Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems betrachtet Deutschland als zukünftigen „Hub“ für die Produktion von Artillerieraketen für das System EuroPULS. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche bei einer Präsentation vor Journalisten in Israel deutlich machte, sollen in Zukunft von Deutschland aus auch andere Streitkräfte in Europa mit Munition für das EuroPULS-Raketenartilleriesystem beliefert werden. Bislang ist öffentlich bekannt, da sich neben Deutschland die Niederlande und Dänemark für die Einführung des Systems entschieden haben. Auch Griechenland könnte womöglich einen Beschaffungsauftrag erteilen.
Wie es heißt, laufen im Augenblick Gespräche mit möglichen deutschen Partnern für den Aufbau einer Produktion. Beim PULS-System ist Elbit vor längerer Zeit eine Kooperation mit Diehl Defence und KNDS Deutschland eingegangen. Bereits im September 2024 hatten Elbit und Diehl Defence vereinbart, Raketen und fortschrittliche Übungsraketen für PULS- und EuroPULS-Raketenwerfer zu liefern, die speziell auf die Anforderungen der europäischen Raketenartillerie zugeschnitten sind.
Der EuroPULS-Werfer, eine gemeinsame Initiative von Elbit und KNDS Deutschland, hat zum Ziel, die europäischen sowie technischen und operationellen Anforderungen der NATO zu erfüllen. Die Kooperationsvereinbarung zwischen Elbit und Diehl Defence ergänze diese Initiative und werde die Entwicklung und Produktion von Raketenmunition für PULS und EuroPULS-Werfer in Europa ermöglichen, hieß es damals in einer Mitteilung.
Elbit Systems Deutschland wird nach Informationen von hartpunkt einen signifikanten Anteil der Produktion in Deutschland übernehmen in Kooperation mit anderen lokalen Firmen, wie MBDA Deutschland und dem MBDA-Tochterunternehmen Bayern Chemie. Bekanntlich arbeitet MBDA an einer Abstandswaffe großer Reichweite mit der Bezeichnung Joint Fire Support Missile, die auch in das EuroPULS-System integriert werden könnte, während die Bayern-Chemie als Spezialist für Raketenmotoren gilt. Perspektivisch sollen offenbar alle in Deutschland genutzten PULS-Munitionssorten auch vor Ort hergestellt werden. Beobachter gehen davon aus, dass die Bundeswehr einen Bedarf für PULS-Raketen des Typs Extra hat, die laut Hersteller eine Reichweite von 150 Kilometer aufweist. Weitere Bedarfe sollen für Trainingsraketen kurzer Reichweite und Extra-Raketen mit der Panzerabwehrmine AT 2 als Gefechtskopf bestehen. Womöglich könnte in der zweiten Jahreshälfte eine sogenannte 25-Mio-Vorlage über die Beschaffung von PULS-Raketen in den Bundestag eingebracht werden.
In einem ersten Schritt hat die Bundeswehr fünf PULS-Werfersysteme bei Elbit geordert, die die Grundlage für das „Zukünftige System Indirektes Feuer große Reichweite“ bilden sollen. Die Werfer werden in Kooperation mit KNDS Deutschland entwickelt und sollen von der Bundeswehr getestet und für die Zulassung zertifiziert werden. Die deutschen Werfer werden offenbar auf der 8×8-Lkw-Plattform IVECO Trakker realisiert. Nach Angaben des Herstellers ist allerdings auch eine Integration auf anderen Fahrzeugen möglich, etwa auf solchen der Hersteller Oshkosh, RMMV oder Tatra. Ein weiterer Vorteil des Systems besteht aufgrund des offenen Leiterrahmens darin, dass gleichzeitig Raketentypen unterschiedlicher Leistungsklassen und damit unterschiedlicher Abmessungen geladen werden könnten. Wie es heißt, können bei entsprechenden Fahrzeugplattformen Container und Launch-Pods bis 6,5 Metern Länge aufgenommen werden.
Lars Hoffmann















