Bau von Tankern und Zerstörern – US-Marine nimmt südkoreanische Werften in Blick

Ethan Gossrow

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In einem historischen Schritt, der ein 80-jähriges Verbot des Baus von Kriegsschiffen im Ausland beenden könnte, hat die US-Marine offiziell zwei Informationsanfragen (Requests for Information; RFIs) an große südkoreanische Werften gerichtet, um deren Kapazitäten für den Bau amerikanischer Zerstörer und Flottentanker zu prüfen.

Nach ersten Berichten der südkoreanischen Yonhap News kann die hartpunkt-Partnerseite Naval News bestätigen, dass die USA zwei RFIs an koreanische Werften gerichtet haben: eine betrifft den Bau von Hilfsschiffen, insbesondere von mittelgroßen Treibstofftankern zur Flottenversorgung, und eine weitere betrifft insbesondere Überwasserkampfschiffe in der Größe von Zerstörern. Diese RFIs deuten darauf hin, dass die US-Regierung ernsthafte Anstrengungen unternimmt, um den Bau von Schiffen für die US-Marine im Ausland umzusetzen.

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Bemerkenswert ist, dass drei Unternehmen auf die Anfragen geantwortet haben: Hanwha Ocean und HD Hyundai Heavy Industries haben Angebote sowohl für den Tanker- als auch für den Zerstörer-Auftrag eingereicht, während Samsung Heavy Industries ausschließlich auf den Auftrag für die Flottenversorgungsschiffe reagiert hat.

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Sowohl Hanwha Ocean als auch HD Hyundai Heavy Industries verfügen über Erfahrung im Bau der rund 8.500 Tonnen verdrängenden Aegis-Zerstörer der „Sejong the Great“-Klasse, die den bei der US-Marine – einem weiteren Nutzer des Aegis-Kampfsystems – im Einsatz befindlichen Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse bemerkenswert ähnlich sind. Diese Werften bauten zudem Fregatten, unter anderem für Exportkunden wie Peru und die Philippinen, sowie Zerstörer der „Chungmugong Yi Sun-sin“-Klasse.

Sollten diese RFIs zu einem Auftrag der US-Marine führen, würden die ersten im Ausland gebauten bzw. entworfenen Kampfschiffe seit 1947 in den Dienst der U.S. Navy gestellt werden; die fast 80-jährige Lücke resultiert aus dem Ausscheiden der letzten, in Großbritannien entworfenen Kreuzer der New-Orleans-Klasse nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem wurden alle Kampfschiffe der US-Marine und der überwiegende Teil der Hilfsflotte in den Vereinigten Staaten entworfen und gebaut.

Die Chance, die US-Streitkräfte zu beliefern, ist wahrscheinlich das Ergebnis mehrerer Investitionen koreanischer Werften in die US-Industrie, darunter 150 Milliarden Dollar, die Südkorea im Rahmen eines gemeinsamen Finanzierungsrahmens für den zivilen Schiffbausektor zugesagt hat. Hanwha hat zudem die Philly Shipyard aufgekauft und trägt damit zur Produktion von Handels- und Ausbildungsschiffen für die USA bei; außerdem besteht eine Partnerschaft mit Vard U.S. Marine als Subunternehmer für die Konstruktionsarbeiten am „Next Generation Logistics Ship“.

Der National Defense Authorization Act (NDAA) von 2027, der von der Marine veröffentlichte 5-Jahres-Schiffbauplan sowie der Haushalt für das Fiskaljahr 2027 enthielten allesamt Hinweise darauf, im Ausland gebaute Schiffe in der Marine zuzulassen, wobei diese RFI den ersten großen Schritt darstellt.

Damit diese Politik jedoch tatsächlich zur Beschaffung von Schiffen führt, muss der Kongress eine Ausnahmegenehmigung aus Gründen der nationalen Sicherheit erteilen und die beantragten Mittel bewilligen, wobei zumindest mit einem gewissen Widerstand zu rechnen ist. Zudem ist derzeit noch unklar, ob es sich hierbei um eine dauerhafte politische Änderung handelt, insbesondere angesichts der jüngsten massiven Bemühungen zur Modernisierung der Werftindustrie und der Finanzmittel, die in die amerikanische maritime Industriebasis fließen.

Autor: Ethan Gossrow ist ein freiberuflicher Autor aus Washington D.C. mit dem Fokus auf Entwicklungen der US-Marine. Der Artikel erschien erstmalig am 10.07.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.