Eurosatory – FFG zeigt ein interessantes Konzept für einen Minenräum-Flakpanzer

Waldemar Geiger

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Die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) hat angekündigt, nächste Woche auf der Messe Eurosatory in Paris erstmals eine neue Variante der gepanzerten Mehrzweckplattform ACSV (Armoured Combat Support Vehicle) zu zeigen, die sowohl über Flugabwehrfähigkeiten als auch Fähigkeiten zum Minenräumen verfügt.

Wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt, wird unter anderem eine Variante des ACSV gezeigt, die über einen fernbedienbaren Turm mit einer 30mm-Hauptwaffe zur Luftverteidigung verfügt, die unter anderem programmierbare Airburst-Munition verschießen kann. „Außerdem kann die Waffenanlage auf Kundenwunsch durch verschiedene Lenkflugkörpersysteme zur Panzerabwehr ergänzt werden. Darüber hinaus ist das System mit modernen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr, einer Schussdetektion sowie einem 360°-Radar für ein umfassendes Lagebild ausgestattet. Ergänzt wird diese Ausstattung durch einen Minenräumpflug“, schreibt das Unternehmen.

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Auf dem im Zuge der Mitteilung mitgeschicktem Bild ist der ACSV mit dem unbemannten 30mm-Maschinenkanonenturm vom Typ „Turra 30 – SA“ des slowakischen Herstellers EVPÚ erkennbar, welcher auch zur Bekämpfung von Flugzielen geeignet ist. Da der Turm mit programmierbarer Air-Burst-Munition feuern kann, eignet sich dieses Fahrzeug auch für die Luftverteidigung. Dank der Doppelgurtzuführung der 30mm-Maschninenkanone kann der Panzer zwei Munitionstypen im Turm mitführen, sodass die Besatzung je nach Aufgabe zwischen den Munitionstypen wechseln kann. Dadurch kann das Fahrzeug sowohl Boden- als auch Luftziele gleichermaßen gut bekämpfen und innerhalb von Sekunden seine Rolle wechseln. Der unbemannte Maschinenkanonenturm Turra 30 – SA ist nach Angaben von EVPÚ in der Lage, unterschiedliche 30 mm-Maschinenkanonen – darunter auch die Mk44 von Bushmaster – aufzunehmen. Als Sekundärbewaffnung dienen ein koaxiales Maschinengewehr und Panzerabwehrlenkflugkörper vom Typ Spike bzw. Konkurs. Neben leistungsfähigen Elektrooptiken verfügt der stabilisierte Turm auch über ein Multimissionsradar sowie ein Schussortungssystem für Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen. Die Elevation der Waffenanlage wird mit minus 10 bis plus 70 Grad angegeben.

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Weiterhin wurde auf dem Panzer ein Minenräumpflug von Pearson Engineering integriert. Dem Bild zufolge handelt es sich dabei jedoch nicht um ein sogenanntes Full-Width-Mine-Plough-Minenpflugsystem, das eine Räumbreite von über 4 m und so die Schaffung von Minengassen ermöglicht. Erkennbar ist das Vector-Minenpflugsystem, das dazu entwickelt wurde, Fahrzeugen einen Selbstschutz gegen Minen zu bieten und nicht Minengassen zu schaffen.

Die Kombination beider Fähigkeiten auf der ACSV-Plattform dürfte wohl eher der Attraktion auf der Messe geschuldet sein, als einem tatsächlichen operationellem Bedarf von Streitkräften.

Konzept Minenräum-Flakpanzer

Gleichwohl ist das Konzept, beide Fähigkeiten auf einer Plattform zu vereinen, in Anbetracht der aktuellen operativen Herausforderungen im Ukraine-Krieg sehr interessant. Das Räumen von Minensperren gilt seit jeher sowohl als eine hochkomplexe als auch hoch risikobehaftete Aufgabe im Gefecht. Bereits zu Zeiten vor der Drohnenkriegsführung mussten Minenräumpanzer nicht nur selbst über eine starke Panzerung verfügen, sie mussten zudem durch eigene Kampftruppe vor feindlichen Kräften am Boden (Kampftruppe, Panzerabwehrwaffen sowie Artilleriebeobachter) als auch durch Flugabwehrkräfte vor Angriffen durch feindliche Luftfahrzeuge gesichert werden. Die Koordination aller dafür notwendigen Kräfte und Fähigkeiten führt zu der Komplexität der Aufgabe, die in dem Ausmaß nur durch den sogenannten Kriegsbrückenschlag erreicht wird.

Mit der Verbreitung der Drohnenkriegsführung ist die Aufgabe noch komplexer und risikobehafteter geworden. Das durch Drohnen zunehmend transparenter werdende Gefechtsfeld begünstigt die frühe Aufklärung von Minenräumversuchen und erlaubt die unmittelbare Bekämpfung der vorrückenden Minenräumpanzer. Neben der direkten Gefahr durch FPV-Wirkdrohnen und Loitering Munition unterliegt man der ständigen Gefahr, von kleineren Aufklärungsdrohnen aus größerer Höhe und Entfernung aufgeklärt und durch Artilleriebeschuss bekämpft zu werden. Gefahren, denen aufgrund von Abstandsfähigkeit oder Einschränkungen des Wirksektors mit  nachfolgenden Flakpanzern nur bedingt begegnet werden kann.

Daher wäre es sicherlich wünschenswert, wenn Minenräumpanzer, die qua Aufgabe als absolutes Hochwertziel gelten, sich selbst aktiv vor der Drohnengefahr schützen könnten. Damit dies effektiv gelingen kann, müsste ein solcher Panzer über die Fähigkeit verfügen, Kleindrohnen auch über Distanzen von mehreren Kilometern zu erkennen, so dass sich das Fahrzeug auch vor einzelnen, hochfliegenden Aufklärungsdrohnen schützen kann. Gleichzeitig müsste sich das Fahrzeuge gegen eine gewisse Anzahl von FPV-Drohnen im Nahbereich verteidigen können. Ob eine solche Fähigkeit in Form einer Kanonenbewaffnung oder einer Drohnenabwehrstation in Kombination mit weitreichenderen Drohnenabwehr-Effektoren (Abfangdrohnen oder Drohnenabwehrflugkörpern) realisiert werden würde, ist eher nachrangig. Entscheidender wären die Realisierung und die Effektivität einer solcher Lösung.

Ob solche Konzepte aktuell jenseits von theoretischen Überlegungen verfolgt werden, ist derzeit nicht bekannt.

Ein „echter“ Minenräumpanzer müsste neben einem Full-Width-Mine-Plough-Minenpflugsystem über einen hohen passiven Minen- und Panzerschutz verfügen. Zudem führen solche Panzer oftmals sogenannte Minenräumschnüre mit, um damit schnell Minenschneisen schlagen zu können. Sowohl der WiSENT 2 von FFG in der Variante Minenräumpanzer als auch der Keiler NG von Rheinmetall kommen in der oben aufgeführten Ausstattungskonfiguration bereits auf eine Gefechtsgewicht von ca. 69,5 Tonnen, was auch dem Gewicht des Leopard 2 A8 entspricht. Zusätzliche Systeme, wie abstandsaktive Schutzlösungen – das Systemgewicht von Trophy liegt bei rund einer Tonne – oder Turmlösungen – das Gefechtsgewicht des Turra 30 – SA liegt bei rund 2 bis 2,5 Tonnen – würden das Gefechtsgewicht der Fahrzeuge noch weiter erhöhen.

Waldemar Geiger