Russlands Flottenwandel: Offensive Überwasserdrohnen und ihre Rolle in der Ostsee

Frederik Van Lokeren

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Die russische Marine hat kürzlich eine flottweite Marineübung namens „Juli-Sturm“ durchgeführt, an der mit Ausnahme der Kräfte im Schwarzen Meer alle Flotten teilnahmen. Die Übung fand vom 23. bis 27. Juli statt und umfasste ein besonders bemerkenswertes Ereignis, bei dem zwei neue russische unbemannte Wasserfahrzeuge (USV) eingesetzt wurden, die ein schwimmendes Seeziel angriffen und zerstörten.

Dieses Ereignis zeigt, dass die russische Marine mit dem Einsatz von USVs in ihrem Marinearsenal experimentiert und prüft, wie diese neuen Waffensysteme in ihre Marine-Doktrin integriert werden können. Wenn sie richtig entwickelt und eingesetzt werden, könnten diese neuen USV der russischen Marine eine potente Fähigkeit zum Kampf gegen westliche Kriegsschiffe verschaffen, insbesondere in geographisch begrenzten Gewässern wie der Ostsee.

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Beobachtungen aus dem russisch-ukrainischen Krieg

Die russische Marine, genauer gesagt ihre Schwarzmeerflotte, war Ziel einer gezielten ukrainischen Marineoffensive, bei der unbemannte Überwasserfahrzeuge und Marschflugkörper zum Einsatz kamen. Infolge dieser Angriffe wurden mehrere Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte beschädigt und zerstört, die Flotte selbst wurde gezwungen aus ihren Stützpunkten auf der Krim abzuziehen und in den Marinestützpunkt Noworossijsk im Süden Russlands auszuweichen.

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Die Ukraine hat in der Vergangenheit die russische Flotte im Hafen von Noworossijsk angegriffen und damit gezeigt, dass ukrainische USVs die Reichweite haben, um diesen Stützpunkt von der Westküste der Ukraine aus zu erreichen, während die Ukraine weiterhin in der Lage ist, ihre Drohnenangriffe zu koordinieren, sobald die USVs Noworossijsk erreicht haben. So beschädigten ukrainische USV im Rahmen eines Angriffs am 4. August 2023 beispielsweise das Landungsschiff der Ropucha-Klasse „Olenegorsky Gornyak“, während es sich in der Bucht von Noworossijsk befand. Das Schiff wurde später in ein Trockendock geschleppt und repariert.

Die russische Schwarzmeerflotte fand innerhalb des Hafens von Noworossijsk offenbar einen gewissen Schutz, da die ukrainischen USV-Angriffe in dieser Region abnahmen und sich stattdessen darauf konzentrierten, die russischen Marinebewegungen zwischen Südrussland und der Krim zu unterbinden. Am 31. Januar 2024 versenkten ukrainische USV das Raketenboot der Tarantul-Klasse „Iwanowets“ in der Donuzlav-See auf der Westseite der Krim. Dieser Angriff wurde 15 Tage später fortgesetzt, als weitere USV am 15. Februar das Landungsschiff der Ropucha-Klasse „Czesar Kunikow“ südlich der Krim versenkten. Am 5. März wurde zudem das russische Patrouillenschiff der Bykow-Klasse „Sergey Kotow“ von ukrainischen USV in der Nähe des Hafens von Feodosia am östlichen Ende der Krim versenkt.

Die Seekampagne der Ukraine hat gezeigt, dass USV-Angriffe gegen konventionelle Kriegsschiffe äußerst erfolgreich sein können und hat hierdurch Russland gezwungen abzuwegen, wie es seine Schiffe am besten vor solchen Angriffen schützen kann. Die Auswertung der Seekampagne der Ukraine zeigt, dass die USV-Angriffe der Ukraine am erfolgreichsten waren, wenn sie auf einzeln operierende russische Kriegsschiffe abzielten. Angriffe auf eine große Formation von Kriegsschiffen erwiesen sich als weniger erfolgreich, da die russischen Kriegsschiffe ihre Abwehr koordinieren konnten und es den ukrainischen USV-Operatoren erschwerten, eine Lücke zu finden, um ihre Angriffe durchzusetzen. Dies erklärt vielleicht, warum die Schwarzmeerflotte in ihrem Marinestützpunkt in Noworossijsk relativ sicher war, da sie ihre Marineverteidigung ausreichend konzentrieren konnte, um ukrainische Drohnenangriffe abzuwehren.

Russlands Umstellung von Verteidigung auf Angriff

In den letzten zwei Jahren konzentrierte sich Russland im Hinblick auf USV-Einsätze ausschließlich darauf, wie man sich gegen diese verteidigen kann. Übungen mit eigenen USV dienten dazu, die russische Marine darin zu schulen, wie sie ihre Stützpunkte und Kriegsschiffe auf See oder vor Anker verteidigen kann. Bei diesen Übungen setzte Russland USV ein, die denen nachempfunden waren, die von den ukrainischen Streitkräften verwendet werden. Möglicherweise hat Russland während dieser Übungen die ukrainischen USV und Taktiken nachgebildet, sodass die russische Marine auf ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus dem Schwarzen Meer zurückgreifen und dieses auf ihre anderen Flotten übertragen konnten.

Es ist denkbar, dass sich solche Übungen im Laufe der Zeit gewandelt haben und Russland neue Taktiken beim Einsatz von USV ausprobiert, nachdem es während dieser Marineübungen mehr Erfahrung im offensiven Einsatz von unbemannten Überwassersystemen gesammelt hat. Daher könnte Russland seine derzeitige Herangehensweise verändern und USVs nicht mehr nur als Trainingssystem, sondern als offensive Waffenplattform einsetzen. Eine solche Verlagerung würde die Offensivfähigkeiten der russischen Marine nicht nur durch das Hinzufügen eines neuen Waffensystems, sondern auch durch neue Fähigkeiten und Methoden zum Angriff auf feindliche Schiffe erhöhen.

Die Marineübung Juli-Sturm endete damit, dass Russland den Einsatz von zwei neuen USV-Typen in einer offensiven Rolle demonstrierte. Marineexperte H. I. Sutton stellte fest, dass diese beiden neu eingesetzten USV der russischen Marine ein neues Design aufweisen, das sich von denen unterscheidet, die zuvor bei den ukrainischen Streitkräften und der russischen Marine beobachtet wurden. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Russland nun ernsthaft damit beginnt, eigene offensive USV-Fähigkeiten aufzubauen.

Implikationen für die NATO

Die ukrainische Seekampagne, die im Schwarzen Meer erfolgreich war, fand in einer Meeresregion mit einem einzigen Zugangspunkt statt, wodurch die Bewegung von Seestreitkräften in diese Region und aus dieser Region heraus eingeschränkt war. Ukrainische Seedrohnen operierten im Allgemeinen in Entfernungen von bis zu 600 und 700 Kilometern von den von der Ukraine kontrollierten Küsten in der Westukraine entfernt.

Ähnliche Bedingungen herrschen in der Ostsee, die ebenfalls ein geographisch begrenztes Seegebiet ist, wobei die dänischen Meerengen das Areal darstellt, in dem Schiffe ein- und auslaufen können. Innerhalb der Ostsee nimmt die russische Enklave Kaliningrad eine zentrale Lage ein. Unter Nutzung der vorhandenen USV-Technologie und Konstruktionen könnten russische USV, die von Kaliningrad aus über eine Entfernung von 600 bis 700 Kilometern eingesetzt werden, die dänischen Meerengen sowie die Einfahrt zum Finnischen Meerbusen erreichen, der nach Sankt Petersburg, der zweitgrößten Stadt und dem Wirtschaftszentrum Russlands führt.

In der Ostsee ist die Baltische Flotte der russischen Marine gegenüber den verfügbaren NATO-Seestreitkräften der Ostseeanrainerstaaten zahlenmäßig stark unterlegen. Die Baltische Flotte operiert zudem größtenteils von Kaliningrad aus, einem exponierten Standort, der von Nachbarländern, die Teil der NATO sind, umgeben und isoliert ist. Es ist nicht zu erwarten, dass die Baltische Flotte in der aktuellen Situation angesichts der überlegenen, direkt verfügbaren NATO-Streitkräfte in der Ostseeregion nennenswerten Widerstand leisten könnte.

Daher könnten UGVs eine Verstärkung für die russische Baltische Flotte darstellen, ihre Offensivfähigkeiten erhöhen und das derzeitige Kräfteverhältnis auf See beeinflussen. Russische USV-Angriffe würden Druck auf die NATO-Seestreitkräfte in der Ostsee ausüben und die NATO zwingen, robuste Verteidigungsmaßnahmen gegen koordinierte russische USV-Angriffe im Falle eines Krieges zwischen Russland und der NATO zu entwickeln. So könnte Russland die NATO-Seestreitkräfte durch den Einsatz von USV-Angriffen stärker in die Defensive drängen und damit die Seekampagne in der Ostsee verlängern.

Allerdings wären die NATO-Seestreitkräfte im Falle einer russischen Offensive mit USV nicht völlig wehrlos. Die NATO-Streitkräfte haben zweifellos auch die USV-Kampagne der Ukraine im Schwarzen Meer studiert und haben höchstwahrscheinlich sogar direkten Zugang zu Daten und Wissen der ukrainischen Streitkräfte.

Die NATO-Streitkräfte verfügen aufgrund ihrer Einsätze in der Straße von Hormus ebenfalls über umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit asymmetrischen Bedrohungen. In dieser Region setzt die iranische Revolutionsgarde eine große Anzahl schneller Angriffsboote ein, die dazu dienen, konventionelle Kriegsschiffe zu bedrängen, zu umzingeln und zu überwältigen. Schnelle Angriffsboote unterscheiden sich zwar von USV, da sie ihre Ziele aus der Ferne mit Maschinengewehren, Raketen und leichten Torpedos angreifen, aber sie haben die gleichen Einsatzmerkmale. Schnelle Angriffsboote verfügen genauso wie USV über eine geringe Signatur, sie sind zudem schnell, sehr wendig, und schwer zu entdecken, sie stellen daher aus nächster Nähe eine Bedrohung dar.

Die NATO-Streitkräfte ziehen zudem Lehren aus ihren Einsätzen im Roten Meer, wo die Drohnenbedrohung durch die Houthi-Milizen die NATO-Kriegsschiffe dazu zwingt, ihre Nahbereichsverteidigung gegen kleine Ziele zu evaluieren. Während die Houthi-Milizen hauptsächlich luftgestützte Drohnen statt unbemannte Überwassersysteme einsetzen, haben die NATO-Streitkräfte erkannt, dass sie zusätzliche Nahbereichsverteidigungssysteme zur Bekämpfung von Drohnen benötigen, anstatt sich auf teure Raketen zu verlassen, um dieser Bedrohung entgegenzuwirken. Bereits jetzt sind Maßnahmen innerhalb der NATO zu beobachten, indem etwa Kriegsschiffe mit mehr leichten und schwere Maschinengewehre auf ihren Außendecks ausgestattet werden.

Die NATO-Streitkräfte verfügen jedoch nicht über echte praktische Erfahrung im Umgang mit einem konzentrierten USV-Angriff, im Gegensatz zu Russland, das seine Erfahrungen und Kenntnisse während der ukrainischen Seekampagne 2023-2024 im Schwarzen Meer gesammelt hat. Darüber hinaus hat die russische Marine in den letzten zwei Jahren regelmäßig Drohnenabwehrübungen in allen ihren Flotten durchgeführt. Durch den Einsatz von Taktiken und Drohnen nach ukrainischem Vorbild sowie die Entwicklung eigener Taktiken und USV können die Russen bereits auf über zwei Jahre praktische Erfahrung im Umgang mit unbemannten Überwassersystemen zurückgreifen. Die NATO-Streitkräfte müssten eine Lernkurve überwinden, um effektiv mit USV-Angriffen eines Feindes umgehen zu können, der Zeit hatte, seine USV und Taktiken zu entwickeln.

Es ist unklar, wie schnell die NATO diese Lernkurve bewältigen kann, sobald sie sich mit einer russischen USV-Kampagne gegen die NATO-Seestreitkräfte in der Ostsee konfrontiert sieht. Unabhängig davon, wie lange die NATO brauchen würde, um diese Lernkurve zu meistern, stellt dies für Russland in der Zwischenzeit eine Gelegenheit dar, die NATO-Seestreitkräfte anzugreifen, wenn diese noch nicht in der Lage sind, sich vollumfänglich zu verteidigen. Es ist möglich, dass Russland bereits für ein solches Szenario übt und sich darauf vorbereitet, angesichts der jüngsten Demonstration seiner neuen offensiven USV während der Marineübung Juli-Sturm.

Die NATO ist nicht wehrlos

Die Seestreitkräfte der NATO könnten vorübergehend durch eine koordinierte russische USV-Kampagne gefährdet sein. Das bedeutet jedoch nicht, wie bereits erläutert, dass die Seestreitkräfte der NATO völlig schutzlos wären. Es gibt mehrere wichtige Faktoren, die berücksichtigt werden müssen und die den Seestreitkräften der NATO zugutekommen.

Erstens operieren die NATO-Seestreitkräfte in der Regel in Formationen, in denen die Schiffe sich im Falle eines USV-Angriffs gegenseitig unterstürzen können. Dies ist ein anderer Ansatz als der, den Russland in der Schwarzmeerflotte verfolgt hat, wo die meisten Schiffe unabhängig voneinander operierten. Wenn man sich die erfolgreichen USV-Angriffe der Ukraine im Schwarzen Meer ansieht, stellt man fest, dass die meisten davon auf russische Kriegsschiffe abzielten, die alleine unterwegs waren und nicht von der Nähe anderer Kriegsschiffe profitieren konnten, die ihnen Hilfe leisten konnten.

Zweitens ist die Einsatzbereitschaft an Bord von NATO-Kriegsschiffen in der Regel höher als an Bord russischer Kriegsschiffe. Die NATO-Streitkräfte verfügen im Vergleich zu ihren russischen Pendants oft über bessere Technologie, Wartung und Ausbildung. Dies ist zum Teil auf den höheren Professionalisierungsgrad des NATO-Marinepersonals zurückzuführen, wodurch die NATO-Seestreitkräfte auf langjährige Erfahrungen und Kenntnisse zurückgreifen können. Russland hingegen ist stark auf Wehrpflichtige angewiesen, die in den Flotten eingesetzt werden. Jede neue Gruppe von Wehrpflichtigen muss neu ausgebildet werden, angefangen bei den Grundfertigkeiten des Lebens an Bord und der Bedienung des Schiffes während der Fahrt. Die Ausbildung an den Waffensystemen und dem Einsatz des Schiffes im Kampf erfolgt erst in einer späteren Phase, bevor sie die Flotte am Ende ihres Dienstes verlassen. Dieses Wehrpflichtssystem erlaubt es Russland nicht, die Professionalität innerhalb seiner Marine im gleichen Tempo aufzubauen und aufrecht zu erhalten wie die NATO-Streitkräfte.

Drittens lernen die NATO-Streitkräfte auch durch die Beobachtung russischer Marineübungen. Diese Beobachtungen ermöglichen es der NATO, zu beurteilen, wie Russland mit der Abwehr von USV-Angriffen umgeht. Die Untersuchung dieser Übungen zeigt, dass die russische Lösung darin besteht, die Anzahl der schweren Maschinengewehre auf den Außendecks der Kriegsschiffe zu erhöhen, um eine 360-Grad-Abdeckung des Schiffes zu gewährleisten. Darüber hinaus werden die Besatzungen darin geschult, USV-Angriffe mit Gewehren, Granatwerfern und Panzerabwehrhandwaffen abzuwehren. Hubschrauber, die entweder von Land oder von Kriegsschiffen aus operieren, werden ebenfalls häufig in russischen Marineübungen eingesetzt, um simulierte USV-Angriffe auf russische Kriegsschiffe zu vereiteln. Russland setzt auch schnelle Patrouillenboote ein, wie beispielsweise die Boote der Raptor-Klasse, in Russland auch als Projekt 03160 bezeichnet. Ausgestattet mit Maschinengewehren, Granatwerfern und einer speziell ausgebildeten Besatzung können diese Schiffe zum Abfangen und Bekämpfen feindlicher USV eingesetzt werden. Schnelle Patrouillenboote sind sehr wendig, sodass sie die Entfernung zu den USV rasch verringern können, um diese präzise mit Handwaffen zu bekämpfen, und gleichzeitig wendig genug, um ihnen auszuweichen. Russische Kriegsschiffe setzen bei diesen USV-Verteidigungsübungen auch passive und aktive elektronische Kriegsführung ein. Da diese USV-Verteidigungsübungen recht häufig stattfinden, könnte der massierte Einsatz elektronischer Kriegsführung durch russische Kriegsschiffe zudem teilweise erklären, warum GPS-Signale in der Ostseeregion häufig gestört werden.

Ein vierter wichtiger Faktor wäre die regelmäßige Überwachung Kaliningrads durch NATO-Streitkräfte. Diese Überwachung ermöglicht es der NATO, den Aufbau eines USV-Arsenals innerhalb der Enklave zu erkennen und die Lagerstätten zu identifizieren. Im Falle eines Krieges zwischen Russland und der NATO würden diese Lagerstätten zu vorrangigen Zielen, die es zu neutralisieren gilt, um so die Bedrohung durch die USV-Fähigkeiten Russlands zu verringern. Wie jedoch die Luft- und Raketenangriffe gegen die Houthi-Rebellen im Jemen gezeigt haben, wäre es sehr schwer, alle Lagerstätten zu zerstören, da diese Drohnen aufgrund ihrer geringen Größe an verschiedenen Orten versteckt werden können.

Die Überwachung Kaliningrads durch die NATO würde es ihr jedoch ermöglichen, einen USV-Angriff aus dieser Enklave zu erkennen und die in der Ostsee operierenden Seestreitkräfte vorab zu warnen. Diese Vorwarnung würde den NATO-Kriegsschiffen die notwendige Zeit geben, sich auf einen solchen USV-Angriff vorzubereiten. Russland hingegen verfügte im Schwarzen Meer oft nicht über diese echtzeitnahe Überwachungs- und Aufklärungsfähigkeiten, sodass die Ukraine russische Kriegsschiffe ohne oder mit nur geringer Vorwarnung angreifen konnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die USV-Fähigkeiten Russlands eine offensive Kampfkraftverstärkung darstellen kann, insbesondere in einem geographisch begrenzten Seegebiet wie der Ostsee. Diese Fähigkeit ermöglicht es Russland, das derzeitige Kräfteverhältnis in der Ostsee zu beeinflussen und die Seestreitkräfte der NATO in eine defensivere Position zu drängen, da diese noch dabei sind, die Abwehr von USV-Angriffen zu erlernen. Es ist unklar, ob die russischen offensiven USV-Kapazitäten ihnen einen Vorteil in der Ostsee verschaffen. Theoretisch besteht zwar die Möglichkeit, doch jeder Vorteil, den Russland durch den offensiven Einsatz von USV erzielen könnte, wäre nur vorübergehend. Die NATO-Streitkräfte sind im Vergleich zu den russischen Streitkräften im Schwarzen Meer im Jahr 2023 in Bezug auf Wissen, technologische Überlegenheit und Überwachungskapazitäten deutlich besser vorbereitet.

Autor: Frederik Van Lokeren ist ein ehemaliger Marineoffizier, der sieben Jahre lang in der belgischen Marine gedient hat, wo er in Logistik und maritimer Aufklärung ausgebildet wurde. Danach war er als freiberuflicher maritimer Analyst tätig und schrieb regelmäßig über Marineentwicklungen auf strategischer und operativer Ebene. Sein Hauptfachgebiet ist die russische Marine, über die er in seinem persönlichen Blog „Russian Navy – News and Analysis“ berichtet, wobei er auch die europäischen Marinen und maritime Entwicklungen im indopazifischen Raum verfolgt. Der Beitrag erschien erstmalig am 1.08.2025 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.