Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall kündigt an, sein derzeit in der Entwicklung befindliches Flugabwehrsystem „Skyranger 35” erstmals auf einem Lynx-KF41-Fahrgestell nächste Woche im Rahmen der Rüstungsmesse DSEI vorstellen zu wollen. Das als „Lynx KF41 Skyranger 35“ bezeichnete Gefechtsfahrzeug soll Rheinmetall zufolge „ein hochmobiles, modulares bodengebundenes Flugabwehrsystem für die NATO-Landes- und Bündnisverteidigung“ darstellen.
Der Skyranger 35 sei früheren Angaben des Rheinmetall-CEOs Armin Papperger zufolge ein „Game Changer“ bei der Abwehr von Unmanned Aerial Vehicles (UAV).Das Waffensystem sei in der Lage, Artilleriegranaten und Drohnen abzuschießen und könne an den Brennpunkten der Front eingesetzt werden. Die Reichweite des Systems erlaube es, einen Korridor von etwa acht Kilometern zu sichern. Nach Aussage von Papperger könnten mit dem Skyranger Drohnen leicht abgefangen werden. Es spiele dabei keine Rolle, ob es sich um eine intelligente oder eine dumme Drohne handele, weil es für das System keine Rolle spiele.
Mit seiner Oerlikon Revolver-Kanone KDG im Kaliber 35 x 228 mm kann das Waffensystem Air-Burst-Munition verschießen. Die nominale Feuergeschwindigkeit beträgt 1.000 Schuss pro Minute, das Magazin fasst 252 Schuss.
Der erstmals im vergangenen September in der Schweiz öffentlich gezeigte Turm, der offenbar wesentliche Elemente des seinerzeit für den stationären Einsatz bei der Bundeswehr eingeführten Mantis-Systems aufweist, verfügte über vier AESA-Antennen im S-Band, die jeweils 90 Grad abdecken. Auf dem Turmdach befand sich ein Ku-Band-Feuerleitradar sowie ein elektrooptisches Paket. Beim kleineren Skyranger 30 wird die Aufgabe des Feuerleitradars durch einen elektro-optischen Sensor übernommen. Damit dürfte der Skyranger 35 leistungsfähiger sein.
Das leistungsstärkere Kaliber des Skyranger 35 dürfte zudem die effektive Bekämpfungsreichweite gegen Luftziele im Vergleich zum Skyranger 30 von 3.500 m auf rund 4.000 m erhöhen.
Lynx KF41
Angetrieben wird das über 40 Tonnen schwere Fahrzeug von einem 1.140 PS starken 12-Zylinder-Dieselmotor des Typs D9612 von Liebherr und einem Getriebe von Renk.
Rheinmetall hatte den Lynx KF41 erstmalig im Juni 2018 im Rahmen der Eurosatory in Paris öffentlich vorgestellt. Bis dato hat sich nur Ungarn dazu entschieden, Schützenpanzer auf dieser Plattform für die eigenen Streitkräfte zu beschaffen. Das ungarische Verteidigungsministerium hatte Rheinmetall im September 2020 mit der Lieferung von Lynx-Schützenpanzern und dazugehörigen Leistungen im Wert von über zwei Milliarden Euro beauftragt. Die zukünftigen Fahrzeuge werden neben den bestehenden Lynx-Schützenpanzer- und Führungspanzer-Varianten weitere Varianten umfassen: Neben diesen beiden Varianten wollen die Ungarn auch eine Aufklärungsvariante, ein Mörserfahrzeug, ein Zielaufklärungsfahrzeug, eine Medevac-Variante und schließlich ein Fahrerschulfahrzeug auf Basis der Lynx-KF41-Variante einführen. Ungarn arbeitet zudem an der Entwicklung einer neuen Variante des Lynx, die mit dem Skyranger-30-Turm von Rheinmetall bewaffnet ist, der 2023 im Rahmen eines Entwicklungsvertrags beauftragt wurde.
Neben Ungarn möchte zudem auch Italien rund 1.050 Exemplare des Schützenpanzers Lynx und darauf aufbauende Varianten (5 unterschiedliche Varianten – darunter auch ein Flugabwehrkanonenpanzer – die 16 verschiedene Rollen erfüllen sollen) beschaffen, hartpunkt berichtete.
Waldemar Geiger
















