Die Signalaufklärung – auch als Signal Intelligence oder SIGINT bezeichnet – gilt als Hochwertressource und wird nicht zuletzt wegen des Krieges in der Ukraine im Augenblick stark nachgefragt. Nachdem Deutschland lange Zeit ohne diese Fähigkeit auskommen musste, ist der Sensor-Spezialist Hensoldt im Jahr 2021 damit beauftragt worden, ein luftgestütztes Systems zur elektronischen Signalaufklärung mit der Bezeichnung „PEGASUS“ zu liefern. PEGASUS steht für PErsistent German Airborne SUrveillance System. Ein System besteht dabei aus einem Missionssystem zur Signalerfassung und einer Trägerplattform, bei der es sich um ein Flugzeug des Typs Bombardier Global 6000 des gleichnamigen kanadischen Herstellers handelt.
Die Lufthansa Technik mit Sitz in Hamburg ist bei dem Vorhaben für die Beschaffung der Flugzeuge beim Hersteller Bombardier und die Einrüstung der Aufklärungstechnologie zuständig, die von Hensoldt ursprünglich für eine große Langstreckendrohne des Typs Triton entwickelt wurde. Bislang wurden drei Maschinen geordert, von denen die erste offenbar 2027 der Truppe übergeben werden soll.
Wie ein Sprecher von Lufthansa Technik auf Nachfrage mitteilte, befinden sich zwei der drei äußerlich bereits modifizierten, aber noch nicht mit der zentralen SIGINT-Elektronik ausgestatteten Flugzeuge in der Flugerprobung bei Bombardier Defense in den USA. Das erste Flugzeug werde noch in diesem Jahr zurück in Hamburg erwartet. Unmittelbar darauf wird Lufthansa Technik dem Sprecher zufolge mit der Einrüstung des Herzstücks von PEGASUS, der von Hensoldt zugelieferten Überwachungselektronik für SIGINT-Missionen, beginnen.
Lufthansa Technik Defense ist neben der Systemintegration von PEGASUS außerdem für die behördliche Zertifizierung auf Gesamtflugzeugebene verantwortlich. Die Konstruktionsarbeiten für die Integration des Missionssystems, für die zusätzlichen zivilen und militärischen Avioniksysteme sowie für die Flugzeugkabine wurden dem Unternehmen zufolge bereits abgeschlossen. Der Produktionsprozess der Innenausstattungsteile habe ebenfalls bereits begonnen, um sicherzustellen, dass die Komponenten sofort eingebaut werden können, wenn das Flugzeug im Kompetenzzentrum für Special-Mission-Flugzeuge in Hamburg ankommt.
Die Bestellung der drei SIGINT-Flugzeuge erfolgte kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Seitdem hat sich die Lage für die NATO und die Bundeswehr jedoch gravierend verändert, was offenbar zu einem Bedarf für weitere Systeme geführt hat. So lässt sich auch die Aussage von Hensoldt-CEO Oliver Dörre Ende Juli bei einer Telefonkonferenz mit Analysten interpretieren. Man sehe in Europa eine starke Nachfrage nach SIGINT-Fähigkeiten, sagte er seinerzeit und wies dabei auf die Geschäftschancen für sein Unternehmen hin. Dörre führte das gewachsene Interesse an der Technologie unter anderem darauf zurück, dass US-Systeme nicht in dem Maße wie in der Vergangenheit zur Verfügung stehen.
Gut informierten Kreisen zufolge, soll die Bundeswehr einen zusätzlichen Bedarf von drei bis sechs Systemen haben. Aufgrund der bereits bei der Entwicklung des Aufklärungssystems und bei der Integration gemachten Erfahrungen und den Vorteilen hinsichtlich der logistischen und operationellen Einheitlichkeit, halten Beobachter eine Folgebeauftragung von Hensoldt und seiner Partner für möglich. Das BMVg lässt sich indessen nicht in die Karten schauen: Die Bundeswehr passe ihr technisches Fähigkeitsportfolio laufend an die veränderte Bedrohungslage an, teilte ein Sprecher des Ministeriums auf Nachfrage mit. Zu weiteren Details wollte er keine Auskunft geben.
Lars Hoffmann












