Brennpunkt Indopazifik – China droht, Trump überrascht und Japan übt

Alexander Luck

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Die dynamische Entwicklung im Indo-Pazifik hat auch für Deutschland und Europa große Auswirkungen in der globalisierten Welt. In der hartpunkt-Kolumne „Brennpunkt Indopazifik“ werden regelmäßig die wichtigsten Ereignisse am anderen Ende der Welt beleuchtet.

Australien – China

Am 20. Oktober wurde ein australisches Seeraumüberwachungsflugzeug vom Typ P-8A Poseidon erneut von einem chinesischen Kampfflugzeug im Südchinesischen Meer bedrängt. Der Kampfjet des Typs Su-35 der chinesischen Luftwaffe (PLAAF) löste in unmittelbarer Nähe der RAAF-Maschine zwei IR-Täuschkörper aus. Laut australischem Verteidigungsminister Richard Marles kam es weder zu Schäden noch Verletzungen durch den Zwischenfall. Dennoch bezeichnete das australische Verteidigungsministerium das Ereignis in einer Pressemitteilung als „unprofessionell und riskant, und es liegt in der Natur dieser Faktoren, dass es zu einem anderen Ausgang hätte führen können“.

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Australische P-8A führen seit mehreren Jahren Überwachungsflüge im internationalen Luftraum über dem Südchinesischen Meer in Zusammenarbeit mit den Philippinen, Japan, den Vereinigten Staaten und Großbritannien durch. Nach wiederholten Zwischenfällen kommuniziert Australien mittlerweile offener über neue Ereignisse, die vor allem Interaktionen mit der chinesischen Luftwaffe und den Marinefliegern betreffen.

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Das Territorialkommando Süd (STC) der chinesischen Streitkräfte, zuständig für die Region, reagierte scharf auf die australische Mitteilung und bezeichnete Australiens Aktivitäten als „Provokation“ sowie als „absurde Propaganda“. China beanspruchte in seiner Antwort den Ort des Zwischenfalls erneut als chinesischen Luftraum, im Rahmen weitreichender und international nicht anerkannter Ansprüche im Südchinesischen Meer, einschließlich nahe der Küste der Philippinen.

Philippinen – USA

Am Rande des offiziellen Treffens der ASEAN-Staaten am 31. Oktober in Kuala Lumpur kündigten der philippinische Verteidigungsminister Gilberto Teodoro und sein us-amerikanischer Amtskollege Pete Hegseth die Gründung einer neuen „Task Force Philippines“ zwischen beiden Staaten an. Prioritäten der neuen Vereinbarung sind erhöhte Zusammenarbeit, verbesserte gemeinsame Planung und vertiefte Interoperabilität zwischen den militärischen und paramilitärischen Kräften der beiden Länder. Hegseth hatte zuvor in einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Dong Jun amerikanische Bedenken bezüglich des chinesischen Verhaltens gegenüber amerikanischen Partnern in der Region angesprochen. Hegseth nannte keine konkreten Staaten, aber dürfte mit seiner Stellungnahme vor allem die Philippinen und Australien im Sinn gehabt haben.

Die neue Initiative ist der jüngste Schritt in einer Reihe von amerikanischen Planungen, die Zusammenarbeit mit den Philippinen bezüglich sicherheitspolitischer Vorhaben in der Region. Im August konkretisierte die US-Marine mittels kommerzieller Anfragen ein Vorhaben, umfangreiche Materialreserven vor allem für das U.S. Marine Corps (USMC) in Subic Bay vorzuhalten. Die Lagerung in klimatisierten Hallen ist vor allem für Fahrzeuge und entsprechende Ausrüstung angedacht, allerdings nicht für Waffen oder Munition.

Südkorea – USA

Donald Trump hat am 29. Oktober in vielbeachteten Kommentaren auf der Social-Media-Plattform „Truth Social“ angekündigt, dass Südkorea nuklear angetriebene Unterseeboote in der Hanwha-eigenen Philadelphia Shipyard in den Vereinigten Staaten bauen wird. Die Kommentare, scheinbar vor allem darauf fokussiert, die amerikanische Schiffbauindustrie wiederzubeleben, haben bei Sicherheitsexperten und Beobachtern der Rüstungsindustrie für Überraschung und Befremdung gesorgt.

Südkorea baut derzeit ausschließlich konventionell angetrieben Unterseeboote auf nationalen Werften von Hanwha und Hyundai Heavy Industries, zuletzt die 4.000 Tonnen getaucht verdrängenden ozeanischen Boote des Typs KSS-III, auch als Dosan Ahn Changho-Klasse bezeichnet. Das Land hat ein seit längerem bekanntes Interesse auch an nuklear angetriebenen Booten. Das staatliche nukleare Forschungsinstitut (Korea Atomic Energy Research Institute, oder kurz KAERI) verfolgt seit mehreren Jahren die Entwicklung sogenannter modularer Reaktoren, unter dem SMART (System Integrated Modular Advanced Reactor)-Vorhaben. Eine Anwendung derartiger kompakter Reaktoren ist laut Sicherheitsexperten ein navalisiertes Antriebskonzept, das auch für Unterseeboote in Frage kommt.

Wie Trumps Kommentare in diesem Zusammenhang einzuordnen sind, bleibt komplett unklar. Die Philadelphia Shipyard ist eine kommerzielle Werft ohne jegliche Erfahrung im Marineschiffbau, geschweige denn zertifiziert für nukleare Entwicklungen. Ob die Vereinigten Staaten willens sind, weitgreifende technologische Kooperation ähnlich dem AUKUS-Vorhaben mit Großbritannien und Australien, auch für Südkorea zu realisieren, bleibt äußerst fraglich.

Dennoch dürfte die hochrangige offizielle Thematisierung einer militärischen nuklearen Fähigkeit Südkoreas in Ostasien erhebliche Konsequenzen haben. China verfolgt seit längerem eine substantielle militärische Aufrüstung, und hat in den letzten drei Jahren seine Flotte an nuklear angetriebenen U-Booten bereits effektiv verdoppelt. Japan tastet sich ebenfalls bisher öffentlich äußerst vorsichtig an das Thema Atomkraft für militärische Zwecke heran. Weitere Schritte dürften durch derartige Überlegungen in Seoul weiteren Auftrieb erhalten.

Japan

Die japanische Marine (Japanese Maritime Self Defense Force, oder JMSDF) hat vom 20. bis zum 31. Oktober ihre größte Übung des Jahres abgehalten. Die als „Joint Field Exercise“ bezeichnete Aktivität beinhaltete verschiedene Übungsaspekte für Marine- und Lufteinheiten der JMSDF sowie internationalen Partnern. Teilnehmer an Joint Field Exercise 2025 waren erneut die US-Marine und das U.S. Marine Corps, die Luftwaffen und Marinen Australiens und Kanadas sowie erstmals die französische Marine und neuseeländische Luftwaffe. Die JMSDF als Veranstalter entsandte unter anderem ihre jüngst zum Flugzeugträger für F-35B Joint Strike Fighter umgerüstete JS Kaga (CVM-184), zusammen mit mehreren amphibischen Transporteinheiten, Zerstörern und mindestens einem U-Boot. Die US-Marine war mit einem Atom-U-Boot, einem Lenkwaffenzerstörer und einem Kreuzer vertreten. Neuseeland als erstmalig teilnehmender Staat entsandte ein Seeraumüberwachunsflugzeug vom Typ P-8A, während Frankreich eine Korvette der Floreal-Klasse abstellte.

Die japanische Übung ist die diesjährige Kulmination einer Reihe von multilateralen militärischen Kooperationen, vor allem mit Fokus auf Marine-Operationen. Tokyo bemüht sich seit mehreren Jahren angesichts der Modernisierung und Expansion vor allem der chinesischen Streitkräfte um weitreichende internationale Zusammenarbeit in sicherheitspolitischen Fragen. Auch die Deutsche Marine und Luftwaffe hatten in jüngsten Jahren Einheiten abgestellt, die mit den japanischen Streitkräften übten. Zuletzt entsandte Japan als Ausdruck dieser Initiativen vier F-15 Kampfjets nach Europa und Kanada, in einem historisch erstmaligen Vorhaben.

Alexander Luck