Bundeswehr will 10 Milliarden Euro in Drohnenbeschaffung investieren

Waldemar Geiger

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Die Drohnentechnologie ist bereits seit längerer Zeit ein fester Bestandteil der modernen Kriegsführung. Die politischen Weichenstellungen der fruchtlosen Drohnendebatte in den 2010er Jahren führten jedoch dazu, dass die Bundeswehr einen großen Nachholbedarf auf dem Gebiet der Drohnenkriegsführung hat. Investments in den kommenden Jahren sollen diesen Umstand nun zügig ändern, so zumindest die Idee.

„In den kommenden Jahren wird Deutschland gemäß der Haushaltsaufstellungspläne zehn Milliarden Euro für Drohnen aller Art, aller Höhen, Angriffs- und Verteidigungsdrohnen investieren“, erklärte Boris Pistorius vergangene Woche am Rande des NATO-Verteidigungsministertreffens in Brüssel. Weitere Details nannte er nicht.

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Wie eine Sprecherin des BMVg sagte, besteht das 10-Milliarden-Paket aus vielen Einzelmaßnahmen. Diese befinden sich ihren Angaben zufolge gegenwärtig noch in der Abstimmung. Dabei müssten auch Projekte von EU und NATO berücksichtigt werden. Ziel sei es, die Truppe so schnell wie möglich mit hochmodernen Lösungen auszustatten. Perspektivisch solle es auch eine umfassende Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten an Drohnen geben, so die Sprecherin.

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Die Summe 10 Milliarden Euro hört sich auf den ersten Blick zwar substantiell an, die „eingebackenen“ Unschärfen in der Aussage von Pistorius und der Verweis der Sprecherin auf Berücksichtigung von Projekten der NATO und der EU dürften die „Drohnen-Euphorie“ deutlich dämpfen.

Wenn mit „Haushaltsaufstellungsplänen“ beispielsweise der Wirtschaftsplan des Bundes in der Zeitperiode 2025 bis 2029 gemeint ist, wären es durchschnittlich nur zwei Milliarden Euro pro Jahr. Auch der Verweis auf „Drohnen aller Art, aller Höhen“ lässt sich so verstehen, dass auch die Ausgaben für die teureren und großen Aufklärungsdrohnen der MALE-Klasse (Medium-Altitude, Long-Endurance) in der Summe mit enthalten sein könnten.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass in diesem Zeitraum Investments von mehreren hundert Millionen Euro in die Entwicklung der Eurodrohne geplant sind. Gleichzeitig wurde erst vor wenigen Wochen der Kauf von drei bewaffnungsfähigen MALE-Drohnen vom Typ Heron TP beschlossen, die bis 2028 der Truppe zulaufen sollen. Der Kostenrahmen rund 900 Millionen Euro.

Für Ende des Jahres steht zudem gut informierten Kreisen zufolge die Realisierung des Vorhabens „Unbemannter Anteil Seefernaufklärung“ (Maritime Airborne Warfare System -MAWS) auf dem Programm des Verteidigungsministeriums. Dabei handelt es sich dem Vernehmen nach um MALE-Aufklärungsdrohnen des Typs MQ-9B SeaGuardian für die Deutsche Marine. Im aktuellen vom Marinekommando vor wenigen Monaten veröffentlichten „Kurs Marine“ sind acht bis zwölf solcher Systeme hinterlegt, die als Ergänzung zu den Seefernaufklärern des Typs P-8A Poseidon benötigt werden. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass direkt zwölf Systeme beschafft werden, aber selbst der Kauf von drei bis vier Drohnen samt zugehöriger Ausrüstung und Kontrollstationen dürfte mehrere hundert Millionen Euro kosten.

Sollten diese Systeme tatsächlich in der Rechnung von Pistorius enthalten sein, wäre der „Investitionsrahmen“ für die neue, im Ukraine-Krieg zu beobachtende Art der Drohnentechnologie, rund zwei Milliarden Euro geringer.

Gleichwohl sind für die Beschaffung von sogenannten Stirke-Drohnen bzw. Loitering Munition im 2025er Haushalt 150 Millionen Euro im Rahmen des Vorhabens „Anfangsbefähigung KI-optimierter Aufklärungs- und Wirkungsverbund Landes- und Bündnisverteidigung“ hinterlegt, hartpunkt berichtete. Die Summe soll gut informierten Kreisen zufolge zu gleichen Teilen zwischen den drei deutschen Anbietern Helsing, Rheinmetall und STARK aufgeteilt werden. Der Umstand, dass diese 150 Millionen nur für den Aufbau einer Anfangsbefähigung für die in Litauen im Aufbau befindliche Panzerbrigade 45 vorgesehen sind, lässt erahnen, dass alleine die Vollausstattung aller Heeresverbände mit solchen Wirkmitteln mehrere Milliarden Euro kosten dürfte.

Zu weiteren in den nächsten Wochen und Monaten geplanten Drohnenbeschaffungen, die ebenfalls Bestandteil von Pistorius-Rechnung sein dürften,  gehört die angestrebte breite Nutzerkreiserweiterung des Aufklärungssystems FALKE sowie die Beschaffung der Aufklärungsdrohne TWISTER als Nachfolge für die ALADIN-Drohne. Auch die Folgebeschaffung der sogenannten Larus-Drohne, einer kleinen Aufklärungsdrohne für das Kommando Spezialkräfte der Marine, steht ebenfalls noch 2025 auf dem Programm.

Die aufgeführten Maßnahmen sind zwar ein Start zur Erlangung einer querschnittlichen Drohnenkriegsfähigkeit der Bundeswehr, sie sind jedoch weit von einem Zielzustand entfernt. Zur Erreichung dieses Zielzustandes werden die ins Schaufenster gestellten zehn Milliarden Euro deutlich zu unterambitioniert sein. Hier dürfte auf Seiten der Bundeswehr kurzfristig ein deutlich höherer Investitionsbedarf bestehen.

Waldemar Geiger