Plattformschutz als Beitrag zur Rückkehr der mechanisierten Gefechtsführung

Kristóf Nagy

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Während des Kriegs in der Ukraine ist die Zukunft bestimmter Waffensysteme von Anfang an und von unterschiedlichen Seiten in Frage gestellt worden. Dazu gehört auch der Panzer. Allen Unkenrufen zum Trotz kommt der Kampfpanzer jedoch auch heute noch sowohl in den ukrainischen als auch russischen Streitkräften zum Einsatz, jedoch aktuell in einer anderen Rolle und Größenordnung. Die derzeitige Einsatzart ähnelt eher der von Sturmgeschützen im Zweiten Weltkrieg, die Feuerunterstützung für die Infanterie liefern sollten.

Gleichwohl sind Bestrebungen erkennbar, den Kampfpanzer so zu ertüchtigen, dass er seine primäre Funktion als Hauptträger beweglich geführter Landoperationen erfüllen kann: Die Durchführung von stoßkräftigen und schnellen Angriffen. Ein aktuelles Beispiel lieferte jüngst Russland mit der Einführung des aktiven Schutzsystems Arena-M auf dem Kampfpanzer T-72B3A. Nach russischen Angaben werden Besatzungen mit Hochdruck an dem System ausgebildet. Die so geschützten Kampfpanzer sollen insbesondere bei Angriffen auf befestigte Stellungen eingesetzt werden. Arena-M soll den Kampfpanzer dabei gegen Bedrohungen wie Panzerabwehrlenkflugkörper und FPV-Drohnen schützen.

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Kampfpanzer können dank massiver Zusatzpanzerung und reaktiver Schutzsysteme bereits jetzt schon mehrere FPV-Drohnen-Treffer überstehen. Beobachter des Konfliktes gehen davon aus, dass bis zu zehn Treffer notwendig sind, um einen Kampfpanzer so weit zu beschädigen, dass er kampfunfähig wird oder als vernichtet gilt. Ein Hard-Kill-System wie Arena-M soll die Überlebensfähigkeit weiter verbessern.

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Aktuelle Gefechtsberichte aus der Ukraine zeigen, dass Arena-M ausgesprochen gut funktioniert, allerdings durch den erhöhten Einsatz von FPV-Drohnen in der Verteidigung relativ schnell abgenutzt wird. Damit verschiebt sich Beobachtern zufolge die Frage von „Kann ein Kampfpanzer einen Treffer überleben?“ zu „Wie lange kann eine geschützte Plattform innerhalb der feindlichen Aufklärungs- und Wirkungszone operieren?“.

Die tief gestaffelte, permanente Aufklärungs- und Wirkungszone, in der Sperren, Drohnen, FPV-Systeme, elektronische Kampfführung, Sensoren und immer mehr unbemannte Bodenfahrzeuge (UGV) die Bewegungsfreiheit bemannter Kräfte stark einschränken, ist bereits heute größtenteils Realität. In stark überwachten Frontabschnitten kann sich diese Zone über viele Kilometer Tiefe erstrecken, wie der Ukrainekrieg gezeigt hat.

Die Konsequenz ist daher weitreichend. Klassische mechanisierte Verbände können nicht mehr davon ausgehen, dass sie ihre Masse, Feuerkraft und Mobilität einfach in den Schwerpunkt verlagern können. Ihre aus Bewegung und elektromagnetischer Emission bestehende Signatur wird schnell aufgeklärt, löst eine Wirkkette aus, welche bereits auf dem Anmarsch zu Verlusten führt.

Dass das Dilemma durch eine neue Definition der Schwerpunktbildung aufgelöst werden kann, zeigen Beispiele aus der Ukraine. Aufklärungs- und Abfangdrohnen, elektronische Kampfführung, mobile Counter-UAS-Systeme und zukünftig auch vermehrt UGVs müssen einen komplexen Schutzschirm bilden.

Dieser kann selbstverständlich nicht die gesamte Front von gegnerischer Aufklärung und unbemannten Wirkmitteln befreien. Stattdessen wird für eine begrenzte Zeit und in einem definierten Raum ein lokaler Schutzschirm gespannt. Aufklärungs- und Abfangdrohnen, elektronische Kampfführung, mobile UAS-Abwehrsysteme sollen den Gegner erkennen und dessen Sensoren und Wirkungsketten stören, zerstören und auch abnutzen. Durch die Schaffung eines zeitlich und räumlich begrenzten Fensters relativer Überlegenheit gewinnt der mechanisierte Verband so seine Handlungsfähigkeit zurück.

Abstandsaktive Hardkill-Systeme wie Arena-M können somit nicht allein die Überlegenheit des Kampfpanzers wiederherstellen. Eingebettet in eine organische Architektur aus Aufklärung, elektronischer Kampfführung und Drohnenabwehr (auch aktiv geführte Bekämpfung feindlicher Drohneneinsatzfähigkeiten), sind sie jedoch ein wertvoller Baustein. Der Kampfpanzer wird damit zu einem Element eines kombinierten Systems mit zahlreichen Schutzebenen.

Das ist insofern bemerkenswert, als die Diskussion über die Zukunft des Kampfpanzers in den vergangenen Jahren häufig von der Annahme geprägt war, dass kleine, billige Drohnen die klassische Plattform grundsätzlich obsolet machen könnten. Die Erfahrungen aus der Ukraine sprechen eher für eine andere Entwicklung: Der Wert einer geschützten Plattform sinkt nicht zwangsläufig. Entscheidend ist vielmehr, unter welchen Bedingungen sie eingesetzt wird.

Ausblick

Der mittels Arena-M aufgerüsteter Kampfpanzer vorgetragene Angriff konnte schlussendlich durch die ukrainischen Streitkräfte abgewehrt werden. Man würde jedoch fahrlässig argumentieren, wenn man diesen Umstand als Beleg für ein Scheitern des Ansatzes nehmen würde. Das System hat genau so funktioniert, wie es sollte. Es war Berichten zufolge in der Lage, die Besatzungen vor Drohnenangriffen zu schützen, bis die Arena-M Munition ausgegangen ist.

Vielmehr sollte es als Puzzlestück verstanden werden, dass die beschriebene Schutzblasentheorie funktioniert, wenn auch aktuell noch nicht lange genug, um die Angriffe erfolgreich zu Ende zu führen. Man kann jedoch mit Sicherheit davon ausgehen, dass die russischen Streitkräfte daran arbeiten werden, die Schutzdauer der Schutzblasen auszubauen.

Die Schutzwirkung der passiven Panzerung addiert mit dem Effekt abstandsaktiver Systeme lässt russische Kampfpanzerbesatzungen offenbar heute schon zehn bis zwanzig FPV-Drohnenangriffe überleben. Kombiniert man diesen Plattformschutz mit weiteren Abwehrfähigkeiten – Elektronischer Kampf und Drohnen- bzw. Flugabwehr – bedarf es schon deutlich mehr Wirkdrohnen, um einen Panzerangriff abzuwehren. Ergänzt um Maßnahmen der aktiven UAS-Abwehr, bei denen feindliche Drohnentrupps sowie für den Einsatz von unbemannten Luftsystemen notwendige Strukturen im Vorfeld des Angriffes aufgeklärt und bekämpft werden, könnte ein Zeitfenster geschaffen werden, dass groß genug für einen erfolgreichen mechanisierten Angriff wäre.

Kristóf Nagy