Der Bundesverband der Deutschen Luft‑ und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Industriegewerkschaft Metall wollen beim zukünftigen europäischen Future Combat Air System (FCAS) auf eine Zwei‑Flugzeuge‑Lösung setzen. Gegenwärtig ist bei FCAS noch die Entwicklung eines einzigen New Generation Fighters (NGF) vergesehen, der zusammen mit Begleitdrohnen und einer Combat Cloud eingesetzt werden soll. Industrie und Gewerkschaft seien der Überzeugung, dass die Zwei‑Flugzeuge‑Lösung den Weg für klare Verhältnisse und Perspektiven freimache, heißt es in einer heute veröffentlichten Mitteilung des BDLI.
Damit würden nicht nur der aktuelle Dissens, sondern auch Planungsunsicherheiten beseitigt, schreibt der Verband. Gerade für Deutschland eröffnen sich laut Mitteilung neue industriepolitische Chancen. Hintergrund des Aufrufs sind die Querelen zwischen Dassault sowie Airbus Defence and Space über die Arbeitsteilung beim NGF. Dassault forderte entgegen den ursprünglichen Abmachungen einen Anteil von deutlich über 50 Prozent, was Airbus nicht aktzeptiert. Wie es aus Industriekreisen heißt, kann die verfahrene Situation nur noch politisch gelöst werden.
„Eine Zwei‑Flugzeuge‑Lösung ist kein Scheitern, sondern das Erwachsenwerden von FCAS. Sie erlaubt unterschiedliche nationale Schwerpunkte und reduziert Reibungsverluste, weil Kooperation dort stattfindet, wo sie wirtschaftlich und technologisch sinnvoll ist“, so Marie‑Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin BDLI. Deutschland habe ein breites industrielles Rückgrat aus großen Herstellern sowie kleinen und mittleren Unternehmen, die über langjährige und umfassende Expertise im Flugzeugbau verfügen, betont von Hahn. „In Kombination mit einem robust ausgestatteten Bundeshaushalt sind wir in der Lage, selbstbewusst zu investieren und damit industriepolitisch mutige Wege zu beschreiten.“
Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, wird mit den Worten zitiert: „Wir unterstützen ausdrücklich die partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie in Europa. Dabei muss aber klar sein: Wenn die Bundesregierung für ein länderübergreifendes Projekt wie FCAS Steuergelder in die Hand nimmt, muss zu einem fairen Anteil Wertschöpfung in Deutschland entstehen, müssen Arbeitsplätze hier bei uns gesichert werden.“ Die Zwei-Flugzeuge-Lösung könne das gewährleisten. Diese Lösung werde Beschäftigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, kleinen bis zu großen Unternehmen, in Deutschland stärken, so Kerner.
Eigentlich wollte die Bundesregierung bis Ende vergangenen Jahres eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen bei FCAS treffen. Dies ist jedoch nicht erfolgt. Wie es heißt, liegt das Thema jetzt im Kanzleramt.
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