Der Berichterstatter der Unionsfraktion für die Luftwaffe im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, Volker Mayer-Lay, sieht keine Zukunft für das europäische Kampfflugzeug-Projekt Future Combat Air System (FCAS) und verlangt deshalb die Beendigung des Vorhabens. In einer Pressemitteilung schreibt der CDU-Politiker: „Das Vertrauen zwischen beteiligten Regierungen und Unternehmen ist schwer beschädigt, sodass die Beendigung von FCAS die einzig funktionale Lösung für die bestehende Problematik sein dürfte.“
Jetzt brauche die Bundesregierung noch den entscheidenden Willen, aber auch Mut zur Konsequenz. „Ein kontrollierter Abschied von FCAS wäre kein sicherheitspolitisches Risiko, sondern die Chance auf einen echten Neustart. Die deutsch-französische Freundschaft wird das überstehen – die deutsche Industrie eine weitere Verzögerung aber nicht“, so der Verteidigungsexperte.
Noch vor Weihnachten habe die Bundesregierung eine Entscheidung angekündigt, wie es mit dem in Schieflage geratenen Projekt weitergehen soll – oder eben nicht weitergeht. Ein weiteres Verzögern drohe nicht nur Millionen-Kosten zu verursachen, sondern es koste wichtige Zeit, die in die Entwicklung und Forschung eines neuen Zukunftssystems investiert werden muss.
Das Future Combat Air System galt laut Mayer-Lay als sicherheitspolitisches Jahrhundertprojekt Europas: ein Kampfflugzeug der sechsten Generation (New Generation Fighter – kurz NGF), begleitet von kooperativen unbemannten Systemen, hochentwickelter Sensorik und einer „Combat Cloud“, die den luftgestützten Einsatz vernetzt. Ziel war, europäische Industriekompetenz zu bündeln, Europas technologische Souveränität zu stärken und international gleichwertig aufzutreten. „Von dieser Vision bleibt inzwischen zu wenig übrig. Statt konstruktiver Partnerarbeit erleben wir Machtspiele, Blockaden und nationale Eitelkeiten, die das Projekt lähmen“, hält der CDU-Politiker fest.
Er kritisiert den Dassault-Chef Éric Trappier, der eine Führungsrolle Frankreichs bei FCAS fordert und zuletzt mit einem Alleingang drohte, falls Dassault nicht die alleinige Entscheidungsmacht erhalte. „Wer auf diese Weise auftritt verlangt Unterordnung. Wer andere verdrängt, sucht keine Partnerschaft“, schreibt Mayer-Lay.
Erst in der vergangenen Woche hatte der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie in einem vertraulichen Papier vor dem Ende des Kampfflugzeugbaus in Deutschland gewarnt, sollte sich Frankreich mit seinen Forderungen bei FCAS durchsetzen.
Die Deutsche Industrie ist aus Sicht des Politikers nicht nur in der Lage, sondern auch bereit, die Verantwortung für die Entwicklung eines Kampfjets der 6. Generation zu übernehmen, ohne dabei dauerhaft von einem Partner behindert zu werden. „Die reiche Industriekultur Deutschlands und die Marktführer in ihren entsprechenden Gebieten, die heute an FCAS mitarbeiten, sind in der Lage, die gewonnen Erkenntnisse direkt in ein neues Projekt einzubringen.“
Mayer-Lay führt als mögliche Kompetenzträger Airbus im Bereich der Combat Cloud und des NGF, Diehl Aviation bei der Entwicklung der Avionikplattform, Diehl Defence bei einem System vernetzter Waffen oder Hensoldt bei der Sensortechnologie an und folgert: „Damit ist Deutschland in der komfortablen Situation, sich konsequent gegen die Forderungen Dassaults zu behaupten. Wir haben es in der Hand, uns zwischen Abhängigkeit und einer kooperativen Lösung zu entscheiden.“ Die parallel stattfindende Zusammenarbeit bei der Entwicklung der neuartigen FCAS-Antriebsturbine von MTU und dem französischen Unternehmen Safran zeige aber auch, dass eine Zusammenarbeit mit Frankreich in Teilbereichen durchaus erfolgreich sein könne.
Zu den vielen exzellenten Unternehmen, die in den Startlöchern für eine Kooperation stehen zählt er überdies Liebherr, das vielseitige Expertise im Bereich Fahrwerk und Hydraulik einbringen könne, und vor allem den schwedischen Konzern Saab. „Erste Verhandlungen und ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen Airbus und Saab lassen hoffen“, schreibt der CDU-Verteidigungsexperte. „Mit Schweden steht ein Partner bereit, der ohne lautstarke Führungsansprüche liefert – technologisch wie politisch.“ Auch das Projekt „GCAP“ zwischen Großbritannien, Italien und Japan bleibt nach Einschätzung von Mayer-Lay eine Option. „Für Deutschland bestehen somit beste Chancen, die Entwicklung eines Next Generation Fighter zu Ende zu bringen, dabei gewonnene Kenntnisse und Entwicklungen mitzunehmen und neue Partnerschaften zu schließen.“
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