Bis Ende des Jahres soll nach Aussage des Verteidigungsministeriums eine Lösung gefunden werden, wie es mit dem französisch-deutsch-spanischen Future Combat Air System (FCAS) weitergehen soll. Im Raum steht die Forderung von Dassault-Chef Eric Trappier, die alleinige Entscheidungsmacht beim neuen Fighter des FCAS-Vorhabens zu erhalten. Andernfalls könne Frankreich auch alleine ein Flugzeug entwickeln, so die Drohung des Managers.
Für Volker Mayer-Lay Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag und Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für die Luftwaffe, ist die französische Position nach den vorangegangenen jahrelangen Querelen mittlerweile nicht mehr akzeptabel. „Wer so auftritt, sucht keine Partnerschaft – er verlangt Unterordnung“, schreibt der Politiker in einem heute veröffentlichten Statement mit Bezug auf die Position von Trappier.
Irgendwann sei Schluss. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Deutschland muss den Mut haben, klare Konsequenzen zu ziehen: Entweder Kooperation auf Augenhöhe oder neue Partner, die das Wort „Zusammenarbeit“ auch leben“, fordert der CDU-Politiker.
„FCAS muss sterben, damit das Kampfflugzeug der sechsten Generation fliegen kann“, so Meyer-Lay. Die deutsche Industrie brauche keinen Vormund und es gebe keinen Grund, sich dem Diktat zu beugen. „Wer glaubt, Deutschland sei allein nicht in der Lage, ein Kampfflugzeug der Zukunft zu bauen, der irrt gewaltig.“ Mayer-Lay sieht die hiesige Industrie hervorragend aufgestellt. Zu den wichtigen Playern zählt er Airbus, MTU, Diehl, Indra Avitech, Hensoldt oder die starke Forschungslandschaft in Künstlicher Intelligenz, Sensorik und Cybersicherheit. „Deutschland kann technologisch mithalten – und es hat Alternativen.“
In diesem Zusammenhang verweist Mayer-Lay auf Italien und Japan, die seinen Worten zufolge bereits konkret an einem Kampfflugzeug der sechsten Generation arbeiten. Schweden halte sich mit Saab Optionen offen. „Diese Länder zeigen, dass echte Zusammenarbeit möglich ist, ohne dass ein Partner sich als Vormund aufspielt.“
Das eigentliche Problem von FCAS sei nicht, dass es scheitern könne – das Problem sei der lähmende Zeitverlust. Während Dassault auf eine französische Dominanz poche, verstreichen wertvolle Jahre. „Für die Luftwaffe bedeutet das, dass die nächste Kampfflugzeuggeneration in weite Ferne rückt. Wenn Europa nicht endlich handelt, wird der Vorsprung anderer – nicht freundlich gesinnter Nationen – uneinholbar“, mahnt der CDU-Fachpolitiker.
In Fachkreisen gelten Schweden und das Dreierkonsortium von Großbritannien, Japan und Italien als mögliche Partner Deutschlands und Spaniens für die Entwicklung eines Kampflugzeugs, sollte FCAS mit Frankreich beendet werden. Allerdings dürfte der Einstieg in ein existentes Vorhaben schwierig sein, insbesondere hinsichtlich der Aufteilung der industriellen Anteile, die neu zugeschnitten werden müssten.
Schweden hat sich dagegen noch nicht entschieden, wie die Nachfolge des Kampfflugzeugs Gripen geregelt wird und ob eine Eigenentwicklung in Frage kommt. Jedoch soll der Gripen noch ähnlich lange im Dienst verbleiben wie der Eurofighter, was positiv hinsichtlich einer gemeinsamen Planung wäre. Die Skandinavier haben bewiesen, dass ein Land mit weniger als zehn Millionen Einwohnern einen Weltklasse-Jet entwickeln kann. Allerdings mussten sie beim Triebwerk auf US-Technologie zurückgreifen. Hier könnte Deutschland bei einer Kooperation womöglich einen Beitrag leisten, da Triebwerks-Know-how vorhanden ist. Insider fürchten gar, dass dies bei der Fortsetzung von FCAS verlorengehen könnte, weil die französische Seite die Spezifikationen für das Flugzeug offenbar so anpassen möchte, dass das nationale Triebwerk den Zuschlag erhält.
Für Schweden könnte auch sprechen, dass die jeweiligen nationalen Champions Airbus Defence and Space und Saab bereits Gespräche über die gemeinsame Entwicklung eines Collaborative Combat Aircraft (CCA) geführt haben. Ein solches CCA würde ein wesentliches Element eines FCAS darstellen.
Zunächst bleibt jedoch abzuwarten, ob und wie Paris und Berlin sich hinsichtlich der Unstimmigkeiten verständigen. Dass die neue französische Regierung noch nicht steht und der bisherige Verteidigungsminister nicht mehr auf seinem Posten ist, dürfte dabei nicht unbedingt hilfreich für die Verhandlungen sein.
Lars Hoffmann
















