Der norddeutsche Panzerbauer Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) wird im Rahmen der nächste Woche in London stattfindenden Rüstungsmesse DSEI erstmals eine Panzermörser-Variante des ACSV G5 (Armoured Combat Support Vehicle) öffentlich vorstellen.
Wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt, integriert diese neue Variante des mehrrollenfähigen, gepanzerten Unterstützungsfahrzeugs ein 120mm-Mörsersystem samt Feuerleitanlage und Subsysteme, die effektiv zur Feuerunterstützung der Infanterie eingesetzt werden können.
Weitere Details zu dem Mörsermodul werden in der Pressemitteilung nicht genannt, gleichwohl sind auf dem beigefügten Bild mehrere weitere Aspekte des neuesten FFG-Missionsmoduls für den ACSV G5 erkennbar.
Ragnarok-Missionsmodul
Das Missionsmodul ist erkennbar auf einer Basis für einen10-Fuß-Standard-ISO-Container aufgebaut. Diese Lösung erlaubt es Fahrzeug und Modul unabhängig voneinander nutzen zu können. Sichtbar sind zudem zwei Dachluken, die sich über die gesamte Fläche des Missionsmoduls zu den Seiten aufklappen lassen.
Das Bild zeigt zudem ein 120mm-Mörsersystem, der sich anhand der sichtbaren Merkmale eindeutig als Ragnarok identifizieren lässt. Rheinmetall Norwegen hat den Ragnarok, auch unter der Bezeichnung Mortar Weapon Systems 120 bzw. MWS120 bekannt, erstmals 2019 auf der DSEI der Öffentlichkeit vorgestellt. Das manuell geladene und vollelektrische System mit mechanischer Übertragung ermöglicht eine Schussrate von 18 bis 20 Schuss pro Minute. Die Ausrichtung der Waffenanlage erfolgt automatisch. Das Systemgewicht beträgt knapp eine Tonne. Die Nutzung moderner Rückstoßtechnologien erlaubt die Integration des Systems in eine breite Palette an Fahrzeugplattformen. Neben Kettenfahrzeugen und schwereren 8×8-Fahrzeugen ist somit auch eine Nutzung in 6×6- und 4×4-Fahrzeugen möglich. Ob die im ACSV verbaute Variante des Ragnarok ebenfalls manuell geladen wird oder über einen Lademechanismus verfügt, ist aus dem Bild nicht eindeutig erkennbar.
Bei der Entwicklung des Ragnarok standen nach Angaben des Herstellers eine möglichst hohe Feuerrate sowie Modularität bei einem möglichst geringen Preis im Vordergrund. Daher hat man auf einen automatischen Lademechanismus verzichtet und das System so ausgelegt, dass fast jedes in Nutzung befindliche 120-mm-Rohr (glatt und gezogen) weiterverwendet werden kann. Das Mörsersystem wird optional ohne eigenständiges Feuerleitsystem angeboten, um auch hier eine Weiternutzung eingeführter Systeme zu ermöglichen. Nach Angaben von Rheinmetall ist eine Integration aufgrund der Modularität des MWS120 recht einfach möglich. Das System wurde bereits erfolgreich in das 4×4-Fahrzeug Gidran (April 2022) sowie den 8×8-Boxer (September 2022) integriert und potenziellen Kunden im scharfen Schuss vorgeführt. Ende 2022 folgte auch die Integration derselben Waffenanlage auf einen Anhänger. Die Vorführung im scharfen Schuss folgte im Winter 2022/2023. Auf dem ACSV G5 ist das Waffensystem nun erstmalig auf einer Kettenplattform integriert worden.
ACSV G5
Bei dem ACSV G5 handelt es sich um ein gepanzertes Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeug mit einem Höchstgewicht von 26 Tonnen, einschließlich einer Nutzlast von 8 Tonnen. FFG hat eigenen Angaben zufolge bereits bei der Entwicklung der Plattform die zukünftige Nutzung unterschiedlicher Rüstsätze berücksichtigt. Dazu ist das Heck des Fahrzeugs mit einem „Ladebett“ für verschiedene austauschbare Missionsmodule ausgestattet, das auch mit Standard-ISO-Containern von 10 Fuß Länge kompatibel ist.
Als Antrieb dient ein 6-Zylinder MTU-Motor mit 460 kW, dabei handelt es sich um ein ähnliches System wie beim Boxer, nur mit 6 anstatt 8 Zylindern. Darüber hinaus ist der G5 mit einer einteiligen Gummiband-Verbundkette von Soucy ausgestattet, die für einen vergleichsweise vibrationsarmen und leisen Vortrieb des Kettenfahrzeuges sorgt.
Die norwegischen Streitkräfte sind Pilotkunde des ACSV und haben knapp 50 der Fahrzeuge in unterschiedlichen Varianten – Materialtransport, Flugabwehr, Pionier-Variante mit Kran, Radarfahrzeug und Bergefahrzeug – bestellt. Zudem werden auch Flugabwehrsysteme der niederländischen Streitkräfte auf Basis des ACSV realisiert. Der niederländische Bedarf liegt derzeit bei 40 Systemen, 22 davon für den Flugabwehrkanonenpanzer und 18 für den Flugabwehrraketenpanzer. Dem Vernehmen nach sind aber auch weitere NATO-Nationen an der Einführung des von FFG entwickelten Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeuges interessiert.
Waldemar Geiger

















