Neue Bilder, die in den sozialen Medien kursieren, haben ein zweites neues Hilfsschiff für die chinesische Marine (PLAN) enthüllt. Beobachter vermuten, dass der Entwurf als Mutterschiff und Tender für groß dimensionierte Unterwasserdrohnen (extra-large uncrewed underwater vehicles, oder XLUUV) dient, der mithilfe der Bordausrüstung sehr große Drohnen unterstützen kann.
Bei den fraglichen Fotos handelt es sich um Ausschnitte aus zwei sehr kurzen Videoclips, die ursprünglich in den chinesischen sozialen Medien, speziell auf Weibo, geteilt wurden. Die neuen Bilder verbreiteten sich rasch auf anderen Websites und in Foren, darunter „X“, vormals Twitter. Überprüfungen mit mehreren KI-Erkennungstools deuten darauf hin, dass die Videos authentisch sind, auch wenn oberflächliche „Verbesserungen“ mithilfe von KI-Software nicht ausgeschlossen werden können.
Die Aufnahmen zeigen das neue Hilfsschiff im Transfer mittels mehrerer Hafenschlepper. Umfangreiche Gerüste um den Aufbau ebenso wie das Fehlen sämtlicher Sensor- und Kommunikationsausrüstung illustrieren, dass die Fertigstellung noch bevorsteht. Geografisch können die Aufnahmen auf dem Perlfluss in Guangzhou verortet werden, speziell ein Abschnitt in der Nähe des Bezirks Panyu, da im Hintergrund markante Gebäude der Entwicklungsabteilung des chinesischen Automobilherstellers GAC zu sehen sind. Die wahrscheinliche Bauwerft des Schiffes ist die mit Huangpu Wenchong verbundene COMEC-Werft auf der weiter flussabwärts gelegenen Insel Longxue. Mindestens zwei weitere, weiter flussaufwärts gelegene Werften von Huangpu kommen als Kandidaten für den Abschluss der Ausrüstungsarbeiten infrage. Eine davon ist die Hauptwerft von Huangpu für eine breite Palette von Marineschiffen, darunter Fregatten, Überwachungsschiffe, das in China als Typ 728 bezeichnete LCAC der Zubr-Klasse und ein kürzlich erschienenes Tauchfahrzeug in Trimaran-Bauweise.
Die hartpunkt-Partnerseite Naval News berichtete im September dieses Jahres über ein mutmaßliches neues chinesisches UUV-Mutterschiff, das von der Bauwerft Hudong in Shanghai konstruiert wurde. Dieses Schiff, mit einer Länge von etwas mehr als 200 Metern, verfügt auf dem hinteren Aufbau über zwölf separate Hebemasten. Der wahrscheinlichste Zweck dieses Mechanismus besteht darin, eine Ladeschale zu heben und zu senken, welche im unteren Heckbereich installiert ist. Die geschätzten Abmessungen dieser Plattform, wie sie auf der Werft in Shanghai beobachtet wurden, würden es der Vorrichtung ermöglichen, große Nutzlasten mit einer Länge von bis zu 50 Metern auf hoher See auszusetzen und zu bergen. Der groß proportionierte Rumpf suggeriert, dass dieses Mutterschiff mehrere derartige XLUUV für den Einsatz transportieren kann. Satellitenbilder haben in der Vergangenheit gezeigt, dass China mindestens zwei sehr große UUV-Entwürfe mit Längen zwischen 35 und 45 Metern erprobt. Aufgrund ihrer Größe wären diese getauchten Drohnen die weitaus größten bekannten militärischen UUVs der Welt. Der größte vergleichbare Entwurf in westlichen Staaten ist die Unterwasserdrohne Orca des amerikanischen Herstellers Boeing mit einer Gesamtlänge von bis zu 26 Metern, die derzeit für die US-Marine erprobt wird.
Das neue Hilfsschiff, das nun in Guangzhou zu sehen ist, unterscheidet sich in mehreren Punkten von der Einheit in Shanghai. Der Rumpf scheint kürzer und schmaler zu sein, wodurch das Schiff insgesamt kleiner ausfällt. Erste Beobachtungen deuten auf eine Länge von etwa 150 Metern hin. Die Hubmasten am Heck weisen eine leicht unterschiedliche Konfiguration auf. Anstelle von zwölf Masten, jeweils zwei nebeneinander und auf unterschiedlichen Höhen wie beim in Shanghai gebauten Schiff, verfügt die Einheit in Guangzhou lediglich über sechs ausgefahrene Masten ähnlicher Höhe in einer ähnlichen Anordnung wie auf der Variante von Hudong. Beide Schiffe verfügen über einen hohen Aufbau im vorderen Bereich, der die Brücke sowie auf der Rückseite einen hangarähnlichen Arbeitsbereich beinhaltet, ähnlich wie zahlreiche Docklandungsschiffe westlicher Konstruktion.
Der Antrieb erscheint weitestgehend baugleich mit der Variante aus Shanghai, mit seitlich angeordneten Schloten für die Schiffsdiesel. Das Erscheinungsbild der Schlote legt Unterschiede in der installierten Antriebsleistung nahe, was durch die geringere Größe des Mutterschiffs von COMEC (CSSC Offshore Marine Engineering Company) erklärbar ist. Die Rumpfform weist deutliche Unterschiede zwischen beiden Entwürfen auf, motiviert durch die unterschiedliche Größe, die den Entwurf aus Shanghai mit den nach innen geneigten Bordwänden stromlinienförmiger erscheinen lässt. Beide Schiffe verfügen am Heck über eine Öffnung, die dem Tor eines Welldecks ähnelt.
Die mutmaßliche Bauwerft COMEC, früher bekannt als GSI (Guangzhou Shipyard International), hat sich in den letzten Jahren intensiv am Bau einer Reihe von Hilfsschiffen für die chinesische Marine beteiligt. Am bemerkenswertesten darunter sind zwei Gruppen amphibischer Landungsbrücken, welche die Werft, wie von hartpunkt berichtet, seit etwa 2024 konstruiert hat. Beobachter betrachten diese Entwürfe im Zusammenhang mit einer Unterstützungsrolle bei einer hypothetischen amphibischen Invasion Taiwans.
COMEC baut des Weiteren Flottenversorger für die PLAN, darunter ein zweites Los des Typs 903A, mit einer Verdrängung um die 20.000 Tonnen. Vor wenigen Monaten ließ die Werft den ersten Rumpf eines neuen, wesentlich größeren Flottenversorgers vom Stapel. Dieses AOR ähnelt den beiden Einsatzgruppenversorgern des Typs 901, welche insbesondere chinesische Flugzeugträger begleiten. Ein zweiter Rumpf dieses Typs mit einer Verdrängung von rund 65.000 Tonnen ist derzeit im Bau. Zu den weiteren jüngsten Projekten gehören zwei neue Typen von U-Boot-Tendern, ein experimenteller neuer Entwurf mit Landedeck ähnlich einem Flugzeugträger, der offenbar zur Erprobung von unbemannten Luftfahrtsystemen vorgesehen ist, sowie die dritte Einheit des Hospitalschiffs des Typs 920, das 2025 bei der PLAN in Dienst ging.
Der exakte Zweck des mutmaßlichen neuen Mutterschiffs für Drohnen wird wahrscheinlich noch geraume Zeit Anlass zu Spekulationen geben. Das chinesische Militär teilt sehr selten umfangreiche Informationen über neue Bauprojekte. Dies gilt insbesondere für Entwürfe mit Spezialrollen. Eine weitergehende Einschätzung muss detaillierteren zukünftigen Bildaufnahmen vorbehalten bleiben, damit der exakte Zweck dieser neuen Hilfsschiffe für die operative Auslegung der chinesischen Marine abschließend geklärt werden kann.
Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.


















