Die Angebotsphase für die Beschaffung der zukünftigen Luftverteidigungsfregatten der Klasse 127 nähert sich einem kritischen Meilenstein. So soll spätestens bis zur ersten Januarwoche des kommenden Jahres das finale Angebot, auch als „Best and final Offer“ (BAFO) bezeichnet, von der federführenden A400 Frigate Company GmbH an den Kunden übermittelt werden, wie der technische Geschäftsführer des Unternehmens, Sascha Eilers, heute im Rahmen eines Vortrags auf dem 28. Marineworkshop der DWT in Linstow erläuterte.
Mit der Behandlung der daraus resultierenden 25-Millionen-Euro-Vorlage rechnet er dann im April kommenden Jahres. Erhält die Vorlage grünes Licht vom Haushaltsausschuss, ist der Weg für den Vertragsschluss frei. Das Gemeinschaftsunternehmen von TKMS und Rheinmetall Naval könne dann voraussichtlich im Jahr 2029 mit dem Bau des komplexen Schiffstyps beginnen, der auch zur Ballistic Missile Defence (BMD) befähigt sein wird, rechnet Eilers vor. Die erste von acht geplanten Fregatten soll im Jahr 2034 an die Bundeswehr übergeben werden, die nächste soll dann 2035 folgen.
Nach derzeitiger Planung werden die Schiffe etwas weniger als 13.000 Tonnen verdrängen, mit 156 Personen Besatzung fahren und 96 Launch-Zellen aufnehmen. Beim schiffbaulichen Anteil sollen nach Angaben des Gemeinschaftsunternehmens über 90 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erfolgen. Der „Foreign Military Sales“-Case für die Beschaffung der US-Komponenten ist dabei jedoch nicht enthalten. Während die Schiffe 3,5 und 7 bei Rheinmetall in Wolgast gebaut werden sollen und in Hamburg in die Endausrüstung gehen, sollen die übrigen Schiffe bei TKMS in Wismar entstehen.
Nach Aussage von Patrick Buggenthin, Sprecher der Geschäftsführung der A400 Frigate Company GmbH, könnten Fregatten des Typs unter anderem im Nordmeer zwischen Norwegen und Grönland zum Schutz ganz Europas gegen ballistische Raketen eingesetzt werden. Diese Aussage deutet darauf hin, dass die Marine offenbar mit der Option plant, von Russland über den Nordpol in Richtung Europa geschossene Raketen großer Reichweite in der sogenannten Midcourse-Phase abzufangen. Zum exoatmosphärischen Einsatz ist dabei der Flugkörper SM-3 vorgesehen, für dessen Nutzung die Fregatten vorbereitet werden. Dieser soll allerdings noch nicht im FMS-Gesamtpaket enthalten sein.
Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der das Führungs- und Waffeneinsatzsystem Aegis für die F127 herstellt, hatte gestern bei einem Vortrag in Linstow eine Folie gezeigt, wonach mit je einer wie die F127 ausgestatteten Fregatte im Mittelmeer und in der Nordsee ein großer Teil Westeuropas abgedeckt werden könnte.
Gegenwärtig wird das Projekt F127 allerdings noch einmal umfassend untersucht, wie zu vernehmen ist. So sollen Haushalts- und Fachpolitiker der Koalition in Berlin gut informierten Kreisen zufolge nicht bereit sein, kolportierte Kosten von fünf Milliarden Euro pro Schiff mitzutragen. Derartige Kostenschätzungen hält TKMS jedoch für zu hoch. „TKMS kann die in der aktuellen Medienberichterstattung genannten Kosten für die geplante F127 nicht bestätigen“, hatte der Konzern Ende August hartpunkt mitgeteilt. „Gemeinsam mit unserem Konsortialpartner Rheinmetall und in engem Austausch mit dem Bundesministerium der Verteidigung, der Marine und dem Beschaffungsamt arbeiten wir seit Monaten an einem Entwurf für die Fregatte F127, der exakt den gestellten Kundenanforderungen entspricht“, so das Unternehmen damals.
Im Augenblick dürfte der Ball im Feld der Politik liegen. Wie aus gut informierten Kreisen zu vernehmen ist, besteht dabei durchaus Zeitdruck. Denn Anfang kommenden Jahres läuft offenbar eine Angebotsbindefrist von beteiligten Parteien für das Projekt aus. Würde diese nicht eingehalten, könnten Neuverhandlungen die Folge sein, was das Projekt wahrscheinlich deutlich zurückwerfen und teurer machen würde.
Lars Hoffmann















