Die dynamische Entwicklung im Indo-Pazifik hat auch für Deutschland und Europa große Auswirkungen in der globalisierten Welt. In der hartpunkt-Kolumne „Brennpunkt Indopazifik“ werden regelmäßig die wichtigsten Ereignisse am anderen Ende der Welt beleuchtet.
China – Philippinen
Am 11. August ereignete sich im Südchinesischen Meer der bisher schwerwiegendste Zwischenfall zwischen militärischen und paramilitärischen Einheiten Chinas sowie der philippinischen Küstenwache, etwa zehn Seemeilen östlich von Bajo de Masinloc (englisch Scarborough Shoal). Bei der Verfolgung und Bedrängung des philippinischen Wachbootes PRB Suluan (MRVV-4406) kollidierte das chinesische Küstenwachboot Nanyu (3104) mit dem ebenfalls chinesischen Lenkwaffenzerstörers Guilin (164). Die Suluan, ein Wachboot der Parola-Klasse (321 Tonnen) manövrierte hart steuerbord, um der Nanyu, einer Korvette der Klasse 056 (1500 Tonnen), zu entkommen. Dabei näherten sich beide Einheiten in kürzester Zeit der Guilin. Der 7.500 Tonnen verdrängende Zerstörer der 052D-Klasse befand sich ebenfalls auf Abfangkurs gegenüber der Suluan, welche den Kurs des Kriegsschiffs der chinesischen Volksmarine knapp vor dem Bug kreuzte. Die verfolgende chinesische Korvette behielt ihren Kurs bis zuletzt bei und erlitt in der folgenden Kollision mit der Guilin erheblichen Schaden am Bug.
Ob es unter den Besatzungsmitgliedern zu Verlusten kam, ist derzeit noch unklar. Der Zerstörer erlitt leichte Schäden am Rumpf. Die Nanyu machte sich am folgenden Tag unter eigener Kraft und begleitet von einem Versorger der chinesischen Volksmarine auf den Heimweg. Der Vorfall sorgte für erhebliche Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, nachdem Medienvertreter und Angehörige der philippinischen Küstenwache Filmmaterial auf „X“ (ehemals Twitter) und anderswo teilten.
Die chinesische Küstenwache bestätigte den Vorfall nicht im Detail und teilte lediglich mit, dass sie bei Bestrebungen, philippinische Einheiten von beanspruchten Gewässern fernzuhalten, im Einklang mit gültigem Recht gehandelt habe.
Sowohl China als auch Taiwan und die Philippinen erheben auf Bajo de Masinloc, in Chinesisch als Huangyan bezeichet, territoriale Ansprueche. Die Auseinandersetzung ist Teil der Territorialkonflikte im Suedchinesischen Meer zwischen Anrainern, zu denen auch Vietnam oder Malaysia zaehlen. Allerdings dominiert die Volksrepublik China seit einigen Jahren mit maritimer Praesenz.
Großbritannien – Japan
Als Premiere für beide Marinen landete zum ersten Mal ein F-35B-Senkrechtstarter der britischen Streitkräfte auf einem Flugzeugträger der japanischen Marine. Die Royal Navy veröffentliche am 9. August auf sozialen Medien Bilder der Landung auf dem jüngst zum Flugzeugträger umgerüsteten Kriegsschiff Kaga (DDH-184).
Die britischen Streitkräfte führen derzeit die Operation Highmast durch, in deren Rahmen der Flugzeugträger HMS Prince of Wales im indopazifischen Raum als Symbol der Relevanz dieser Region für London unterwegs ist. Operation Highmast findet unter Einschluss von Marineeinheiten Japans, der Vereinigten Staaten, Norwegens und Spaniens statt.
Überschattet wurde das Ereignis und die Operation allerdings von einem Zwischenfall mit einer weiteren britischen F-35B, die am 10. August eine Notlandung im japanischen Kagoshima durchführen musste. Der Pilot des Flugzeugs meldete eine technische Störung und wich auf den Flughafen aus, statt zum britischen Traeger zurückzukehren. Dies war der zweite derartige Vorfall, nachdem am 14. Juni eine britische F-35B des Trägerverbandes im indischen Thiruvananthapuram notlanden musste. Die Notlandung sorgte für Schlagzeilen, nachdem das Flugzeug für 38 Tage vor Ort verweilen musste, um auf technische Hilfe zu warten, die per A400M aus Großbritannien eingeflogen wurde.
Japan – Neuseeland
Unterdessen besuchten zwei Marineeinheiten der japanischen Marine die neuseeländische Hauptstadt Wellington am 11. August. Der Hubschrauberträger Ise (DDH-182, Hyuga-Klasse) und Zerstörer Suzunami (DD-114, Takanami-Klasse) liefen unter Begleitung des amphibischen Mehrzweckschiffs Canterbury (L421) der neuseeländischen Marine für einen dreitägigen Besuch im verregneten Wellington ein. Es ist der erste Flottenbesuch Japans in Wellington seit beinahe 90 Jahren. Zuletzt besuchte ein japanischer Marineverband Auckland im September 2019.
Die japanischen Einheiten hatten zuvor ebenso wie Canterbury an der multinationalen Übung Talisman Sabre in Australien teilgenommen. Japan intensiviert seit mehreren Jahren die Zusammenarbeit mit Partnern im indo-pazifischen Raum, was sich vermehrt in Hafenbesuchen, der Teilnahme an Übungen und der Rüstungskooperation mit ausgewählten Partnern ausdrückt. Zuletzt hatte die Auswahl eines japanischen Fregatten-Entwurfs für die Beschaffung der australischen Marine für Aufmerksamkeit und Schlagzeilen in der Region und weltweit gesorgt.
Alexander Luck













