Der größte deutsche Marineschiffbauer TKMS hat laut Medienberichten ein nicht bindendes Angebot zur Übernahme der Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) abgegeben. Ein TKMS-Sprecher bestätigte die Berichterstattung auf Nachfrage von hartpunkt, nannte aber keine weiteren Details. Der Konzern hatte vor einigen Monaten angekündigt, bis Ende vergangenen Jahres prüfen zu wollen, ob im Rahmen einer Konsolidierung ein Einstieg bei German Naval Group in Frage kommt.
TKMS und GNYK nutzen das gleiche Werftgelände in Kiel, da beide Unternehmen vor einigen Jahren aus der Aufspaltung von HDW hervorgegangen sind. Während sich TKMS am Standort auf den Bau von U-Booten konzentriert, verfügt GNYK vor Ort über mehrere Hallen sowie große Trockendock- und Krankapazitäten sowie erfahrenes Personal.
Wie hartpunkt Ende Dezember berichtete, soll Gerüchten zufolge womöglich auch der zweitgrößte deutsche Marineschiffbauer NVL Interesse an GNYK haben. NVL befindet sich gerade im Übernahmeprozess durch Rheinmetall. Ein Sprecher des größten deutschen Rüstungskonzerns wollte sich seinerzeit nicht dazu äußern. Einem Reuters-Bericht aus dem vergangenen Monat zufolge soll auch das britische Verteidigungs-, Marine- und Industrieunternehmen Inocea Group ein Auge auf GNYK geworfen haben.
GNYK-CEO Rino Brugge hatte im Dezember auf hartpunkt-Nachfrage lediglich mitgeteilt, dass sein Unternehmen grundsätzlich an einer nationalen oder internationalen Zusammenarbeit interessiert sei und sich mit möglichen Partnern in Gesprächen befinde. Weitere Details nannte auch er nicht.
Eine Erweiterung von Fertigungskapazitäten dürfte strategisch für TKMS sinnvoll sein, da die deutsche Marine, aber auch befreundete Seestreitkräfte in den kommenden Jahren nach Expertenmeinung einen steigenden Bedarf an Schiffen haben. So hat vor Weihnachten die norwegische Regierung dem Parlament in Oslo den Vorschlag unterbreitet, noch vor der Überarbeitung des Verteidigungsplans die Option zu Beschaffung von zwei weiteren U-Booten der Klasse 212 CD bei TKMS auszuüben. Nach bisherigem Stand soll das Parlament am 27. Januar darüber beraten, worauf bei positiver Entscheidung ein zeitnaher Vertragsschluss folgen könnten.
Überdies befindet sich TKMS mit seinem Partner Mazagon Dock Shipbuilders (MDL) in den finalen Verhandlungen mit der indischen Regeirung zu Lieferung von sechs U-Booten im Rahmen des Projektes 75(I) begonnen. Ob es bereits in der kommenden Woche zu einem Vertragsschluss während der Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Indien kommt, wie in einige Berichten angedeutet wird, halten Beobachter für eher unwahrscheinlich.
Gegenwärtig befindet sich auch Dänemark in der Marktprüfung für neue Fregatten. Ob die deutschen Fregatten der Klasse F127 dabei eine Option sind, bleibt abzuwarten. Denn die Schiffe nutzen sehr umfangreich Sensoren, Software und Effektoren aus US-Produktion. Vor dem Hintergrund der Ambitionen der US-Administration, Grönland zu annektieren, dürfte ein Kauf innenpolitisch sehr schwer zu vermitteln sein. Dem Vernehmen nach hat der dänische Verteidigungsminister wohl nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Drohungen aus dem Weißen Haus einen für heute geplanten Termin bei TKMS abgesagt.
Lars Hoffmann












