Die dynamische Entwicklung im Indo-Pazifik hat auch für Deutschland und Europa große Auswirkungen in der globalisierten Welt. In der hartpunkt-Kolumne „Brennpunkt Indopazifik“ werden regelmäßig die wichtigsten Ereignisse am anderen Ende der Welt beleuchtet.
Indien
Die indische Marine hat am 26. August zwei Fregatten der Nilgiri-Klasse gleichzeitig in Dienst gestellt. Die Zeremonie fand in Visakhapatnam im östlichen Bundesstaat Andhra Pradesh in Anwesenheit des indischen Verteidigungsministers und weiterer hochrangiger Offizieller statt. Indische Programme zur Modernisierung der Streitkräfte erfahren fast schon traditionell signifikante Verzögerungen. In diesem Kontext stellt die Zeremonie einen durchaus bedeutenden Meilenstein für die Erneuerung der Marine dar.
INS Udaygiri (F35) und INS Himgiri (F34) tragen ebenso wie die Klasse an sich Traditionsnamen der indischen Marine. Die erste Nilgiri-Klasse war eine indische Evolution der britischen Leander-Fregatten. Die sechs Einheiten dieses Typs waren bis 2013 in Dienst. Die neue Nilgiri-Klasse, während der Definitionsphase als Projekt 75A bekannt, ist eine moderne Mehrzweckfregatte mit einer Verdrängung von 6.670 Tonnen. Zur Bewaffnung gehören 32 Zellen für Barak 8-Flugabwehrraketen mit einer Reichweite von etwa 100 km, acht Brahmos-Seezielflugkörper, ein MF-STAR-Feuerleitradar von IAI und ein Lanza-N-Luft- und Seeraum-Überwachungsradar von Indra. Weitere Bordwaffen sind das 76 mm-Geschütz von Leonardo und russische AK-630-Maschinenkanonen.
Indien beabsichtigt, alle sieben Fregatten der neuen Nilgiri-Klasse bis nächstes Jahr in Dienst zu stellen. INS Udaygiri und INS Himgiri sind bei der indischen Ostflotte im Dienst.
Philippinen – Australien
Die Philippinen und Australien beenden am 29. August ihr bislang größtes bilaterales Manöver, EXERCISE ALON 2025. Die Übung begann am 15. August mit der Teilnahme von über 3.600 Truppen, davon 1.600 aus Australien, 1.525 der philippinischen Streitkräfte sowie einem Gast-Kontingent von 530 Truppen aus Kanada und den Vereinigten Staaten.
Canberra und Manila deckten dabei das gesamte Spektrum ihrer Teilstreitkräfte ab. Die australische Komponente bestand unter anderem aus einer Lenkwaffenfregatte, F/A-18 F/G-Kampfflugzeugen, einer P-8A für die Seeraum-Überwachung und U-Boot-Bekämpfung sowie Heereselementen einschließlich Feldartillerie. Die Philippinen brachten ihre Marineinfanterie in Brigade-Stärke zum Einsatz, darüber hinaus eine Fregatte, Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber. Kanada entsendete die Lenkwaffenfregatte HMCS Ville de Quebec, während die USA mit Elementen des U.S. Marine Corps vertreten waren.
Übungsinhalt war unter anderem die Rückeroberung einer von feindlichen Kräften besetzten Insel im Südchinesischen Meer. Manila wie auch andere Anrainer der Region befinden sich in einem anhaltenden Konflikt primär mit der Volksrepublik China über Gebietsansprüche, die sich über weite Bereiche dieses Seegebietes erstrecken, unter anderem nahe der philippinischen Küste. Chinesische Kritik an Alon 2025 wurde von der philippinischen Regierung als Paranoia und Propaganda zurückgewiesen.
Russland – China
Die russische Pazifikflotte hat erstmals eine gemeinsame Patrouille diesel-elektrischer U -Boote mit der chinesischen Volksmarine (PLAN) abgehalten. Die russische Nachrichtenagentur TASS bestätigte das Ereignis am 27. August in einer Pressemitteilung.
Russland und China führen seit 2021 mindestens einmal jährlich eine derartige Patrouille, bezeichnet als „Maritime Interaction“, durch. In vergangenen Jahren bestanden die teilnehmenden Einheiten gewöhnlich aus Zerstörern, Fregatten und Korvetten beider Marinen, sowie Hilfsschiffen wie Flottenversorger oder Hochseeschleppern. Die PLAN entsandte dieses Jahr zum ersten Mal ein U-Boot der Kilo-Klasse (Projekt 636). Russland ordnete ebenfalls ein Boot dieses Typs, die Volkhov (B-603, Projekt 636.3) für die Übung ab.
Chinesische Medien gaben keine Einzelheiten zu Übungsinhalten für die U-Boote ab. Tass berichtete, dass beide Boote eine vorher vereinbarte Route im Japanischen und Ostchinesischen Meer über eine Distanz von 2.000 Seemeilen abfuhren. Das russische Boot kehrte nach dem Ende der Übung nach Wladiwostok zurück. Die chinesische Marine erfährt derzeit eine umfassende Modernisierung und Erweiterung ihre U-Boot-Waffe. Eine vertiefte Kooperation mit dem traditionellen Partner Russland dürfte daher in Zukunft zur Gewohnheit werden.
Vereinigte Staaten
Das United States Marine Corps (USMC) erwägt die Ausweitung von Stützpunkten zum Vorhalt von Material und Munition für Krisenfälle im indo-pazifischen Raum. Wie die hartpunkt-Partnerseite Naval News berichtete, sehen die Pläne derzeit die Errichtung entsprechender Infrastruktur in Australien und Palau vor. Vorbild ist das sogenannte „Marine Corps Prepositioning Program Philippines“ in Subic Bay. Das Vorhaben beinhaltet die Einlagerung von Material wie Generatoren, MEDEVAC-Ausrüstung sowie leichten Fahrzeugen und LKWs des USMC.
Die USA erweitern und modernisieren derzeit das Flugfeld auf der Insel Peleliu, zu Palau gehörend, einschließlich der Errichtung neuer Frühwarn-Radarsysteme. Eine Entscheidung über die Realisierung und weitere Schritte wird bis Oktober erwartet.
Alexander Luck














