte allerdings dann entstehen, wenn diese Abstandswaffen – aus welchem Grund auch immer – nicht eingesetzt werden können oder nicht wie erwartet funktionieren. In einem solchen Fall hätte ein Jagdbomber schlechte Karten im Duell mit einem spezialisierten Jäger.

Trotz aller Fortschritte bei der Raketenentwicklung, dürfte ein Fighter, der eine hohe Überschallgeschwindigkeit erreicht, im Kampf mit einem langesameren Gegner auf hohe Distanzen und jenseits der Sichtlinie einen Pluspunkt auf seiner Seite haben: Beim Verschuss seiner Lenkflugkörper weisen diese eine höhere Startgeschwindigkeit auf, was die Chancen erhöht, das sie ihr Ziel früher erreichen. Die hohe Geschwindigkeit erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit für den Fighter, dass er rechtzeitig aus der Gefahrenzone entkommen kann.

Die USA zumindest sehen weiter einen Bedarf für einen Luftüberlegenheitsjäger. So soll die F-47, zunächst als „Next Generation Air Dominance (NGAD)“ gestartet, die F-22 Raptor schon in wenigen Jahren ersetzen. Ob die Luftwaffe als NGF eher den Nachfolger einer F-35 oder den Nachfolger eines Eurofighters benötigt, müssen die Planer entscheiden.

In die Kalkulation spielen womöglich noch andere Faktoren hinein: So will die Bundeswehr bekanntlich mit hoher Priorität eine Fähigkeit zum „Deep Precision Strike“ aufbauen. Sollten diese Pläne in Zukunft umgesetzt werden und genug Marschflugkörper, ballistische Raketen oder Hyperschallwaffen bereitstehen, würde dies voraussichtlich den Bedarf an Jagdbombern reduzieren.

Gleichzeit besteht die Unsicherheit, ob die F-35-Flotte der Europäer – wie bislang angenommen – verlässlich aus den USA bei ihrer Einsatzfähigkeit unterstützt wird. Zwar mag es keinen „Kill Switch“ geben, dennoch dürften anderen Hebel zur Verfügung stehen, um auf die Performance des Flugzeugtyps Einfluss zu nehmen, wenn dies eine US-Regierung anordnen sollte. Ein Szenario, das nach der Androhung der Besetzung Grönlands durch US-Truppen sicherlich den Planern hierzulande im Kopf herumspuken dürfte.

Neben dem „Deep Strike“ will die Bundeswehr eine weitere, sehr innovative Fähigkeit entwickeln: Den Einsatz einer „Jagdbomberdrohne“, die unbemannt und überwiegend autonom in feindliches Territorium eindringen, dort ihre Waffen einsetzen, und dann zurückkehren soll. Nach derzeitiger Planung ist bereits für 2029 das Erreichen einer sogenannten Initial Operational Capability vorgesehen. Auch dieses Waffensystem dürfte sich auf die Bedarfplanung der Luftwaffe auswirken.

Blickt man optimistisch in die Zukunft und legt die Annahme zugrunde, dass die F-35 uneingeschränkt funktioniert, eine große Zahl von Abstandswaffen eingeführt wird, kein Interesse am Kauf der F-47 – die laut Präsident Trump auch nur in einer leistungsreduzierten Version verkauft werden soll – besteht, dann könnte die Entwicklung eines Luftüberlegenheitsjägers durchaus eine Option darstellen.

Insbesondere, falls Russland in der Lage sein sollte, Kampfflugzuge der 5. Generation mit Stealth-Fähigkeiten wie die Su 57 oder die Su 75 zur technischen Reife zu führen und in den kommenden Jahren in großen Stückzahlen in Dienst zu stellen.

Wie aus Industriekreisen zu vernehmen ist, steht Airbus bereit, einen Luftüberlegenheitsjäger idealerweise bis Mitte der kommenden Dekade zu entwickeln. Im Zweifelsfall sogar alleine und unter Nutzung der Luftfahrzeugbau-Expertise, die in der deutschen Industrie vorhanden ist. Ob dies auch im Sinne der Politik und Streitkräfte ist, bleibt abzuwarten. Schließlich könnten sich Paris und Berlin auch noch auf die Weiterführung von FCAS mit einem einzigen Fighter einigen.

Lars Hoffmann