Initiative zur zur Stiftung eines Wehrdienst-Ehrenzeichens

Philipp Wabnig

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Die Bundesrepublik Deutschland steht angesichts wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen vor der Aufgabe, den Dienst in der Bundeswehr sichtbarer zu würdigen. Während es bereits Ehrenkreuze und Einsatzmedaillen für besondere Leistungen oder Auslandseinsätze gibt, fehlt bislang ein Ehrenzeichen, das den reinen Wehrdienst und die damit verbundene Treue in angemessener Form ehrt.

Diese Anregung schlägt daher die Stiftung eines Wehrdienst-Ehrenzeichens vor, das in vier Stufen die Dauer und Verbindlichkeit desgeleisteten Dienstes sichtbar macht. Dazu wurden eine Internetseite, eine Petition, sowie ein Instagram Account erstellt:

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Ein solches Ehrenzeichen hätte nicht nur symbolischen, sondern auch praktischen Wert. Es würde die Bedeutung des Wehrdienstes in einer Zeit hervorheben, in der Verteidigungsbereitschaft und gesellschaftlicher Rückhalt für die Truppe entscheidender sind als jemals zuvor.

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Historischer und internationaler Hintergrund

Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren existierten Entwürfe für ein Treuedienstehrenzeichen oder eine Wehrdienstmedaille. Diese Ideen wurden jedoch nicht umgesetzt, während andere Auszeichnungen wie Ehrenkreuze oder Einsatzmedaillen in den 1980er-Jahren eingeführt wurden. Sie sind aber stets an besondere Verdienste, Tapferkeit oder Auslandseinsätze gebunden und nicht an die reine Tatsache der geleisteten Dienstzeit. In fast ausnahmslos allen Partnerarmeen – etwa in den USA, Frankreich, Großbritannien oder Österreich – ist es hingegen selbstverständlich, zeitbasierte Medaillen zu verleihen. Diese Auszeichnungen wirken identitätsstiftend und verdeutlichen den Stellenwert des Militärs in der Gesellschaft. Sie sind sichtbare Symbole der Anerkennung, die Soldaten auch nach ihrem Ausscheiden begleiten. Deutschland ist hier bislang eine Ausnahme geblieben. Die Einführung eines Wehrdienst-Ehrenzeichens würde somit nicht nur eine Lücke schließen, sondern auch die Bundeswehr stärker in den europäischen und transatlantischen Kontext einbetten.

Sicherheitspolitischer Kontext

Die sicherheitspolitische Lage hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat gezeigt, wie fragil die Sicherheitsordnung Europas ist. Deutschland plant, die Bundeswehr deutlich zu vergrößern und ihre Rolle als stärkste konventionelle Armee Europas auszubauen. Dafür müssen Freiwillige gewonnen und langfristig gebunden werden. Finanzielle Anreize allein reichen nicht aus. Junge Menschen suchen auch nach Symbolen, nach sichtbarer gesellschaftlicher Anerkennung. Hier setzt das Wehrdienst-Ehrenzeichen an: Es verdeutlicht, dass Wehrdienst keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein wertvoller Beitrag zur Sicherung von Frieden, Freiheit und Demokratie. Gerade in einer Gesellschaft, in der Wehrpflicht und Dienstbereitschaft nicht mehr selbstverständlich sind, würde das Wehrdienst-Ehrenzeichen die Bedeutung des Soldatendienstes wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Es macht Leistungen sichtbar, die bislang unsichtbar blieben, und stärkt damit auch das Vertrauen zwischen Soldaten und Gesellschaft.

Unterscheidung zum Veteranenabzeichen

Das Veteranenabzeichen ist eine bereits bestehende Auszeichnung, die allen ehemaligen Soldaten verliehen wird. Es soll ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass man Teil der Bundeswehr war. Allerdings darf es ausschließlich an Zivilkleidung getragen werden, wodurch es für aktive Soldaten und Reservisten wenig attraktiv ist. Darüber hinaus macht es keine Angaben zur Dauer oder Art des geleisteten Dienstes. Ein Soldat mit drei Monaten Grundausbildung erhält dasselbe Veteranenabzeichen wie ein Berufssoldat mit jahrzehntelanger Laufbahn. Diese Unschärfe führt zu Enttäuschung in der Truppe. Inoffizielle Bandschnallen, die im Internet erhältlich sind, werden immer häufiger von Soldaten/Reservisten getragen – ein deutliches Zeichen, dass das Bedürfnis nach einer echten, an der Uniform sichtbaren Auszeichnung groß ist. Das Wehrdienst-Ehrenzeichen würde hier eine klare Abhilfe schaffen.

: Gestaltungsvorschläge von links nach rechts: Grundstufe, Stufen Bronze, Silber und Gold
Gestaltungsvorschläge von links nach rechts: Grundstufe, Stufen Bronze, Silber und Gold (Bild: Philipp Wabnig)

Es soll sowohl in Uniform als auch in Zivil getragen werden dürfen und ist in vier Stufen unterteilt, die den zeitlichen Umfang des Dienstes widerspiegeln: eine Grundstufe nach abgeleistetem Wehrdienst, Bronze nach sechs Jahren, Silber nach zwölf Jahren und Gold nach 25 Jahren. Damit wird auf einen Blick sichtbar, welche Bindung und Treue ein Soldat seinem Land erwiesen hat. Das Veteranenabzeichen bleibt weiterhin sinnvoll, vor allem als allgemeines Erinnerungszeichen im zivilen Alltag. Das Wehrdienst-Ehrenzeichen ergänzt es jedoch um eine konkrete, differenzierte und prestigeträchtige Auszeichnung, die gerade für aktive Soldaten und Reservisten von hoher Bedeutung ist.

Gestaltungsvorschläge Rückseiten von links nach rechts, Grundstufe, Bronze, Silber, Gold
Gestaltungsvorschläge Rückseiten von links nach rechts, Grundstufe, Bronze, Silber, Gold (Bild: Philipp Wabnig)

Gestaltung und Bedeutung

Die geplante Gestaltung verbindet traditionelle Elemente deutscher Phaleristik mit klarer moderner Symbolik. Eiserne Kreuze oder der Bundesadler, eingerahmt von Eichenlaub, bilden die zentralen Motive. Die Abstufungen in Bronze, Silber und Gold orientieren sich an etablierten Mustern der Bundeswehr, wodurch das Ehrenzeichen in die bestehende Ehrenordnung eingebettet wird. Symbolisch steht die Farbe Blau für Treue und Beständigkeit, während die Nationalfarben auf den Ordensbändern die Verbindung zum demokratischen Rechtsstaat betonen. Durch die klare Abstufung wird die persönliche Leistung individuell sichtbar, ohne andere Auszeichnungen wie Einsatzmedaillen oder Ehrenkreuze zu verdrängen.

Fazit

Das Wehrdienst-Ehrenzeichen ist ein überfälliger Schritt, um die Bundeswehr in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu stärken. Es würdigt den Wehrdienst als Grundlage der Verteidigungsbereitschaft und schafft ein sichtbares Zeichen staatlicher Anerkennung. Während das Veteranenabzeichen nur eine allgemeine Zugehörigkeit markiert, macht das Wehrdienst-Ehrenzeichen die Dauer und Treue des Dienstes sichtbar. Es würde Soldaten und Reservisten, die ihren Dienst ehrenhaft geleistet haben, aber keine besondere Auszeichnung erhalten konnten, ein würdiges Zeichen des Dankes verleihen. Zugleich dient es als Motivation für junge Menschen, sich langfristig zu verpflichten und die Bindung zur Truppe zu vertiefen. In einer Zeit, in der Deutschland sicherheitspolitisch stärker Verantwortung übernehmen muss, setzt die Einführung eines Wehrdienst-Ehrenzeichens ein klares Signal: Wer bereit ist, Deutschland zu dienen, verdient sichtbare Anerkennung und Dankbarkeit – in Uniform und in der Gesellschaft. Nicht nur finanziell, sondern auch materiell mit hohem ideellen Wert.

Gastautor: Philipp Wabnig