Rheinmetall will in Kassel mehr als 500 Boxer pro Jahr fertigen

Waldemar Geiger

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Die Bundeswehr beabsichtigt alleine im Rahmen des Vorhabens „Arminius“, in der kommenden Dekade rund 1.850 neue Boxer in unterschiedlichen Varianten – unter Umständen sogar deutlich mehr – zu beschaffen. Hinzu kommen noch die Beschaffungen im Zuge von internationalen Kooperationen und Regierungsgeschäften – beispielsweise Schakal und Schwerer Waffenträger Infanterie – sowie die internationale Nachfrage nach den Fahrzeugen. Zuständig für die Fertigung der Fahrzeuge sind die beiden großen deutschen Landsystemhäuser Rheinmetall und KNDS Deutschland, die in unterschiedlichen Konstellationen mehrere Boxer-Produktionsstätten in Deutschland, Großbritannien und Australien betreiben. Diese Produktionsstätten reichen jedoch in der aktuellen Konfiguration nicht aus, um den erwarteten Bedarf an Boxerfahrzeugen „zeitnah“ sicherstellen zu können. Daher unternehmen beide Systemhäuser Anstrengungen, um die Produktionskapazitäten signifikant zu steigern.

Ein Beispiel für die Produktionsanpassungen auf Seiten von Rheinmetall hat René Gansauge, COO von Rheinmetall, in seinem Vortrag auf dem „Capital Markets Day“ am 18. November ausgeführt. Den Erklärungen des Chief Operating Officers zufolge verfügt das Unternehmen derzeit über weltweite Produktionskapazitäten von rund 600 Gefechtsfahrzeugen des Typs Boxer, Lynx und Puma pro Jahr. Bedingt durch den aktuellen Bedarf werden jedoch nur 400 Fahrzeuge jährlich gefertigt. Ab 2030 erwartet das Unternehmen einen jährlichen Bedarf von mehr als 1.000 Fahrzeugen, dementsprechend muss auch die Fertigung hochgefahren werden.

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Neben dem Aufbau neuer Fertigungsstätten – als Beispiel werden Fabriken in Italien und Rumänien aufgeführt – soll auch der Ausbau aktueller Standorte in Kombination mit der Anpassung von Fertigungsverfahren zur Produktionskapazitätserhöhung beitragen.

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Wie Gansauge ausführt, wurden Boxer-Fahrzeuge von Rheinmetall vor zwei Jahren nur in Deutschland und den Niederlanden gefertigt. Seit kurzem sind jedoch auch Fertigungslinien in Großbritannien und Australien in Betrieb gegangen, so dass das Fahrzeug seit 2025 auch in diesen beiden Ländern produziert wird.

In Deutschland will Rheinmetall die Boxerfertigung zukünftig in Kassel bündeln und allein dort mehr als 500 Boxer pro Jahr herstellen. Um dies zu erreichen, will der Rüstungskonzern in Nordhessen zukünftig nur noch auf den Bau der Boxer konzentrieren. Aktuell erfolgt von dort aus Auslastungsgründen neben dem Bau auch der Service unterschiedlicher Plattformtypen wie Boxer, Fuchs, Kodiak, Keiler und Büffel. Eine großvolumige Bestellung von Boxerfahrzeugen würde es jedoch rechtfertigen, die Kasseler Produktion gänzlich auf den Boxer zu fokussieren und zudem modernere Fertigungsverfahren zu etablieren, die in der Vergangenheit aufgrund der geringen Nachfrage unrentabel waren.

Als Blaupause für das Vorhaben in dem hessischen Werk benannte Gansauge die Produktionsabläufe in Wien, wo Rheinmetall nach Aussage des COO 2.400 militärische Lkws pro Jahr herstellt. Zukünftig sollen auch in Kassel – da wo sinnvoll und möglich – automatisiere und teilautomatisierte Fertigungsverfahren Einzug halten. Als Beispiele führte der Manager Arbeiten rund um das Schweißen und Lackieren an.

Ziel ist es, dort eine Serienfertigung des Boxers zu etablieren, wobei Gansauge im Vortrag deutlich machte, dass diese Serienfertigung nicht mit der Serienfertigung in der Automobilbranche zu vergleichen ist, da man aufgrund des Bedarfs nur tausende Gefechtsfahrzeuge pro Jahr herstellen wird, während ein Autobauer wie beispielsweise Volkswagen Millionen Autos pro Jahr baut.

Waldemar Geiger