Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner gestrigen Sitzung die sogenannte 25-Mio-Vorlage für den Abschluss einer Rahmenvereinbarung zur Herstellung und Lieferung von mittleren Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeugen Spezialkräfte (AGF-2) und mittleren taktischen Unterstützungsfahrzeugen Kommando Spezialkräfte (UFK) gebilligt. Die neue Spezialkräfte-Fahrzeugfamilie soll in zwei unterschiedlichen Varianten die beim Kommando Spezialkräfte seit 2003 in Nutzung befindlichen Fahrzeuge des Typs Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug Serval ersetzen.
Wie gut unterrichtete Kreise gegenüber hartpunkt bestätigen, darf die Bundeswehr nun eine entsprechende Rahmenvereinbarung für die Beschaffung von bis zu 80 Fahrzeugen mit dem niederländischen Hersteller Defenture B.V. abschließen, aus der jedoch nur 49 Systeme im Wert von etwas weniger als 100 Millionen Euro fest bestellt werden. Die restlichen 31 Systeme verbleiben als Option. Neben den Fahrzeugen soll auch eine gewisse Zahl an Aufklärungs- und Beobachtungsmasten sowie -sensoren beschafft werden. Der Verteidigungsausschuss hatte dem Vorhaben bereits gestern Vormittag zugestimmt.
Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat Defenture bereits im August 2021 mit der Entwicklung der neuen Spezialkräftefahrzeugfamilie beauftragt, nachdem der Bundestag kurz vorher rund 50 Millionen Euro für die Entwicklung der Fahrzeuge freigegeben hatte. Der niederländische Spezialist für Spezialkräftefahrzeuge hat die vier Nachweismuster Anfang 2024 an die Bundeswehr übergeben, die dort im Anschluss die sogenannte integrierte Nachweisführung durchlaufen haben, hartpunkt berichtete.
Die Bundeswehr plante bereits 2021 nur 49 von 80 möglichen Systemen zu beschaffen, die wie folgt aufgeschlüsselt wurden:
- 26 Systeme in der Variante Mittleres Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug Spezialkräfte (AGF 2),
- acht Feuerunterstützungsfahrzeuge mit einer 20-mm-Maschinenkanone sowie
- 15 Mittleres taktisches Unterstützungsfahrzeug Kommando Spezialkräfte (UFK).
Die neue Spezialkräfte-Fahrzeugfamilie basiert auf der Mammoth-Plattform von Defenture. Dabei handelt es sich früheren Berichten des BAAINBw zufolge um „ein offen gestaltetes Fahrzeugsystem mit integriertem Minenschutz, welches je nach Bedrohungslage mit ballistischen Schutzkomponentenergänzt werden kann“.
Das AGF 2 wird dabei die Mobilitäts- und Feuerunterstützungsplattform für die Kommandosoldaten bilden, während die leicht abgewandelte UFK-Variante für den Material-, Personal- und Munitionstransport – und somit die Versorgung der Kommandos – genutzt werden soll. Die Zuladungskapazität der 9-Tonnen-Plattform beträgt dem BAAINBw zufolge rund 3,5 Tonnen.
„Der modulare Aufbau der allradgetriebenen, hochmobilen Fahrzeuge ermöglicht eine optimale Vorbereitung für den jeweiligen Einsatzzweck. Dies bezieht sich insbesondere auf den ballistischen Schutz der Fahrzeuginsassen sowie die Wahl der Bewaffnung. Die Fahrzeuge der Variante AGF 2 können eine Vielzahl verschiedener Waffen auf der Hauptlafette und den Sekundärlafetten mitführen“, schrieb das BAAINBw im Anschluss an die Vertragsvergabe in einer Pressemitteilung im August 2021. „Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einen Aufklärungs- und Beobachtungssensor mitzuführen, der Ziele über große Distanzen aufklärt, identifiziert und deren genaue Position bestimmt. Die Fahrzeugvariante UFK dient primär dem Material- und Personentransport. Die Fähigkeit zur Selbstverteidigung ist durch die Bewaffnungsmöglichkeiten analog zum AGF 2 weiterhin gegeben“, so Bundeswehrbeschaffungsamt weiter.
Die Bundeswehr hat im Rahmen der Truppenerprobung mehrere Bilder der Fahrzeuge veröffentlicht, aus der sich unterschiedliche Ausstattungsmerkmale identifizieren lassen. hartpunkt hat dazu bereits vor geraumer Zeit ausführlich dazu geschrieben: Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug 2 – neue Bilder der Bundeswehr geben Einblick in die Ausstattung der zukünftigen Spezialkräfte-Fahrzeuge
Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug 2
Das Fahrzeug wird Herstellerangaben zufolge über einen 200-kW-Antrieb mit 8-Gang-Automatik angetrieben, der bis zu 610 Nm Drehmoment bietet. Ähnlich wie die weniger als halb so schwere ATTV-Plattform wird das Fahrzeug über einen Allradantrieb mit Vorderachs-, Mittel- und Hinterachsdifferential sowie eine Allradlenkung verfügen, was bei dem rund 5,6 Meter langen Fahrzeug zu einem Wendekreis von nur 12,5 Metern führt.
Technische Daten des Mammoth Länge 5,6 Meter Breite 1,99 Meter Höhe 2,3 Meter Steigfähigkeit mehr als 60 Prozent Kletterfähigkeit 0,425 Meter Bodenfreiheit 0,42 Meter Nutzlast 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht 8,8 Tonnen Leistung 200 Kilowatt Maximales Drehmoment 610 Nm Antriebsstrang permanenter 4×4-Allradantrieb Getriebe 8-Gang-Automatik mit manuellem Wählhebel Max. Geschwindigkeit 120 km/h Fassungsvermögen des Kraftstofftanks mehr als 150 Liter Reichweite 800 Kilometer (Straße)
Mit seinen Außenabmessungen von 5,65 m x 1,99 m x 2,26 m (L/B/H) passt das Fahrzeug zwar nicht als Innenlast in einem Hubschrauber (z.B. CH-47 Chinook), dafür kann es jedoch als Außenlast transportiert werden. Die Lufttransportfähigkeit mittels der C-130J sowie A400M ist hingegen gegeben.
Waldemar Geiger

















