Die deutschen Streitkräfte sollen Ende August die ersten Serienfahrzeuge der Luftlandeplattform Caracal erhalten. Dies bestätigte der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall auf Nachfrage von hartpunkt. Dem Unternehmen zufolge wurde am 30. Juni 2026 mit der Serienproduktion der Fahrzeuge begonnen.
Gut informierten Kreisen zufolge sollen die ersten Systeme an spezialisierte Verbände sowie die Spezialkräfte der Bundeswehr gehen. Ursprünglich war die Auslieferung der Fahrzeuge dem Vernehmen nach für November 2025 vorgesehen.
Deutschland und die Niederlande haben 2022 entschieden, den Fahrzeugfuhrpark ihrer Luftlandetruppen gemeinsam zu ersetzen. Deutschland fungiert in diesem binationalen Projekt mit der Niederlande als federführende Nation und Vertragspartner mit der Industrie Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hatte dazu im Juli 2023 mit Rheinmetall eine Rahmenvereinbarung zur Herstellung und Lieferung von bis zu 3.058 Fahrzeugen – in den Varianten Fahrzeug für den Personen-, Gruppen- und Materialtransport sowie Sanitätsfahrzeug – vom Typ Caracal für die deutschen und niederländischen Streitkräfte geschlossen. In einem ersten Schritt wurden aus dem Rahmenvertrag 1.508 Fahrzeuge – 1.004 für Deutschland und 504 für die Niederlande – fest bestellt. Aktuell befindet sich das Fahrzeug dem Vernehmen nach auch in Österreich und Großbritannien im Wettbewerb.
Die deutschen und niederländischen Fahrzeuge werden mit demselben Fahrwerk, Antriebsstrang und Chassis ausgestattet, was logistische Vorteile in der Nutzungsphase bietet. Die Rüstsätze werden sich jedoch aufgrund der Berücksichtigung besonderer nationaler Forderungen voneinander unterscheiden.
Die Bundeswehr plant hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge insgesamt 2.054 Fahrzeuge in den vier Grundvarianten zu beschaffen, wovon jedoch nur 1.004 Systeme in den Grundvarianten Personal-/Materialtransport (Variante 1) und Sanitätsfahrzeug (Variante 2) fest beauftragt wurde, die restlichen Fahrzeuge sowie Varianten 3 und 4 (eine davon ist eine 6×6-Variante des Fahrzeuges) sind Bestandteil einer noch nicht ausgelösten Option in der Rahmenvereinbarung. Die Kosten für die Festbestellung aus dem Jahr 2023 belaufen sich dem Vernehmen nach auf 832 Millionen Euro (Fahrzeuge) sowie 566 Millionen Euro (Führungs- und Sanitätsausrüstung). Fünf der bestellten Fahrzeuge sind Erprobungsmuster, von den 999 Serienfahrzeugen sollen 884 Fahrzeuge in der Variante 1 – von der es zehn Untervarianten geben wird – sowie 115 Fahrzeuge in der Variante 2 geordert werden. Die Untervarianten sind Personaltransport, Gefechtsstandfahrzeug, Führungsunterstützungsfahrzeug, Spähfahrzeug, Fernspähfahrzeug (siehe Titelbild), Instandsetzungsfahrzeug, Joint-Fire-Support-Team-Fahrzeug, Joint-Fire-Support-Coordination-Team-Fahrzeug, Combat-Contral-Team-Fahrzeug sowie Diensthundeführerfahrzeug. Alle Varianten (1-4) sind innenlastfähig in einem Hubschrauber des Typs CH-47F und verfügen über einen Motor mit der Euro-3-Emissionsklasse, damit sie auch mit im Einsatz potenziell nur zur Verfügung stehendem minderwertigen Diesel betrieben werden können.
Der Caracal ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen Rheinmetall, der Mercedes-Benz AG und der Armoured Car Systems GmbH. Die Arbeitsteilung sieht vor, dass ACS die Bodenbaugruppen inklusive des modularen Aufbaus fertigt und diese dann an Mercedes-Benz übergibt, wo diese dann im Anschluss mit einem G-Klasse-Antriebsstrang „verheiratet“ werden und im Anschluss an Rheinmetall für den Endausbau übergeben werden.
Die Luftlande-Fahrzeugfamilie Caracal basiert auf dem neuen G-Klasse-Fahrgestell der Baureihe 464. Der Caracal ist mit einem Sechszylinder-183-kW-Dieselmotor (249 PS) Euro 3 ausgestattet, welcher das Fahrzeug auf bis zu 130 km/h beschleunigen kann und ein Drehmoment von 600 Nm entwickelt. Mit 4,35 m Länge, 1,81 m Breite und 1,85 m Höhe zählt das Fahrzeug zu den kompaktesten Plattformen seiner Klasse. In Verbindung mit dem 4×4-Allradantrieb verfügt der Caracal über eine hohe Geländegängigkeit, die es dem Fahrzeug erlaubt, Steigungen von bis zu 60 Prozent zu erklimmen. Die Kletterfähigkeit beträgt 33 Zentimeter, die Grabenüberschreitfähigkeit 50 Zentimeter.
Das Fahrzeug ist so konzipiert, dass es bei Bedarf mit adaptiven, modularen Schutzelementen ausgestattet werden kann. Die Bewaffnung des Fahrzeuges erfolgt über eine Drehringlafette auf dem Dach, die unterschiedliche schwere Maschinenwaffen aufnehmen kann, sowie eine Beifahrerlafette, die für die Aufnahme von Maschinengewehren vorgesehen ist.
Waldemar Geiger


















