Das Deutsche Heer verfügt derzeit über rund 400 Schützenpanzer Marder sowie 400 Schützenpanzer Puma, von denen jedoch noch nicht alle bestellten Fahrzeuge an die Streitkräfte ausgeliefert worden sind. In der nächsten Dekade soll die Puma-Schützenpanzerflotte des Heeres signifikant weiter ausgebaut werden. Mit den neuen Systeme werden offenbar drei Ziele verfolgt: Ersatz der alten Schützenpanzer Marder, Grundstock für den Aufbau neuer Grenadierverbände sowie dem Aufbau einer sogenannten Umlaufreserve, mit denen längerfristig ausgefallene Fahrzeuge kurzfristig für Ausbildung, Übung und Einsatz ersetzt werden können.
Aktuelle Informationen deuten nun darauf hin, dass die Schützenpanzer-Flotte auf über 1.000 Pumas anwachsen soll. Wie das Online-Magazin Politico gestern mit Verweis auf vertrauliche Dokumente der Bundeswehr berichtete, planen die Streitkräfte die Beschaffung von 662 zusätzlichen Schützenpanzern Puma und 25 Puma-Fahrschulfahrzeugen, deren Zulauf bis 2035 erfolgen soll. Die dafür notwendigen Haushaltsmittel werden laut Politico mit Verweis auf frühere Beschaffungen auf etwa 14 Milliarden Euro geschätzt.
Gut informierte Kreise bestätigen gegenüber hartpunkt, dass die deutschen Streitkräfte derzeit Gespräche mit der Industrie bezüglich der Beschaffung von zusätzlichen Puma-Schützenpanzern führen. Dabei soll der Flottenausbau offenbar über zwei separate Verträge erfolgen.
So sieht eine vom Verteidigungsministerium an das Parlament übersandte Liste – die hartpunkt vorliegt – mit sogenannten 25-Mio-Vorlagen vor, dass bis Ende 2025 drei Vorlagen im Parlament behandelt werden sollen, die das Waffensystem Puma betreffen. Neben der Beschaffung von zusätzlichen Puma-Ausbildungssimulatoren sowie nicht näher spezifizierten Nachrüstmaßnahmen – hier könnte es sich um die Ertüchtigung der Schützenpanzer mit einer Drohnenabwehrfähigkeit handeln – möchte man sich auch Haushaltsmittel für den Abruf weiterer Pumas des 2. Loses aus dem bestehenden Rahmenvertrag freigeben lassen.
Bis jetzt haben die deutschen Streitkräfte insgesamt 350 Schützenpanzer-Puma (337 Schützenpanzer und 13 Fahrschulpanzer) des ersten Loses – die derzeit durch die Industrie auf den Rüststand S1 gebracht werden – sowie 50 Schützenpanzer-Puma des zweiten Loses (Rüststand S1) beschafft. Da der Mitte 2023 mit der PSM Projekt System & Management GmbH, einem Joint Venture der Firmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) – nun KNDS Deutschland – und Rheinmetall, geschlossene Rahmenvertrag den Abruf von bis zu 229 S1-Pumas zulässt, können aus dem Vertrag – nachdem die Industrie der Verlängerung der Bindefrist zugestimmt hat – „kurzfristig“ 179 Schützenpanzer abgerufen werden. Für die Beschaffung der 483 restlichen Schützenpanzer Puma sowie der für die Ausbildung der Kraftfahrer notwendigen Fahrschulpanzer müsste jedoch ein neuer Vertrag mit der Industrie geschlossen werden. Beobachter sind sich jedoch unsicher, ob die für das zweite Los gültigen Preise – die bereits vor Jahren kalkuliert und deren Bindefrist nunmehr über knapp ein halbes Jahrzehnt immer wieder verlängert wurde – auch für ein drittes Los realisierbar wären. Einen Vertragsschluss in 2026 halten gut informierte Kreise hingegen für möglich.
Waldemar Geiger















