Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein französischer Amtskollege Sebastien Lecornu wollen in den kommenden Monaten die Unstimmigkeiten beim Future Combat Air System (FCAS) zwischen beiden Ländern ausräumen. Wie Pistorius gestern in einer Pressekonferenz zusammen mit Lecornu in Osnabrück sagte, stehen beide Minister einmütig sowohl zu FCAS als auch dem Main Ground Combat System (MGCS), dem Landkampfsystem der Zukunft. Es gebe keine Hürden, die man nicht überwinden könne, betonte Pistorius. „Dieser Fähigkeitsausbau ist wichtig für die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit unserer Länder über die nächsten zehn, fünfzehn Jahre hinaus.“ Er sei überdies ein Zeichen für die europäische Souveränität. „Daher wollen wird bis zum Ende des Jahres auch Klarheit schaffen bei FCAS. Über die Hürden wird zu reden sein“, sagte der Verteidigungsminister.
Einige der beteiligten Unternehmen haben seinen Worten zufolge „nicht nur enorm viel Expertise“, sondern auch eigene Interessen und einen eigenen Willen. „Die Projekte stehen für deutsch-französische Zusammenarbeit und Partnerschaft, sie stehen nicht für nationale Egoismen.“
Der Minister spielte damit offenbar auf die zuletzt bekannt gewordenen Forderungen von französischer Seite an, rund 80 Prozent des Workshare am New Generation Fighter, der wichtigsten Komponente von FCAS, an französische Unternehmen zu vergeben. Diese sollen angeblich von Dassault ausgehen.
Auch Lecornu sagte, dass bis zum nächsten großen deutsch-französischen Gipfel Ende August in Toulon keine Ergebnisse hinsichtlich des FCAS-Zuschnitts mitgeteilt werden. Seinen Worten zufolge läuft überdies noch die Phase 1b des Projektes bis Dezember, so dass erst Anfang des kommenden Jahres die Phase 2, die den Bau eines flugfähigen Demonstrators beinhaltet, begonnen werden könne. Ihn treibe die Sorgem um, dass der neue Fighter womöglich noch nicht 2040 fliegen werde.
Technisch treffen die Aussagen von Lecornu zu. Allerdings verweisen Beobachter darauf, dass für die Phase 2 von FCAS zuvor die Angebote von Industrieseite vorliegen müssen. Danach war dem Vernehmen nach eine etwas sechsmonatige Verhandlungsphase vorgesehen. Um die Angebote einreichen zu können, bedarf es jedoch einer Einigung auf die Arbeitsteilung zwischen Dassault und den anderen Partnern, die noch aussteht.
Nach Angaben von Pistorius wird in Zukunft die weltraumgestützte Aufklärung zur Detektion von ballistischen Flugkörpern an Bedeutung gewinnen. Er kündigte hier einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit Frankreich an. Er nannte konkret das im Rahmen des European Defence Fund (EDF) finanzierte Vorhaben Odin’s Eye. Der Minister betonte, dass Rüstungsexportkontrolle eine nationale Aufgabe sei und nicht in die Kompetenz der EU falle. „Es gibt hierzu keine Rolle der Europäischen Kommission.“ Deutschland werde ein verlässlicher Partner bei gemeinsamen Rüstungsprojekten bleiben, versicherte Pistorius.
Die beiden Minister hatten um die Mittagszeit einen Abstecher nach Unterlüß zu Rheinmetall gemacht, wo sie vom CEO des Unternehmen Armin Papperger empfangen wurden. Rheinmetall zusammen mit KNDS und Thales ist einer der Partner beim deutsch französischen Rüstungsprojekt MGCS. Auf die Frage, ob Deutschland oder womöglich Rheinmetall einen Einstieg bei KNDS plane, weil sich die deutsche Eigentümerfamilie zurückziehen wolle, sagte Pistorius, dass man solche Überlegungen in Erwägung ziehe und schaue, welche Interessen die Familie und andere Player haben. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.
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