Chinesische Militärparade präsentiert neue maritime Flugkörper und Drohnen

Alexander Luck

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Die Entwicklung der Waffentechnologie in China konzentriert sich allem Anschein nach auf eine potenzielle militärische Auseinandersetzung, bei der der maritime Aspekt eine besonders wichtige Rolle spielt. So verwundert es nicht, dass im Rahmen der kürzlich stattgefundenen chinesischen Militärparade umfangreiche Neuentwicklungen im Bereich der Flugkörper und Drohnen präsentiert wurden, die für den maritimen Kontext von hoher Relevanz sind. Der Beitrag bietet einen Überblick.

Am 3. September veranstaltete das chinesische Militär die von China-Beobachtern lang erwartete Parade zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Pazifik. Das Datum markiert den 80. Jahrestag des offiziellen Endes der Feindseligkeiten nach der formellen Kapitulation Japans am 2. September 1945 an Bord des amerikanischen Schlachtschiffs USS Missouri in der Bucht von Tokio.

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Die chinesischen Streitkräfte, die damals die Republik China vertraten, hatten am 3. September 1945 in der zentralchinesischen Stadt Chongqing eine Siegesparade abgehalten. Die Volksrepublik China bezeichnete die Veranstaltung in ihren offiziellen Ankündigungen als „80. Jahrestag des Widerstandskriegs des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression und des weltweiten antifaschistischen Krieges“.

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Im Rahmen der chinesischen Militärparade präsentierte die Volksbefreiungsarmee zahlreiche neue oder erst kürzlich vorgestellte Waffensysteme. Dabei decken die Waffensysteme das gesamte Spektrum der See-, Luft- und Bodenstreitkräfte ab. Zusätzlich ergänzte eine Flugvorführung von Hubschraubern der Volksbefreiungsarmee, der Luftstreitkräfte und der Marine die Veranstaltung auf der Chang’an Allee in Peking.

Der Fokus dieses Beitrages liegt auf einen Überblick über die präsentierten Marinewaffensysteme sowie die Beschreibung der bemerkenswertesten Entwürfe. Zudem werden offene Fragen beleuchtet, respektive der weitere Kontext der Veranstaltung. Dabei ist bereits eingangs festzuhalten, dass sowohl die Flugkörper als auch die bei den Überflügen demonstrierten Luftfahrzeuge im Besonderen die laufende Modernisierung der PLAN-Trägerflotte sowie der Überwasserkampfschiffe und U-Boote hervorhoben.

Luftverteidigungsfähigkeiten

Die chinesische Militärparade umfasste ein eigenes Segment mit seegestützten Luftverteidigungsflugkörpern, darunter die Raketensysteme HHQ-9C, HQ-16C und HQ-10. Darauf folgte die neue schiffsgestützte Direktenergie-Laserwaffe LY-1. Die Reihenfolge der Präsentationen verdeutlichte die Luftverteidigungsfähigkeiten von den Abfangsystemen mit der größten bis zur kürzesten Reichweite.

HHQ-9C

HHQ-9C bei der Parade. Beachtenswert ist die rot markierte Lageregelungsfläche vor der Markierung.
HHQ-9C bei der Parade. Beachtenswert ist die rot markierte Lageregelungsfläche vor der Markierung. (Bild: Sinodefenceforum)

Das Waffensystem HHQ-9 repräsentiert die Langstrecken-Luftverteidigungsfähigkeit der PLAN. Der Flugkörper wurde ursprünglich auf den Raketenzerstörern der Baureihe 052C integriert und war mit einem spezifischen vertikalen Startsystem (VLS) ausgestattet. HHQ-9B ist eine Variante mit erweiterter Reichweite und bereits auf den Raketenzerstörern Typ 052D und Typ 055 in Nutzung. Diese Modelle starten die Munition mit ihrem „universellen“ vertikalen Startsystem (UVLS).

Die neue HHQ-9C-Variante verfügt über einen schlankeren Rumpf, der auf einem größeren Booster sitzt. Der Rumpf enthält außerdem bemerkenswerte Lageregelungstriebwerke, die die Flugsteuerflächen im vorderen Segment ersetzen. Ihre genauen Fähigkeiten bleiben bis heute unbestätigt. Beobachter ziehen jedoch Vergleiche mit den Patriot PAC-3 CRI- und MSE-Flugkörpern und schreiben ihr Fähigkeiten zur endoatmosphärischen Luftverteidigung in großen Höhen, auch gegen ballistische Raketen zu. Weitere Spezifikationen, darunter die Frage, ob der Gefechtskopf ein Hit-to-Kill- oder ein Splittersprengkopf mit Annäherungszünder ist, sind ebenfalls nicht bekannt. Die kompakte Bauweise könnte es jedoch ermöglichen, zwei Flugkörper in eine UVLS-Zelle zu laden, doch auch dies bleibt spekulativ.

HQ-16C

Die HQ-16 ist eine Mittelstrecken-Flugabwehrrakete der PLAN, die hauptsächlich auf Mehrzweckfregatten des Typs 054A und 054B eingesetzt wird. Der Flugkörper nutzt das H/AKJ-16 VLS und ist auch auf verschiedenen modernisierten älteren Raketenzerstörern integriert, insbesondere auf den Kampfschiffen des Typs 051C, des Typs 052B und der Sovremenny-Klasse.

Das operative Pendant zur HQ-16 in westlichen Marinen ist die amerikanische RIM-162 ESSM. Im Gegensatz zur ESSM kann die HQ-16 jedoch nicht in Vierfachbestückung eingesetzt werden, sodass eine Zelle pro Rakete erforderlich ist. Die HQ-16B ist eine reichweitenerweiterte Variante des ursprünglichen Typs. Die HQ-16C ist eine Weiterentwicklung der B-Variante, die unter anderem über größere Steuerflächen und einen möglicherweise neuen Raketenmotor verfügt.

Das Muster ist auf Fregatten des Typs 054A und vermutlich auch auf der neueren 054B integriert. Interessanterweise wurde die Rakete in den offiziellen Aufnahmen der chinesischen Militärparade nicht gezeigt, sodass nur wenige, detaillierte Fotos zur Verfügung stehen.

HQ-10

HQ-10 ist das Kurzstreckenraketenabwehrsystem der PLAN. Ihr westliches Gegenstück ist die RIM-116 RAM-Rakete. Dieses Modell ist seit längerer Zeit auf zahlreichen Kampfschiffen der PLAN im Einsatz. Die bei der Parade gezeigten Systeme lieferten keine neuen Informationen über ihre Fähigkeit.

LY-1 Marine-Laserwaffe

Ganz anders ist der Fall der laserbasierten Energiewaffe LY-1 gelagert. Über die Existenz dieses Systems wurde bereits berichtet. Ein Demonstrator ist seit August letzten Jahres auf einem amphibischen Transportdock Typ 071 im Einsatz.

Bei der Parade konnten Beobachter erstmals einen genaueren Blick auf die Konfiguration werfen. LY-1 steht im Einklang mit verschiedenen westlichen Bemühungen, ein Energiewaffensystem für die Luftverteidigung im Nahbereich zu entwickeln. Die Vorteile von Energiewaffen liegen in der theoretisch unbegrenzten Magazintiefe und den sehr niedrigen Kosten pro Schuss. Beides sind wünschenswerte Faktoren für Kriegsschiffe, die sich gegen Sättigungsangriffe verteidigen müssen. Genaue Spezifikationen bleiben wie üblich geheim.

LY-1 ist vermutlich eine Festkörperlaserwaffe im zweistelligen Kilowattbereich. Ihre Anwesenheit bei der Parade deutet auf einen fortgeschrittenen Entwicklungsstand bei der PLAN hin. Interessanterweise handelt es sich bei dem Trägerfahrzeug um eine Sonderanfertigung und nicht nur um eine Ausstellungsplattform. Dies lässt auf eine mögliche landgestützte Anwendung neben dem Einsatz auf Marineschiffen schließen.

Antischiffsflugkörper

Als nächstes folgten verschiedene völlig neue Entwürfe für Antischiffsflugkörper. Dazu gehörten die Waffensysteme YJ-15, YJ-17, YJ-19 und YJ-20.

YJ-15

Basierend auf der gezeigten Konfiguration ist die YJ-15 eine neue luftatmende Überschall-Antischiffsrakete mit einem mantelstrahlgetriebenen Staustrahltriebwerk. Sie weist ein relativ kompaktes Design auf, das ältere Unterschall-Antischiffsraketen wie die YJ-83-Serie theoretisch ersetzen könnte. Technische und operative Details bleiben reine Spekulation. Auch die Trägerplattform ist noch spekulativ.

Angesichts der kompakten Abmessungen ähnlich der YJ-83 könnte die YJ-15 prinzipiell aus auf Deck montierten Behältern gestartet werden, für den Einsatz von Luftfahrzeugen aus vorgesehen sein oder sogar beides. In Anbetracht der Erweiterung der trägergestützten Angriffskapazität durch die bald in Dienst gestellte CV-18 Fujian und ihr neues Geschwader besteht ein logischer Bedarf an einer neuen Generation von Antischiffsraketen.

YJ-17

Die YJ-17 scheint ein Hyperschallflugkörper zu sein, der auf einer großen ersten Stufe montiert ist. Die Konstruktion könnte kompatibel mit den UVLS der Typ 052D, Typ 055 und zukünftigen Überwasserkampfschiffen sein.

Schräg auf Deck angeordnete Starter erscheinen weniger wahrscheinlich. Eine interessante, aber rein theoretische Möglichkeit ist der hypothetische Einsatz von U-Booten mittels VLS von neuen nuklearbetriebenen Modellen wie Typ 09IIIB und zukünftigen Typen.

YJ-19

Die YJ-19 scheint eine Überschall- oder sogar Hyperschallrakete zu sein, je nach Antriebsart. Das Design des Ansaugtrakts erinnert an den amerikanischen X-51 Waverider mit Scramjet-Antrieb.

Interessanterweise ist der Rumpf vergleichsweise schlank, was einen Start aus 533-mm-Torpedorohren chinesischer konventioneller und nuklearer U-Boote nahelegt. Ähnlich wie bei der YJ-17 ist die Startplattform jedoch noch unbestätigt.

YJ-20

Die YJ-20 ist wahrscheinlich die einzige Rakete dieser Kategorie von Paradeexponaten, die zuvor an Bord von PLAN-Kampfschiffen gesehen wurde. Insbesondere 2022 in den sozialen Medien kursierende Aufnahmen zeigten eine Typ 055 DDG, die eine auffallend ähnliche Waffe von ihrem UVLS abfeuerte.

Das Design wurde weithin fälschlicherweise als YJ-21 bezeichnet. Bei der YJ-20 handelt es sich offenbar um eine ballistische oder aeroballistische Rakete. Die Endstufe könnte zu Hyperschallmanövern gegen Marineziele fähig sein. Der Einsatz der YJ-20 ist wahrscheinlich auf den UVLS-Start beschränkt. Ähnlich wie bei der YJ-17 scheint jedoch eine U-Boot-gestützte Fähigkeit über VLS zumindest theoretisch möglich.

Torpedos und Minen

Auf die Flugkörper folgten bei der Parade Fahrzeuge mit neuen Torpedos und Drohnen. Den Auftakt machte der Leichtgewichtstorpedo AMB012, gefolgt vom raketengestützten Leichtgewichtstorpedo AJC015 und dem SchwergewichtstorpedoAQA010. Den Abschluss bildete die etwas mysteriöse torpedogestützte Munition AQS003A.

Bei der Parade waren zwei Leichtgewichtstorpedos (LWT) zu sehen. Der AMB012 ähnelt in seiner Gesamtkonfiguration dem Yu-7. Als Leichtgewichtstorpedo dient das Design wahrscheinlich als Ersatz für bestehende luftgestützte LWTs und vermutlich auch für relevante Überwasserkampfschiffe mit LWT-Deckwerfern.

Der AJC015 ist ein raketengestütztes LWT-Design, das für den Start aus Deckbehältern geeignet ist und auch Anti-Schiff-Raketen der YJ-83-Serie aufnehmen kann, wie sie beispielsweise von Korvetten des Typs 056A und Fregatten des Typs 054A/B eingesetzt werden. Die Waffe entspricht dem ET81, die auf verschiedenen Messen für den Export gezeigt wurde. In früheren PR-Veröffentlichungen wurde der ET-81 auch als Yu-11E bezeichnet. Im Gegensatz zum Yu-8 scheint der AJC015/ET81 nicht für den VLS-Start geeignet zu sein.

AQA010

Der neue Schwergewichtstorpedo (HWT) mit 533 mm Durchmesser soll künftig in relevanten chinesischen Angriffs-U-Booten sowohl konventioneller als auch nuklearer Bauart zum Einsatz kommen. Damit würde das Design den seit einigen Jahren im Einsatz befindlichen Yu-6 HWT theoretisch ersetzen oder ergänzen.

In den vergangenen Jahren bezogen sich Spekulationen über Yu-6-verwandte Varianten auf Weiterentwicklungen mit den Bezeichnungen Yu-9 und Yu-10. Die Bezeichnung AQA010 könnte sich auf die Yu-10 beziehen, dies bleibt jedoch vorerst offen.

AQS003A

Das mysteriöseste Design im U-Boot-Segment der Parade war das AQS003A. Die Konfiguration ist ein gekapselter Rumpf, der wahrscheinlich aus 533-mm-Torpedorohren abgefeuert werden kann. Welche Munition oder welches Fahrzeug genau mitgeführt wird, bleibt jedoch ein Rätsel.

Offizielle Kommentare bezeichneten das Design als eine aus einem Torpedorohr abgefeuerte Mine. Von U-Booten abgefeuerte mobile Minen sehen Torpedos sehr ähnlich, ein Beispiel ist die amerikanische Mk 67 SLMM. Das AQS003A ist dagegen ein eigenständigeres Design. Die Konfiguration weist einige auffallende Ähnlichkeiten mit amerikanischen Bemühungen um aus Torpedorohren einsetz- und wiederverwendbaren Unterwasserdrohnen auf.

Trotzdem wurde das System in der Parade mit anderen Torpedodesigns in eine Gruppe gestellt, was zumindest auf eine ähnliche kinetische Anwendung hindeutet.

Marinedrohnen

Die Marinedrohnenentwürfe bei der chinesischen Militärparade wurden vom unbemannten Unterwasserfahrzeug HSU100 angeführt. Als nächstes folgte eine unbemannte Oberflächendrohne in auffälliger Marinetarnung. Das dritte und letzte gezeigte System war eine weitere unbemannte Unterwasserdrohne mit der Bezeichnung AJX002.

Unterwasser-Marinedrohne HSU100

Das große UUV HSU100 scheint ein hochleistungsfähiges Überwachungs- und Aufklärungssystem zu sein. Ähnlich wie das zweite UUV bei der Parade erfordert dieses Modell den Start von einem großen Überwasserschiff oder direkt von einer entsprechend ausgestatteten Hafeninfrastruktur.

Das HSU100 verfügt über ein markantes Flankenarray-Sonar und eine auffällige Öffnung am Bug. Zusätzlich kann das Fahrzeug verschiedene Sensor- und Kommunikationsmasten aus einer Luke auf dem Rumpf ausfahren.

Der Antrieb ist noch unbekannt, umfasst aber einen Mantelpropeller und X-förmige Ruder am Heck. Die Unterwasserdrohne wird vermutlich vollständig batteriebetrieben sein, analog zu ausländischen Modellen wie dem Anduril Ghost Shark. Alternativ könnte die HSU100 über einen Schnorchel für dieselelektrischen Antrieb verfügen, was auf den Paradebildern jedoch nicht zu erkennen ist.

unbenannte Überwasser-Marinedrohne

Bei diesem Entwurf mit unbekannter Bezeichnung handelt es sich um ein kompaktes unbemanntes oder möglicherweise optional bemanntes Überwasserfahrzeug mit Signaturreduzierung.

Die USV scheint Minenräumaufgaben zu übernehmen, da sie über eine Winde verfügt, die das Ausbringen von Minenräumgerät unterstützt. Das Boot trägt zur Selbstverteidigung eine mittelkalibrige Maschinenkanone mit elektrooptischer Feuerleitlösung am Bug. Der Antrieb erfolgt über zwei Wasserstrahltriebwerke. Die Gesamtkonfiguration lässt auf den Einsatz in flachen Gewässern und Küstengebieten schließen. Theoretisch ist das Boot auch für eine begrenzte U-Boot-Abwehr geeignet. Weitaus wahrscheinlicher ist jedoch der Einsatz zur Minenräumung, um ältere PLAN-Modelle wie die ferngesteuerten Minensuchdrohnen des Typ 529 zu ersetzten.

AJX002

Das zweite UUV in der Parade sorgte für erhebliche Spekulationen, als es im Rahmen der Vorbereitungen auf den Straßen Pekings auftauchte. Aufgrund der überdimensionalen Torpedoform zogen Beobachter sofort eine Verbindung zu russischen Bemühungen um die nuklearbetriebene Langstreckenwaffe Poseidon. Solche Vergleiche sind jedoch wenig begründet und lenken wahrscheinlich vom eigentlichen Zweck der Drohne ab.

Offizielle Kommentare bei der Parade spezifizierten die AJX002 als unbemannten Minenleger. Die Fähigkeit zum UUV-basierten Verlegen von Seeminen haben bei westlichen Marinen großes Interesse geweckt. Die bekanntesten Beispiele sind das Boeing Orca AUV und der von Australien unterstützte Anduril Ghost Shark.

Die AJX002 hat einen schmaleren Rumpf als die HSU100 und eine andere Ruderanordnung. Ähnlich wie die Überwachungsdrohne verwendet die UUV jedoch einen Mantelpropeller. Wie die HSU100 erfordert auch diese Konstruktion ein ausreichend großes Schiff oder eine geeignete Infrastruktur an Land für Start und Bergung.

Marinefliegerei

Der Luftfahrtteil der chinesischen Militärparade wurde von vier verschiedenen Entwürfen für die Rollen Loyal Wingman und kollaborative unbemannte Kampfflugzeug dominiert. Aus maritimer Sicht waren jedoch auch eine weitere Version des bereits bekannten Nurflüglers GJ-11 und eine Hubschrauberdrohne mit Klapprotor für Schiffseinsätze relevant.

GJ-11/21

Der GJ-11-Nurflügler ist eine Kampfdrohne (UCAS), die erstmals bei der Parade zum chinesischen Nationalfeiertag 2019 zu sehen war. Die Drohne entwickelte sich aus dem Nurflügler-Demonstrator „Sharp Sword“, der 2013 seinen Erstflug hatte.

Die neue Variante, die bei der Veranstaltung 2025 gezeigt wurde, scheint die trägergestützte Version zu sein. Beobachter bezeichnen den Typ als GJ-21. Im Gegensatz zum Modell von 2019 scheint die neue UCAS über klappbare Flügel zur platzsparenden Lagerung an Bord zu verfügen.

Auch die Triebwerksdüse weist eine Modifikation zum Vorgänger auf. In Peking waren zwei Luftfahrzeuge mit den Nummern 21 und 22 vertreten. An der eigentlichen Schau nahm jedoch nur eine Drohne teil. Die Nummerierung könnten darauf hindeuten, dass es sich bei den UCAS tatsächlich um einsatzfähige Systeme und nicht nur um Attrappen handelte.

Hubschrauberdrohne

Eine Hubschrauberdrohne war das zweite UAS mit eindeutigem Marinehintergrund. Das unbenannte VTOL-Design ähnelt dem AVIC AR-2000, der auf verschiedenen Messen, darunter 2023 in Dubai, zu sehen war.

Es ist außerdem weitgehend identisch mit den verschiedenen VTOL-Modellen, die in der Nähe und an Bord der im Bau befindlichen amphibischen Angriffsschiffe des Typs 075 in Hudong zu sehen waren, sowie an Bord der neueren, mit Katapulten ausgestatteten Typ 076 LHA.

Strategische Waffensysteme

Der strategische Systeme zeigende Teil der Parade umfasste den neuen Bodenziel-Marschflugkörper YJ-18C und die ebenfalls neue, mit Atomsprengköpfen ausgestattete, U-Boot-gestützte ballistische Rakete JL-3. Darüber hinaus war in dieser Gruppe auch die luftgestützte ballistische Rakete YJ-21 vertreten.

YJ-18C

Dieser Flugkörper trägt die gleiche Bezeichnung wie der an Bord der Typ 052D und Typ 055 DDG befindliche Schiffsabwehrflugkörper YJ-18A sowie das entsprechende U-Boot-Modell YJ-18B. Im Gegensatz zu diesen YJ-18-Varianten weist das Design einen völlig anderen Rumpf mit anderen Steuerflächen auf, abgesehen von den großen ausklappbaren Flügeln im Mittelteil.

Der eckige Rumpf der YJ-18C scheint auf Signaturreduzierung optimiert zu sein und verfügt außerdem über eine markante Öffnung am vorderen Ende. Die Zuordnung zu den strategischen Systemen, wie sie durch die ZL-Seriennummer der Trägerfahrzeuge gekennzeichnet ist, deutet auf eine Langstrecken-Bodenzielrolle hin. Ob der YJ-18C die Überschallfähigkeit der YJ-18 beibehält oder alternativ ein reiner Unterschallflugkörper ist, bleibt unklar.

Die tatsächliche Einsatzplattform bleibt ein Rätsel. Der Bezeichnung nach könnte der YJ-18C für den Einsatz auf See geeignet sein. Die offensichtlichsten Trägersysteme sind mit UVLS ausgerüstete Kriegsschiffe, ähnlich dem YJ-18A. Schiffe des Typs 055 sorgen seit Jahren für Spekulationen über eine Befähigung zum Einsatz von LACMs (Land Attack Cruise Missiles). Darüber hinaus erscheint eine von U-Booten aus einsetzbare VLS-Variante, ähnlich wie bei YJ-17 und YJ-20, als möglich. Eine zusätzliche landgestützte Nutzung ist ebenfalls denkbar.

YJ-21

Die YJ-21 ist eine luftgestützte ballistische Rakete, die mit den bereits bekannten Waffen der Bezeichnungen KD-21 und 2PZD-21 identisch zu sein scheint. Unter dieser Bezeichnung handelt es sich bei der YJ-21 um einen weiteren Antischiffs- bzw. Doppelfunktionsflugkörper. Wie bereits kursierende Bilder zeigen, ist der H-6-Bomber der PLAAF die primäre Startplattform gegen See- und Landziele.

Beobachter hatten die Bezeichnung YJ-21 zuvor mit der schiffsgestützten ballistischen Rakete in Verbindung gebracht, die von einer Typ 055 DDG abgefeuert werden kann und nun als YJ-20 bezeichnet wird. Ob die jetzt gezeigte YJ-21 auch in einer schiffsgestützten Variante gefertigt werden wird, bleibt abzuwarten.

JL-3

Die JL-3 ist die aktuelle nuklear bewaffnete U-Boot-gestützte ballistische Rakete (SLBM) der PLAN. Der Entwurf ähnelt den Vorgängern JL-1 und JL-2 und stellt den seegestützten Teil der chinesischen nuklearen Abschreckung sicher.

Die Rakete hat eine geschätzte Reichweite von 10.000 km und trägt eine nicht näher spezifizierte Anzahl von MIRV-Submunitionen. Berichten der US-Regierung zufolge ist das JL-3-System seit spätestens 2022 auf U-Booten der Serie 09IV zusammen mit weiteren mit ballistischen Raketen im Einsatz.

Vorführung in der Luft

Die Flugvorführungen im Rahmen der chinesischen Militärparade beinhalteten auch eine prominente Marinefliegergruppe. Die Luftfahrzeuge bestand aus den neuen U-Jagdflugzeugen auf Basis der Y-9 sowie einer bedeutenden trägergestützten Abteilung mit den Typen J-15, J-35 und der neuen KJ-600 AEWC. Die J-35 und die KJ-600 wurden bei der Veranstaltung erstmalig offiziell präsentiert.

Es ist jedoch festzuhalten, dass über die erwähnten ersten öffentlichen Auftritte hinaus im Rahmen dieser Veranstaltung keine weiteren Erkenntnisse generiert werden konnten.

Resümee

Rückblickend veranschaulichte die chinesische Militärparade 2025 in Peking die fortschreitende Modernisierung und Weiterentwicklung der chinesischen Marinekapazitäten, insbesondere der Flugkörper für Angriff und die Luftverteidigung. Neue Unterwasser- und Überwasserdrohnen wurden ebenfalls bei den Paraden gezeigt. Der Umfang des Einsatzes beider Fähigkeiten bleibt jedoch etwas ungewiss.

Der allgemeine Tenor der gezeigten Fähigkeiten scheint die operativen Ambitionen der PLAN zu betonen, amerikanische Seestreitkräfte abzuschrecken oder im Falle eines Konflikts eine reale, vielschichtige Bedrohung für die amerikanischen Fähigkeiten darzustellen.

Obwohl der Ukraine-Konflikt vielfach als transformative oder bahnbrechende Entwicklung in Bezug auf Fähigkeiten wie Kleinstdrohnen bezeichnet wurde, spiegelt die Parade in Bezug auf die Anwendungen für Seestreitkräfte weitgehend die konventionellen Vorstellungen wider. Neue Raketen und Kampfflugzeuge dienen bei einer primär landgestützten Ausrichtung der Systeme teilweise als Ersatz für komplexe und teure Marinefähigkeiten, die später nicht zum Einsatz kommen können. Zu diesen in der Öffentlichkeit oft als veraltet bezeichneten Mitteln gehören Flugzeugträger, Atom-U-Boote, Raketenzerstörer und große amphibische Angriffsschiffe.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien. Der Beitrag erschien erstmalig am 4.09.2025 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.