Das Schweizer Bundesamt für Rüstung armasuisse hat die Evaluation für eine neue Dienstpistole abgeschlossen und das Modell SIG Sauer P320 ausgewählt. Die Beschaffung einer neuen Dienstpistole im Rahmen des Projekts 9mm Pistole CH A NG (Schweizer Armee Neue Generation) als Nachfolgemodell für die Pistole 75 habe zum Zweck, die Schweizer Armee mit einem modernen, verlässlichen und langfristig verfügbaren Waffensystem auszurüsten, schreibt armasuisse.
Der Hersteller hat demnach zugesichert, die Produktion in der Schweiz aufzubauen. Das entspreche der rüstungspolitischen Strategie der schweizerischen Regierung, des Bundesrats, sicherheitsrelevante industrielle Fähigkeiten in der Schweiz zu erhalten und aufzubauen.
Der Bedarf der Schweizer Armee für eine neue Dienstpistole liegt bei 140.000 Waffen. Mit der Armeebotschaft 26 soll eine erste Tranche von 50.000 Exemplaren zur Beschaffung beantragt werden. Für die Beschaffung ist gemäß aktuellem Budget ein mittlerer zweistelligen Millionenbetrag eingestellt. Neben den Dienstpistolen sind weiteres Einsatzmaterial wie zusätzliche Magazine oder Holster sowie Ausbildungsmaterial wie etwa Dokumentationen und nicht schießfähige «Dummy»-Pistolen vorgesehen.
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, beurteilte ein Team aus Spezialistinnen und Spezialisten von armasuisse und der Armee im Rahmen der Vorevaluation fünf potentielle Kandidaten. Für die anschließende vertiefte Prüfung wurden im Jahr 2024 dann die Pistolen von drei Herstellern ausgewählt: Glock G45 Gen 5, Heckler & Koch SFP9 und SIG Sauer P320.
Alle drei Waffen wurden laut armasuisse einer intensiven und umfassenden technischen Erprobung, einem Truppenversuch sowie der Prüfung logistischer Aspekte unterzogen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die sichere Handhabung der Pistolen gelegt. Die Versuche zeigten, dass nur die Glock G45 alle Musskriterien erfüllte und als truppentauglich eingestuft wurde.
Eine gesamtheitlich rüstungspolitische und wirtschaftliche Beurteilung wies jedoch beim Modell SIG Sauer P320 in relevanten Bereichen substanzielle Vorteile auf, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Darüber hinaus zeigte die Nutzwertanalyse, dass die evaluierten Waffensysteme zwar im Gesamtnutzen nahezu gleichwertig sind, sich jedoch hinsichtlich der Gesamtkosten erheblich unterscheiden.
Die wirtschaftliche Beurteilung aller Waffensysteme zeigte laut Mitteilun der armasuisse eindeutig, dass die SIG Sauer P320 über die geplante Nutzungsdauer von 30 Jahren die geringsten Gesamtkosten verursacht. Im Rahmen der technischen Erprobung wurde ein standardisiertes und anerkanntes Testprotokoll verwendet und die SIG Sauer P320 erfüllte sämtliche sicherheitsrelevanten Aspekte in den Tests.
Die bei der SIG Sauer P320 festgestellten Verbesserungspotenziale, die zur Nichterfüllung einer technischen Anforderung und zur Nichterteilung der Truppentauglichkeit geführt hatten, wurden einer vertieften Analyse unterzogen. Dabei zeigte sich, dass es sich um nachqualifizierbare Anpassungen handelt, die auf konstruktiv lösbare Aspekte wie Ergonomie und Komponentenrobustheit zurückzuführen sind, wie armasuisse weiter ausführt.
Die technischen Nachbesserungen liegen demnach innerhalb realistischer Paramater und wurden von SIG Sauer verbindlich zugesichert. Im Rahmen des Aufbaus der Produktion in der Schweiz sollen die festgestellten Verbesserungspozentiale umgesetzt und nachqualifiziert werden. Die Anforderungskonformität werde mittels einer Nachqualifikation überprüft und sei Voraussetzung für den Beschaffungsvertrag.
Die neue SIG Sauer P320 soll die bisherige Standardpistole der Schweizer Armee, die SIG P220 (Pistole 75), ersetzen, die vor rund 50 Jahren eingeführt wurde.
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