Weltweite Rüstungsverkäufe legen geringfügig zu

Der weltweite Umsatz mit Waffen und militärischen Dienstleistungen der nach Einschätzung des  Stockholmer Friedensforschungsinstitutes Sipri 100 größten Rüstungsfirmen hat im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent auf 374,8 Mrd USD zugenommen. Diese sei der erste Zuwachs nach fünf Jahren des Rückgangs in Folge, teilten die Friedensforscher am heutigen Montag weiter mit.

Im Dezember 2016 war Sipri noch von einem Wert von 370,7 Mrd USD für 2015 ausgegangen. Von dieser Basis ergibt sich ein Wachstum von rund 1,1 Prozent für das Jahr 2016.

US-Unternehmen dominieren die Top-100-Liste von Sipri und kommen nach  Angaben des Stockholmer Instituts 2016  auf einen kumulierten Verkaufswert ihrer Güter von 217,2 Mrd USD (2015:  209,7 Mrd USD) – ein Plus  von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der seit Jahren weltgrößte Rüstungskonzern Lockheed Martin verbuchte ein Umsatzplus von 10,7 Prozent. Dadurch habe sich der Anteil nach Umsatz von US-Firmen in der Top-100-Liste auf 57,9 Prozent erhöht. Sipri führt das starke Ergebnis von Lockheed Martin auf die Übernahme des Hubschrauberbauers Sikorsky und eine erhöhte Auslieferungsrate für den F-35-Fighter zurück, wodurch sich ein Gesamtumsatz im Volumen von 40,8 Mrd USD ergaben.

Die Verkäufe von westeuropäischen Unternehmen auf der Sipri-Liste blieben  den Angaben zufolge mit einem Plus von 0,2 Prozent stabil bei 91,6 Mrd USD. Die drei gelisteten deutschen Firmen – Rheinmetall, ThyssenKrupp und KMW – steigerten laut Sipri ihre kumulierten Umsätze um 6,6 Prozent auf rund 5,98 Mrd EUR. KMW (plus 12,8 Prozent) und Rheinmetall (plus 13,3 Prozent) haben den Angaben zufolge von einer höheren Nachfrage in Europa, dem Mittleren Osten sowie Südostasien profitiert.

Im direkten Größenvergleich zwischen französischen und deutschen Unternehmen schneiden die Deutschen weiterhin schwach ab. So ist Rheinmetall als größtes deutsches Rüstungsunternehmen mit 3,26 Mrd USD Umsatz deutlich kleiner als der französische Marktführer Thales mit 8,17 Mrd USD. Die größte französische Werft DCNS (jetzt Naval Group) kommt auf Verkäufe von 3,48 Mrd USD, während die deutschen Marineschiffbauer von TKMS mit 1,77 Mrd USD nur etwa halb so groß sind.

Werte für Safran deutlich überzeichnet

Hinsichtlich des französischen Luftfahrt-Zulieferers Safran haben die Stockholmer Forscher auf Nachfrage eingeräumt,  dass ihre Angaben in der Vergangenheit den Anteil des Rüstungsgeschäfts deutlich überzeichnet hatten: Während im vergangenen Jahr der Umsatz von Safran im Bereich Verteidigung für 2015 mit 5,02 Mrd USD angegeben wurden, liegt der Wert in der aktuellen Veröffentlichung bei 2,378 Mrd USD für 2015. Für 2016 werden nun 2,6 Mrd USD angeführt. Wie eine Sipri-Sprecherin erläuterte, wurden die Zahlen aufgrund neuer Information, die aus einem Geschäftsbericht gewonnen wurden, nach unten angepasst.

Die kumulierten Waffenverkäufe der sechs französischen Unternehmen kommen laut Sipri auf 18,6 Mrd USD und sind damit etwa dreimal so groß wie die der drei aufgeführten Hersteller aus Deutschland. Auffällig ist dabei, dass alle französischen Unternehmen mit Ausnahme von Dassault zum Teil erhebliche Staatsbeteiligungen aufweisen, während die deutschen Firmen rein privatwirtschaftlich organisiert sind. In punkto Umsatz scheinen sich bei dem französisch-deutschen Joint Venture von Nexter und KMW die Gewichte zugunsten der Deutschen zu verschieben: So kommt KMW auf einen Umsatz von 950 Mio USD (Vorjahr: 842 Mio USD), während Nexter Umsatz in Höhe von 19,4  Prozent verliert und 910 Mio USD (1,129  Mrd USD) erzielt.
lah/12/11.12.2017