Nachdem das niederländische Verteidigungsministerium bereits im Januar 2025 die Beschaffungsabsicht für 22 Flugabwehrkanonenpanzer Skyranger 30 auf der Plattform ACSV G5 verkündet hat, wurde gestern eine entsprechende Bestellung ausgelöst. Einer heute veröffentlichten Pressemitteilung von Rheinmetall – dem Hersteller des Skyranger – zufolge, wurde das Unternehmen mit einer zweistelligen Zahl von Skyranger-Flugabwehrsystemen für die niederländischen Streitkräfte beauftragt. Den Angaben des niederländischen Verteidigungsministeriums zufolge werden die ersten drei Prototypen in der Schweiz gefertigt, die Produktion der restlichen Systeme soll dann in den Niederlanden erfolgen.
Der Auftragswert wird seitens Rheinmetall mit einem dreistelligen Millionen-Euro-Betrag angegeben. Die Auslieferung der Waffensysteme soll Ende 2028 erfolgen und bis Ende 2029 andauern.
Wie Rheinmetall weiter schreibt, besteht die bestellte Skyranger-Waffenplattform aus einem Standard-Skyranger-30-Turm und einer Tragstruktur. Hierdurch lässt sich das System entweder mobil auf einem gepanzerten Kampfunterstützungsfahrzeug des Kunden oder abgesetzt vom Boden aus einsetzen. Gut informierten Kreisen zufolge werden die ACSV-Fahrgestelle vom niederländischen Verteidigungsministerium über Norwegens Vertrag mit der FFG beschafft und Rheinmetall dann quasi als „Beistellung“ zur Verfügung gestellt.
Darüber hinaus haben die Niederlande dem Unternehmen zufolge taktische Führungscontainer und Transportplattformen für den rein stationären Einsatz bestellt. Zum Lieferumfang gehören auch die Integration in die bestehende niederländische Luftverteidigungsarchitektur, stationäre Simulatoren und ein umfassendes integriertes Logistikunterstützungspaket.
Den Angaben des niederländischen Verteidigungsministeriums aus dem Januar zufolge sollen mit den neuen „Anti-Drohnen-Panzern“ vor allem die (mittel-)schweren Brigaden des niederländischen Heeres geschützt werden.
Skyranger 30
Das zentrale Element des Skyranger 30 bildet laut Hersteller die KCE-Revolverkanone im Kaliber 30 x 173 mm. Die Waffe habe ihre immense Feuerkraft und Präzision in der Erprobung unter widrigsten Wetterbedingungen bewiesen und sei in der Lage, sogenannte Air Burst Munition (ABM) zu verschießen. Die 30-mm-ABM-Technologie von Rheinmetall programmiert dem Unternehmen zufolge das Projektil beim Rohraustritt so, dass es nach einer voraus berechneten Strecke detoniert und dabei eine große Zahl von Subprojektilen aus Wolfram freisetzt, die quasi eine schnell fliegende Wolke bilden, die auch kleine Drohnen außer Gefecht setzen kann.
Eine Salve von 18 Schuss, von denen jeder 200 Gramm Subprojektile enthält, erzeugt so ein Salvengewicht von 3,6 Kilogramm. Da die einzelnen Patronen trotz modernster Fertigung mitunter leicht unterschiedliche Treibladungsmengen aufweisen, unterscheiden sich auch ihre Mündungsgeschwindigkeiten entsprechend. Würden alle Projektile so programmiert, also ob sie die gleiche theoretische Mündungsgeschwindigkeit aufweisen, könnte sich dann erhebliche Abweichungen beim gewünschten Detonationspunkt ergeben. Um dies zu vermeiden, hat Rheinmetall nach eigenen Angaben eine Technik entwickelt, mit der an der Rohrmündung zunächst die tatsächliche Geschwindigkeit gemessen wird und erst danach die Programmierung erfolgt. Das erhöht die Präzision.
Dem Vernehmen nach soll der niederländische Flugabwehrkanonenpanzer in puncto Sensorik, genauso wie die deutsche Variante des Skyranger 30, Radare des Typs SPEXER 2000M 3D MkIII von Hensoldt erhalten. Im Gegensatz zu der im Bild gezeigten Demonstrator-Turmvariante die je eine 90-Grad-Abdeckung haben, deckt jedes der Spexer-Radarpanele einen Winkelbereich von je 120 Grad ab. Somit reichen drei Panele aus, um eine 360-Grad-Luftlage zu erfassen.
Das SPEXER 2000M 3D MkIII zeichnet sich Hensoldt zufolge durch eine hohe Detektionsleistung aus, so dass die Effektoren des Flakpanzers ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können. Pro Panel können Hensoldt zufolge mehr als 300 Ziele gleichzeitig aufgeklärt und verfolgt werden. Die Detektionsfähigkeit ist sowohl für Micro-Drohnen als auch Kampfflugzeuge und Lenkflugkörper gegeben. Mit der Scan-on-the-move-Fähigkeit kann Spexer auch in der Bewegung aufklären. Das Radar arbeitet im Frequenzbereich 9,2 bis 10 GHz (X-Band) und kann je nach Einstellung Ziele in bis zu 40 Kilometern Entfernung aufklären. Neben den Spexer-Radaren verfügt der Skyranger 30 zudem über eine leistungsfähige Elektrooptik. Geliefert wird die Elektrooptik dem Vernehmen nach bislang vom britischen Unternehmen Chess Dynamics.
Über die Sekundärbewaffnung des zukünftigen niederländischen Flakpanzers ist bis dato nichts konkretes bekannt. Rheinmetall bietet das System mit unterschiedlichen Flugkörpern an. Während beispielsweise Dänemark und Ungarn den Skyranger 30 mit der Mistral 3 beschaffen wollen, plant Deutschland die Einführung des Systems mit der Stinger uns später dem DefendAIR-Flugkörper. Da die niederländischen Streitkräfte jedoch zu den Stinger-Nutzernationen gehören, gehen Beobachter davon aus, dass die niederländischen Skyranger diesen Flugkörper bekommen werden.
ACSV G5
Beim G5 handelt es sich um ein gepanzertes Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeug mit einem Höchstgewicht von 26 Tonnen, einschließlich einer Nutzlast von 8 Tonnen. FFG hat eigenen Angaben zufolge bereits bei der Entwicklung der Plattform die zukünftige Nutzung unterschiedlicher Rüstsätze berücksichtigt. Dazu ist das Heck des Fahrzeugs mit einem „Ladebett“ für verschiedene austauschbare Missionsmodule ausgestattet, das auch mit Standard-ISO-Containern von 10 Fuß Länge kompatibel ist.
Als Antrieb dient ein 6-Zylinder MTU-Motor mit 460 kW, dabei handelt es sich um ein ähnliches System wie beim Boxer, nur mit 6 anstatt 8 Zylindern. Darüber hinaus ist der G5 mit einer einteiligen Gummiband-Verbundkette von Soucy ausgestattet, die für einen vergleichsweise vibrationsarmen und leisen Vortrieb des Kettenfahrzeuges sorgt.
Die norwegischen Streitkräfte sind Pilotkunde des ACSV und haben knapp 50 der Fahrzeuge in unterschiedlichen Varianten – Materialtransport, Flugabwehr, Pionier-Variante mit Kran, Radarfahrzeug und Bergefahrzeug – bestellt. Der niederländische Bedarf liegt derzeit bei 40 Systemen, 22 davon für den Flugabwehrkanonenpanzer und 18 für den Flugabwehrraketenpanzer.
Waldemar Geiger

















